Am späten Nachmittag war der Nikolaus unterwegs. Foto: Tatjana Eberhardt

Während die Besucher bummeln, Glühwein trinken und Mandeln knabbern, haben ehrenamtliche Helfer alle Hände voll zu tun. Dazu sind immer weniger Menschen bereit. Und auch die Spendenphilosophie von Firmen hat sich verändert.

Möhringen - Akkordarbeit am Waffeleisen, bei der Glühweinausgabe, beim Braten der Roten Würste und beim Schöpfen von Gulaschsuppe. Am späten Nachmittag war der Nikolaus unterwegs und verteilte unzählige Tüten mit Weihnachtsmännern und Kugeln aus Schokolade. An den mehr als 50 Ständen rund um die Martinskirche am Oberdorfplatz boten Ehrenamtliche allerlei Selbstgebackenes, Selbstgemachtes und Selbstgebasteltes an. Keine Frage, beim 43. Christkindlesmarkt am Samstag in Möhringen gab es jede Menge zu tun. Ganz besonders für die Mitglieder des Bürgervereins, die das Ereignis seit jeher organisieren. Die Besonderheit: jeder Cent wird gespendet.

„Es ist der älteste und größte rein karitative Weihnachtsmarkt im Raum Stuttgart“, sagte Volker Grosser. Er ist seit 2015 der Vorsitzende des Bürgervereins und ergänzte: „Jeder macht hier ehrenamtlich mit. Die Leute, die hinter den Kulissen arbeiten – und zwar das ganze Jahr über – sieht man beim Markt selbst zum Großteil nicht einmal. Außerdem darf man den Auf- und Abbau der Buden und der Elektrik nicht vergessen“, zählte er ein paar Dinge auf, die beim Christkindlesmarkt bedacht werden müssen.

Bürgerverein ist dringend auf Helfer angewiesen

Ehrenamtliche Helfer zu finden ist nicht einfach: „Uns geht es wie vielen anderen Vereinen auch. Viele Mitglieder sind alt, und es ist schwer, junge Leute zu finden. Für einzelne Projekte kann man sie noch etwas einfacher gewinnen, aber sie dauerhaft zu halten, funktioniert leider oft nicht. Wir sind aber dringend auf Helfer angewiesen“.

Anita Maier und Gudrun von Stackelberg sind zwei der treuen Helfer. Es mache ihnen große Freude, etwas Gutes zu tun, waren sie sich einig. Gleiches erzählte auch ein Schüler der Margarete-Steiff-Schule, der am Stand des gleichnamigen Fördervereins den Besuchern selbst gemachte Kalender präsentierte sowie Marmelade und Himbeeressig schmackhaft machte. „Ich helfe hier gerne mit, da alles für den guten Zweck gespendet wird. Das macht mich glücklich“, sagte der Elfjährige. Doch wie schafften es die Ehrenamtlichen, bei Kälte stundenlang hinter ihren Tischen zu stehen? Sie waren dick eingepackt, hatten Wollmützen, Schals und Handschuhe an. Zumindest die meisten, am Waffelstand der Schüler des Königin-Charlotte-Gymnasium war das nicht erforderlich, dort war es kuschelig-warm. So auch an den Grills weiterer Buden, an denen es Rote Wurst oder Gulaschsuppe zu kaufen gab. Im Gemeindezentrum konnte man sich ebenfalls aufwärmen. Für warme Hände sorgten Glühwein und Kinderpunsch, der unter anderem vom Bezirksbeirat ausgeschenkt wurde – es waren hunderte Liter. Außerdem war Schichten auf dem Weihnachtsmarkt angesagt. Beim Bürgerverein erfolgte zum Beispiel ein stündlicher Wechsel. Bezirksvorsteherin Evelyn Weis und ihre Stellvertreterin Marie-Ann Heymann waren den ganzen Tag vor Ort. Der Erste und der Letzter, der an diesem Tag unterwegs war, war jedoch Volker Grosser.

Eine Tombola gibt es nicht mehr

Einen Wermutstropfen gab es dieses Jahr: Die Tombola fand nicht statt. „Viele Firmen stellen keine Streuartikel mehr zur Verfügung beziehungsweise spenden nur noch an bestimmte Einrichtungen“, erklärte Grosser. „Wir sind daher auf Crowdfunding umgestiegen und haben Firmen im Filderraum angeschrieben.“ Die vom Bürgerverein gesammelten Spenden kommen der Aktion Hilfe für den Nachbarn zugute. Ebenso die Einnahmen, welche der Verein beim Verkauf seiner selbst gebastelten Artikel erzielte. Hinzu kommt noch ein Teil des Geldes, dass der Bürgerverein als Überschuss beim Ausrichten von Kulturveranstaltungen und beim Catering erwirtschaftet. „Insgesamt landen so etwa 6000 Euro im Spendentopf für Hilfe für den Nachbarn. Das ist mehr als erfreulich“, sagte Grosser.

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