Der neue Aufsichtsrats-Vorsitzende Christian Steinle (li.) mit Präsident Rainer Lorz. Foto: SVK/Markus Schwarz

An diesem Samstag besucht Christian Steinle erstmals als Aufsichtsrats-Vorsitzender der Stuttgarter Kickers ein Heimspiel der Blauen, die 90 Minuten wird er dennoch weiter im B-Block verfolgen. Was sind seine Pläne?

Stuttgart - Sollte an diesem Samstag beim Heimspiel der Stuttgarter Kickers gegen die SF Dorfmerkingen kurz vor 14 Uhr jemand im Laufschritt von der Haupttribüne Richtung B-Block unterwegs sein, es könnte sich dabei um Christian Steinle handeln. Der neue Aufsichtsrats-Vorsitzende des Fußball-Oberligisten wird vor und nach den Spielen zwar verstärkt zur Netzwerkpflege in der Lounge präsent sein, die 90 Minuten Fußball wird er aber weiter im Stehplatzbereich unter den treuesten der Treuen verbringen, seine Schwenkfahne wird dabei auch künftig nicht fehlen. „Ich werde mit mehr Menschen sprechen, sonst nichts“, antwortet der 50-Jährige auf die Frage, was sich für ihn durch das neue Amt bei den Heimspielen ändern wird.

 

Vier Söhne zwischen zehn und 18

Damit kein falscher Verdacht aufkommt: Bei den Blauen hat jetzt nicht einer die Macht übernommen, der flammende B-Block-Leidenschaft und seriöse Aufsichtsratsaufgaben nicht zu trennen weiß, der promovierte Rechtsanwalt ist vielmehr nur ein bodenständiger, nahbarer Mensch, der sich nach fünf Tagen in der Woche im feinsten Zwirn freut, in sportlicher Kleidung seinen Herzensclub hautnah zu erleben und anzufeuern, oft auch mit einem seiner vier Söhne im Alter von zehn, 13, 16 und 18 Jahren an der Seite.

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Steinle ist in Lampertheim (Hessen) geboren, mit zwei Jahren kam er in die Region, wuchs in Öschelbronn auf, stand in der Jugend als Torwart beim TSV Öschelbronn und dem TV Nebringen zwischen den Pfosten Sein Vater, ein Ur-Stuttgarter, nahm ihn schon als Knirps mit zu den Kickers. In der 1990er Jahren gründete Christian Steinle den Fan-Club Blue Spirit Tübingen, der direkte Kontakt zur Vereinsführung begann nach den Abstiegen in die Regionalliga (2016) und in die Oberliga (2018). „Ich wollte mich gemeinsam mit einem Beraterteam inhaltlich stärker einbringen, es war ein schleichender Prozess“, sagt Steinle, der mit seiner Familie in Weilimdorf wohnt. Seit 2019 hat sich der Austausch intensiviert, schließlich kam von Präsident Rainer Lorz die Anfrage, ob er nicht für den Aufsichtsrat zur Verfügung stehe. Kurze Zeit später stellte sich die Frage, ob er auch den Vorsitz des Kontrollgremiums an Stelle von Alexander Lehmann übernehmen würde.

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„Ich kneife nicht“, sagte sich Steinle nach kurzer Bedenkzeit und sein Daumen ging nach oben. Entgegen kommt ihm, dass zum Jahresende eine Managementaufgabe in seiner Kanzlei endet und er von Februar bis April ein Sabbatical, einen unbezahlten Sonderurlaub, einlegen wird. Einen Großteil der Zeit wird er in die Kickers investieren. Er wird Vollgas geben. Steinle ist kein Mann für halbe Sachen. Zahlreiche Maßnahmen und Ideen hat er im Hinterkopf, um den Verein voranzubringen. Details will er noch nicht verraten, zu viel versprechen auch nicht. Nur so viel: „Wir wollen das hochkarätige Netzwerk erweitern, intensivieren, noch stärker nutzen, grundsätzlich durch seriöse Arbeit überzeugen und auf allen Ebenen noch professioneller werden.“ Passend dazu plant er Anfang nächsten Jahres den Workshop „Aufbruch“.

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Doch zunächst freut sich Steinle auf das Heimspiel gegen die SF Dorfmerkingen. Nach der Partie ist die Hinrunde beendet und die Saison wird damit auf alle Fälle gewertet: Komme, was wolle, zumindest das absolute Minimalziel Relegationsplatz, wäre dann erreicht. Mittelfristig wollen die Kickers mehr. „Klar möchten wir wieder in den professionellen Fußball“, sagt Steinle, der selbst schon öfter die deutschen Nationalmannschaft zu großen Turnieren begleitete. Das Kickers-Logo mit angenähter Deutschlandfahne hängt dann am Zaun. Wie etwa bei der WM 2018 in Russland beim 0:1 gegen Mexiko. Was den Fans der Blauen in der Heimat nicht verborgen blieb und sie zu humoristischen Rückschlüssen auf die schwache Leistung des DFB-Teams bewog. Auf einer beliebten Kickers-Fanpage auf Facebook stand seinerseits die nüchterne Feststellung: „Abwehr schwimmt. Mittelfeld ohne Bindung zum Spiel. Angriff findet nicht statt. Was so eine kleine Kickers-Fahne alles bewirken kann.“

Auch Christian Steinle kann darüber schmunzeln – wird aber mit Hochdruck daran arbeiten,dass die Blauen möglichst bald mit positiven Assoziationen in Verbindung gebracht werden.