Christian Schöne in Jubelpose: Löst der Sportliche Leiter von Frisch Auf Göppingen mit seiner Mannschaft am Saisonende das Ticket für den Europapokal? Foto: Baumann

2011, 2012, 2016 und 2017 hat Frisch Auf Göppingen den EHF-Pokal gewonnen. Auf der Zielgeraden dieser Handball-Bundesligasaison besteht erneut die Chance, sich für die internationale Bühne zu qualifizieren. Der Sportliche Leiter Christian Schöne äußert sich über die Aussichten.

Göppingen - Vier Spiele hat Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen in dieser Saison noch zu absolvieren. Soll am Ende ein Platz herausspringen, der für eine Teilnahme am EHF-Pokal berechtigt, ist ein Heimsieg an diesem Donnerstag (19 Uhr/EWS-Arena) gegen die HSG Wetzlar Pflicht. „Wir wollen so weit oben wie möglich landen“, sagt der Sportliche Leiter Christian Schöne (38).

Herr Schöne, befinden Sie sich im Europapokal-Fieber?

Was heißt Europapokal-Fieber? Wir haben vier Spieltage vor Saisonende die Chance, am Ende einen Platz zu belegen, der uns berechtigt am EHF-Pokal teilzunehmen. Das freut uns. Weil es immer unser Ziel ist, so gut wie möglich abzuschneiden.

Vor dem Heimspiel an diesem Donnerstag (19 Uhr) gegen die HSG Wetzlar steht Frisch Auf Auf Göppingen auf Platz acht mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Fünften MT Melsungen und minuspunktgleich mit dem Sechsten Füchse Berlin und dem Siebten, dem Bergischen HC.

Und auf den Neunten TBV Lemgo Lippe haben wir acht Punkte Vorsprung. Wir haben unser Saisonziel, einen einstelligen Platz zu erreichen, praktisch erreicht. Mit dieser guten Ausgangsposition schauen wir nicht nach hinten. Wir wären schlechte Leistungssportler, wenn wir nicht nach vorne blicken würden.

Also heißt das neue Ziel Europacup-Teilnahme?

Ich glaube es ergibt wenig Sinn, solche Ziele offiziell hinauszuposaunen. Solche Rechnungen wurden in dieser Saison schon einmal aufgemacht vor unserem Heimspiel gegen den Bergischen HC – prompt ging’s schief. Auch wenn es floskelhaft klingt, wir konzentrieren uns auf unser nächstes Spiel. Das zu gewinnen wird schwer genug.

Aber mehr Zuschauer lassen sich nun mal nur dann in die Halle locken, wenn es um etwas geht.

Deshalb geben wir ja auch alles, um so weit oben wie möglich zu landen. Wir geben uns ja nicht damit zufrieden, diesen achten Platz zu verteidigen.

Zumal Ihre reiselustigen Fans nach internationalen Auftritten lechzen.

Wir haben 2011, 2012, 2016, 2017 den EHF-Pokal gewonnen. Das waren emotionale Höhepunkte der Vereinsgeschichte. Wenn jemand diesen Wettbewerb zu schätzen weiß, dann ist es Frisch Auf Göppingen und unsere Fans.

Erst einmal dürften Sie am 17./18. Mai beim EHF-Pokal-Final-Four dem THW Kiel die Daumen drücken.

Wir hätten sicher nichts dagegen, wenn der THW gewinnt. Da sich Kiel über die laufende Bundesligasaison für den europäischen Wettbewerb qualifizieren wird, bekommt die Liga bei einem Kieler EHF-Pokal-Sieg einen Europapokalplatz mehr zugewiesen. Dann würde uns Platz sechs reichen.

Lesen Sie hier: Die Probleme der Spieler Prost und Schöngarth

Wie sehen Sie die Kieler Chancen?

