Christian Lindner wirkt bei seinem Auftritt etwas gehetzt und ist es wohl auch. Foto: factum/Bach

Christian Lindner wirbt in der Motorworld für seine Partei. Die FDP setzt im Wahlkampf alle Hoffnung auf das Charisma ihres mit 38 Jahren vergleichsweise jungen Bundesvorsitzenden.

Böblingen - Hilfe hat er abgelehnt. Der Chefliberale geht selbst mit dem Mikrofon durch die Besucherreihen, um das Mikrofon herumzureichen und Fragen zu beantworten. Die geben ihm Gelegenheit, die Mietpreisbremse und das bedingungslose Grundeinkommen zu geißeln, zu fordern, dass ab dem 60. Geburtstag jeder selbst entscheiden möge, wann er Rentner sein will oder dass Selbstständige zur Altersvorsorge verpflichtet werden sollen – nicht eben eine liberale Urposition.

Die FDP setzt im Wahlkampf alle Hoffnung auf das Charisma ihres mit 38 Jahren vergleichsweise jungen Bundesvorsitzenden, auf Christian Lindner. In ganz Deutschland wirbt sein überlebensgroßes Porträtfoto in schwarz-weiß um Wähler. Bei diesem Auftritt in der Böblinger Motorworld wirkt er etwas gehetzt, in der Mimik wie in der Rede, und das ist er wohl auch, denn er wahlkämpft mit dem Auto. Er kommt aus dem Stau, war schon verspätet hier, muss noch nach Ludwigsburg und wird auch dort nicht pünktlich ankommen.

„Das Rennen um Platz eins ist gelaufen.“

„Das Rennen um Platz eins ist gelaufen“, sagt er und meint damit, dass die CDU als Wahlsieger am 24. September feststeht, danach die SPD als zweitstärkste Kraft und Martin Schulz als eigentlicher Verlierer. „Mensch, da redet einer emotional – dummes Zeug.“ So fasst Lindner Anfang und Ende der Schulz-Euphorie zusammen. Den Christdemokraten bescheinigt er, dass sie nur ein Wahlprogramm geschrieben hätten, weil es gesetzliche Pflicht sei. „Sonst würde der CDU reichen: Merkel, weiter so.“

Zunächst zurück in den Bundestag will Lindner die FDP führen und dort auf den dritten Platz . Zur Wahl stünden dafür „Autoritäre, die Europa abschaffen wollen“, womit die AfD gemeint ist, oder „die Grünen mit ihrer moralischen Überheblichkeit“. Oder eben die FDP. Die im Moment drittstärkste Fraktion im Bundestag lässt er aus. Dies sind die Linken. Seit vier Jahren „haben wir eine Regierung ohne Ziele und eine Opposition, die so spannend ist wie eingeschlafene Füße“, sagt Lindner. „Ich verspreche, eines von beidem werden wir ändern.“ Was, ist offen, denn Voraussagen über eine Koalition sind dem FDP-Chef tatsächlich unmöglich. Darüber sollen im Fall des Falles die Mitglieder abstimmen.

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