Der Schauspieler Christian Kohlund wird am 17. August siebzig Jahre alt. Foto: dpa/Georg Wendt

Der Schweizer Schauspieler Christian Kohlund zählt zu den bekanntesten Gesichtern im deutschen Fernsehen. Er hat als Serienstar („Schwarzwaldklinik“, „Traumhotel“, „Zürich-Krimi“) und Charakterdarsteller auf der Bühne vieles gespielt. Aber eine große Rolle steht noch auf seiner Wunschliste.

Zürich - Wenn es für Schauspieler auch so etwas wie den TV-Wettbewerb „The Voice of Germany“ gäbe, wäre Christian Kohlund sicher auf dem ewigen Siegertreppchen. Ja, sagt der Schauspieler mit sonorer Stimme, er stelle immer fest, dass die Menschen ihn schon an der Stimme erkennen. „Ein Geschenk aus der Familie“, nennt er das, „auf jeden Fall keine Whiskey-Stimme!“ Der 1,90 Meter große Sympathieträger zählt zu den bekanntesten Gesichtern im deutschen Fernsehen. Er war in der „Schwarzwaldklinik“, im „Traumhotel“ und vielen anderen Serien und Filmen, und seit 2016 ist er mit der Serie „Zürich-Krimi“ präsent. Am 17. August wird er siebzig Jahre alt.

Mit dem „Zürich-Krimi“ kehrt Kohlund gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück. Der Schweizer wuchs dort nämlich zeitweise auf, und er kann, für deutsche Ohren ungewohnt, auch perfekt Schweizerdeutsch. Er spricht es selten, denn schon in frühen Jahren zog es ihn aus der Heimat weg Richtung Deutschland.

Seit 1982 ist er mit der ehemaligen deutschen Schlagersängerin Elke Best verheiratet und lebt heute im Bayerischen Wald. Die beiden haben zwei erwachsene Kinder. „Es hat mich immer in die Ferne gezogen. Jetzt habe ich manchmal das Gefühl, ich hätte in der Schweiz einiges verpasst“, sagt Kohlund der Deutschen Presse-Agentur. „Ich frage mich manchmal, wieso ich früher nicht öfters hier gewesen bin.“

Ein Weltbürger aus der Schweiz

Stört es ihn, für einen Deutschen gehalten zu werden? „Nein“, sagt Kohlund. „Ich habe nie drauf herumgeritten, dass ich Schweizer und nicht Deutscher bin. Ich habe mich immer als Weltbürger gesehen. So war unsere Familie schon. Mein Vater ist in Dortmund geboren, die Vorfahren kamen aus Dänemark.“

Ein großer Erfolg war die Serie „Das Traumhotel“ mit Kohlund in der Hauptrolle. Von 2003 bis 2014 spielte er Martin Winter, Hotelmanager und Geschäftsführer von Luxushotels in Traumkulissen in aller Welt. Den Grundstein für seinen Dauerplatz im Herzen der Fans hatte er in den achtziger Jahren als Professor Vollmer in der „Schwarzwaldklinik“ gelegt. Zu sehen war er auch in Serien-Klassikern wie „Derrick“, „Ein Fall für Zwei“ und „Das Traumschiff“. Seit ein paar Jahren sehen Zuschauer Kohlund als knorrigen Anwalt Thomas Borchert im „Zürich-Krimi“, der einmal gestrauchelt ist und nun für die große Gerechtigkeit kämpft.

Borchert ist sein Liebling

Professor Vollmer, Martin Winter oder Borchert, was ist seine Lieblingsrolle? Kohlund zögert keine Sekunde: „Ganz klar Borchert.“ Er sieht den Anwalt als vielschichtige Figur, die für Schauspieler noch mehr Reiz habe als ein Strahlemann. „Bei so etwas wie Borchert, da hat man mehr Einfluss auf die Figur als in manchen anderen Rollen. Und ich darf feststellen, dass man Leute, die ,Traumhotel’-Fans waren, mitgenommen hat, dass sie die Figur auch mögen.“ Kurz vor Weihnachten sind die Folgen 11 und 12 geplant. Die Dreharbeiten in den Schweizer Bergen wurden im März durch die Corona-Krise unterbrochen. Allerdings waren die Außenaufnahmen da bereits im Kasten, wie Kohlund sagt.

Bei aller TV-Präsenz sieht Kohlund sich aber als Theatermensch, wie seine Eltern, das Schauspielerehepaar Erwin Kohlund und Margrit Winter. Er stand schon als Kind an der Seite seines Vaters auf der Bühne und studierte später am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien. „Das ist meine künstlerische Heimat“, sagt Kohlund.

Er arbeitet als Theaterschauspieler und Regisseur, hat Hemingway und Kleist inszeniert. Als Paraderolle bezeichnet er den Strafverteidiger Clarence Darrow in dem Ein-Personen-Stück „Im Zweifel für den Angeklagten“ von David W. Rintels (nach einem Buch von Irving Stone). „Da bin ich bei mir angekommen“, sagt Kohlund. Er habe die Rolle über zehn, zwölf Jahre immer weiter entwickelt, und unter anderem auf Bühnen in Berlin, Frankfurt, Wien und Zürich gezeigt.

Sein Wunsch: König Lear auf der Bühne spielen

Kohlund will weder Fernseh- gegen Theaterrollen, noch Charakterstücke gegen Komödien ausspielen. „Ich habe mich immer geweigert, die Nase zu rümpfen über denjenigen, der Boulevard spielt“, sagt er. „Je vielseitiger man sich austoben kann, desto besser. Wichtig ist, dass der Beruf Spaß macht.“ Es müsse auch nicht immer die Hauptrolle sein. „In einer Produktion hat jeder eine tragende Aufgabe, das Ganze muss stimmen“, sagt Kohlund. „Was habe ich davon, die Hauptrolle zu haben, wenn alles andere nicht gut ist?“

Im Rückblick geht Kohlund auch mit sich selbst kritisch ins Gericht. „Ich bin auch nicht immer zufrieden mit mir, so ist es nicht. Man hat auch Arbeiten gemacht, die man im Rückblick vielleicht nicht so toll fand“, sagt er. „Aber hey, das musste zu dem Zeitpunkt eben sein, und so ist es nun. Meine Maxime: Wenn du es machst, dann mach es so gut wie möglich.“ Auf der Theaterbühne hätte Kohlund noch einen Wunsch offen: „König Lear zum Beispiel, das ist ein sensationelles Stück. Wenn alles drum herum stimmt, ja, dann wäre Lear reizvoll.“

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