Die Beleuchtung zaubert vorweihnachtliche Stimmung in die Wilhelma. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Christmas Garden in der Wilhelma zieht Besucher weit über Stuttgart hinaus an. An den Weihnachtstagen gibt es nicht mehr viel freie Plätze.

Stuttgart - Lang ist die Besucherschlange für den ersten Einlass am Samstag, voll der Weg entlang des Parkhauses. Gespannte Vorfreude kennzeichnet die Stimmung. Selbst die Pinguine schweigen, als bei einbrechender Nacht die Ersten vorbeispazieren. Lebhaft wird es an dem von einer großen Weihnachtsschlaufe gefassten Lichterpavillon, dessen Titel eine Besucherin später am Ausgang als „Sinnbild für den ganzen Christmas Garden“ bezeichnet: „Ein großes Geschenk“.

Wie nie zuvor kommen dann an dem von innen ausgeleuchteten Damaszener-Palast das filigrane Fensterbild und maurische Maßwerk zur Geltung, und sehr beschaulich wirkt die dezent mit Leuchtsternen versehene Doppelallee dahinter. Lebhaft aber wird es am historischen Pferdekarussell. „Voll retro“ sei das, sagt ein 24-Jähriger, bevor er in den Sattel der Giraffe steigt. Der kleine Moritz springt dem etwas größeren Simon hinterher, gemeinsam entern sie das Schifflein, bevor sich der ganze Zoo in Bewegung setzt. Wo sonst lässt sich noch für einen Euro Karussell fahren! Für Erwachsene einmal Kindheit und zurück.

Erfüllt vom Zauber, der auch der Seele guttut

Sichtbar staunend betreten die Besucher den Maurischen Garten, wo die mit Glühbirnen besetzten, kubisch geformten Zedern wie große Kaktusse aufstreben. Schnell aber zieht es die Besucher zum Seerosenteich, wo die aufsprühende Gischt in Verbindung mit Lichtprojektionen eine „Sensation in Dauerschleife“ bietet, wie ein junges Paar aus Stuttgart sagt, das sich jetzt „noch entspannter“ fühlt. Tanja aus Esslingen macht Fotos fürs Familienalbum, Floriana kuschelt sich an Oma Hanne, die ganz leise ist vor Glück. „Ein Geburtstagsgeschenk“, erklärt die Familie aus Murr, und der Steppke weiß auch, wie das Spektakel geht: „Die Kamera macht Licht rein, und dann kommen die Schmetterlinge, die Blumen und alle Bilder.“

Inge Pfeifer aus Schwäbisch Gmünd ist „ganz erfüllt von all dem Zauber, der auch der Seele guttut“, worauf sie nach oben weist: „Sogar die Wolken spielen mit!“ Nicht minder erfüllt findet sich Luzia aus Konstanz, die den Besuch ihrer Lindauer Freundin Karina „zum Sechzigsten“ geschenkt hat. Besonders gefällt ihr „das Zusammenspiel der Lichtobjekte mit der schönen, besinnlichen Musik. Das erst macht diese wunderbare Atmosphäre“, stellt sie fest und fügt hinzu: „Wir haben so viele Probleme, aber wir müssen uns auch etwas gönnen! Eine Auszeit für die Seele, etwas zum Auftanken!“ Den Ausflug bringt sie so auf den Punkt: „Wenn wir das nicht gemacht hätten, hätten wir etwas Großartiges verpasst.“

20 Prozent mehr Anfragen als sonst

So langsam dem Ausgang zustrebend, trägt das Teenie-Trio aus Maulbronn am Wunschbaum seine Herzenswünsche bei. Die aber sollen ein Geheimnis bleiben. Aus Mia aus Böhmenkirchen aber, elf Jahre alt, sprudelt es heraus: „Dass die Familie gesund bleibt und alle Menschen kein Corona kriegen.“ Am liebsten würde sie jetzt „die ganzen Sachen erzählen“, die sie auf den zwei Kilometern gesehen und erlebt hat. „Wie viel Mühe sich die Leute gemacht haben! Es ist so schön!“, fasst sie zusammen. Worauf ihre Mama nur noch anmerkt: „Es war für uns alle wie ein Besuch in einem Märchenland.“

Kein Wunder, dass sich Christian Doll, Geschäftsführer des Veranstalters C2 Concerts, gut eine Wochen nach dem Start schon „sehr zufrieden“ zeigt: „Wir haben fast 20 Prozent mehr Anfragen als sonst“, was nicht verwunderlich sei: „In dieser harten Zeit wollen die Menschen etwas Schönes erleben.“ Das Coronakonzept nach 2-G-Regel werde „problemlos akzeptiert“. Nur eines sollte noch durchdringen: „Dass der Nachweis demnächst nicht mehr per Impfpass, sondern nur noch mit QR-Code, möglichst digital erbracht werden kann. Aber 90 Prozent machen das schon so.“ Akzeptiert werde auch, dass in Halbstundenintervallen Einlass gewährt werde, mit jeweils höchstens 500 Personen, zur Begrenzung der Gesamtzahl im Parcours. Zudem weist Doll darauf hin, dass „schnell sein muss, wer Christmas Garden über die Weihnachtstage besuchen will, da ist schon fast ausverkauft“.