Sie haben im Final Four Heimvorteil und sind der hohe Favorit. Zudem haben sie beim 20:18 im Spitzenspiel der Bundesliga gegen die SG Flensburg-Handewitt ihre derzeit gute Form gezeigt. Aber die Tagesform wird natürlich auch ganz entscheidend sein. Und die Konkurrenz mit Kiels Halbfinalgegner Team Tvis Holstebro aus Dänemark und dem möglichen Finalgegner Füchse Berlin mit unserem Ex-Trainer Velimir Petkovic oder FC Porto mit Magnus Andersson (Anm. d. Red.: ebenfalls Ex-Trainer von Frisch Auf Göppingen) ist nicht zu verachten.

Was wird entscheidend sein, damit Frisch Auf Göppingen in dieser Saison noch zwei, drei Plätze gutmacht?

Das Restprogramm der Konkurrenten ist ähnlich. Ich denke, die Clubs werden sich ein EHF-Pokal-Ticket sichern, denen mehr Überraschungen gelingen. Und Verletzungen spielen natürlich auch immer eine Rolle.

Sie geben das Stichwort: Wie sieht es vor dem Endspurt personell aus?

Sebastian Heymann fiel im Spiel vor einer Woche gegen den HC Erlangen auf seine linke Schulter. Es ist zum Glück nur eine Prellung. Es sieht ganz gut aus, dass er am Donnerstag gegen Wetzlar dabei sein kann. Ivan Sliskovic hat seine Virus-Infektion, die zu einer Gesichtslähmung führte, überstanden. Auch bei ihm sind wir guter Dinge, dass er uns gegen die HSG zumindest ein paar Minuten helfen kann.

Primoz Prost und Jens Schöngarth werden Frisch Auf verlassen. Da es bei ihrem künftigen Schweizer Club TSV St. Otmar St. Gallen interne Probleme gibt, drohen die Wechsel zu platzen. Könnten sich diese Turbulenzen um das Duo negativ auswirken?

Ich kenne die Einzelheiten nicht. Aber beide sind Profis genug, bis zum 30. Juni alles für Frisch Auf Göppingen zu geben. Beide sind lange genug dabei, dies ausblenden zu können.

Immer wieder wird darüber spekuliert, ob der an den HC Linz ausgeliehene Linkshänder Srdan Predragovic in der neuen Saison tatsächlich für Frisch Auf spielt, da auf seiner Position Nemanja Zelenovic und Neuzugang Nicolai Theilinger vorgesehen sind. Wird der Bosnier am 10. Juli beim Trainingsauftakt dabei sein?

Ja. Für uns stellt sich die Frage derzeit nicht.

Restprogramm der Europapokal-Aspiranten

MT Melsungen (Platz fünf, 36:24 Punkte, plus 20 Tore)

SG Flensburg-Handewitt – MT (16. Mai, 19 Uhr)

MT – TSV Hannover-Burgdorf (23. Mai, 19 Uhr)

HC Erlangen – MT (29. Mai, 20.30 Uhr)

MT – TBV Lemgo Lippe (9. Juni, 15 Uhr)

Füchse Berlin (Platz sechs, 36:26 Punkte, plus 34 Tore)

Füchse – Rhein-Neckar Löwen (26. Mai, 13.30 Uhr)

SG Flensburg-Handewitt – Füchse (29. Mai, 18.30 Uhr)

Füchse – HSG Wetzlar (9. Juni, 15 Uhr)

Bergischer HC (Platz sieben, 36:26 Punkte, plus 12 Tore)

Eulen Ludwigshafen – BHC (26. Mai, 16 Uhr)

GWD Minden – BHC (29. Mai, 20.30 Uhr)

BHC – SG Flensburg-Handewitt (9. Juni, 15 Uhr)

Frisch Auf Göppingen (Platz acht, 34:26 Punkte, plus 13 Tore)

Frisch Auf – HSG Wetzlar (16. Mai, 19 Uhr)

Rhein-Neckar Löwen – Frisch Auf (23. Mai, 19 Uhr)

VfL Gummersbach – Frisch Auf (29. Mai, 18.30 Uhr).

Frisch Auf – SC Magdeburg (9. Juni, 15 Uhr)

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