Dank Tanja Danko-Böhler ist in Benningen Singen en vogue. Sie begeistert Alt und Jung und hat im dortigen Gesangverein gleich mehrere Chöre aufgebaut. Wieso gelingt ihr, was andernorts nicht funktioniert?
„ Gotthilf durfte ich in seinen letzten zwölf aktiven Jahren begleiten. Er konnte Menschen für Musik begeistern, ihnen die Freude am Singen vermitteln.“ Fast gerät Tanja Danko-Böhler ins Schwärmen, wenn sie von den Fischer-Chören erzählt. Im Alter von 18 Jahren begann sie dort zu singen. Der legendäre Gotthilf Fischer gründete 1946 seine Chöre, leitete sie fast ein Dreivierteljahrhundert lang.
Längst entflammt Tanja Danko-Böhler selbst Menschen für das Singen: Vor 18 Jahren übernahm sie den gemischten Chor des Gesangverein Benningen samt dem der – damals fünf – Kinder. „Der Dirigent ging, ich war Vizedirigentin, trat an und blieb.“ Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, die Zahl der Singfreudigen nahm zu. Seit Tanja das musikalische Zepter übernahm und „alte Zöpfe abschnitt“, haben sich die Chöre vermehrt: Nun gibt es den Liedergarten, für Kindergartenkinder ab drei Jahren, die – während Corona gegründeten – HitKids für Grundschüler, die YoungVoices für Mädels und Jungs ab Klasse fünf und den gemischten Chor NewVoices ab 16 Jahren. „Im Kinderchor singen von sechs bis 18 Jahren ist schwierig. Man muss Lücken schließen, einen nahtlosen Übergang schaffen mit mehreren Gruppen, um weiter singen zu können, wenn man älter wird.“
Wesentlich mehr weibliche als männliche Wesen täten das, sagt Danko-Böhler. „Wir haben Frauenüberschuss wie so viele – und freuen uns über jeden Mann, der zu uns findet und feststellt, dass Singen nicht uncool ist.“ Zumal sie in Sachen Chorliteratur so offen wie breit aufgestellt ist. Das beginnt beim klassischen Volkslied geht über Oper bis zu Musical, Pop und Rock. „Je nach Alter ändert sich der Musikgeschmack. Man muss mit der Zeit gehen, Sängerinnen und Sänger fragen, was sie gerne singen, besonders beim Jugendchor.“ Hole man den Nachwuchs mit Taylor Swift, Pink und Ähnlichem ab, gehe es bei Älteren querbeet, von Traditionellem bis zu Aktuellem.
Wieder großes Konzert in der Benninger Kelter
Zu den Highlights gehörten auch die Auftritte des Gesangverein Benningen wie etwa das weihnachtliches Konzert „Magic Moments“. 2024 steht es am 7. Dezember in der Gemeindehalle an. Und auch Musicals hat Danko-Böhler inszeniert – die Kinderchöre kooperierten mit der Grundschule. „Wir gewannen viele junge Sängerinnen und Sänger hinzu.“ Der Gesamtchor wiederum zeigte „Tabaluga“ zur 50-Jahr-Feier der Chorjugend. „Großartig! Wir hatten 70 Singende auf der Bühne, von drei bis 90 Jahren.“
Vielfalt, wie einst bei den Fischer-Chören. Dort trat die Ur-Benningerin, die 1981 in Marbach geboren wurde, auch als Solistin auf. „Ich drängte mich nicht nach vorne, hoffte, dass meine Stimme auffällt.“ Und Gotthilf Fischer hörte, was da in der schlanken Person steckt. Mit der Denkendorferin Ines Amanovic gab sie bei Fischer auch Duette. 2001 gründeten die beiden das Duo Tanja & Ines, das Schlager, aber auch Musical und Pop intoniert und vor 20 Jahren seine eigene Konzertreihe „Movie meets Musical“ etablierte. Am 12. Oktober ist es wieder so weit in der Benninger Kelter.
Tanja und Ines fanden sich allerdings nicht dank Fischer, sondern dank Fasching. Als beide Prinzessinnen bei der Stuttgarter Karnevalgesellschaften waren, hatte man ihnen eingetrichtert, sich nicht zu verschwestern. „Beim Fasching hörte damals der Spaß auf“, sagt Danko-Böhler und schmunzelt. „Doch wir fanden einander nett und merkten, ‚singen kann sie auch noch’.“ Nach einer Performance des ABBA-Welthits „Waterloo“ war klar: „Wir machen gemeinsame Sache – was dann alle toll fanden.“
Wann hat Tanja Böhler mit dem Singen begonnen?
Toll fand Tanja das Singen „von Kindesbeinen“ an. „Früh war ich im Gesangsverein – ich feiere dieses Jahr mein 30-Jähriges im GSV Benningen. Und ich war im Schulchor.“ Ihre Eltern förderten den Teenager mit privatem Gesangsunterricht. Und mit Akkordeonunterricht, den sie ab sechs Jahren erhielt. „Meine erste musikalische Berührung“, sagt sie. Mein Papa besaß schon das Akkordeon.“ Mit 16 Jahren hatte sie dann „ihre Eltern so weit“: Sie schenkten ihr zum Realschulabschluss ein Klavier. „Das wollte ich immer spielen. Ich habe es mir selbst beigebracht – der Gesangsverein war dafür eine gute Schule.“
Und obschon sich ihr Leben von klein auf um Musik drehte, ließ sie sich noch „fast nebenher“ zur Grafikdesignerin in Stuttgart an der Akademie für Kommunikation ausbilden. Auch bei ihrem Ehemann, der als Physiotherapeut selbstständig ist, arbeitet sie in der Praxis mit. Dort hat die Designerin die Innenräume gestaltet, vom Farbkonzept bis zu der Kleidung der Therapeutinnen und Therapeuten. „Früher nähte ich die meisten meiner Abendkleider selbst, das war klasse, um sich auf den nächsten Auftritt vorzubereiten“, schildert sie. „Aber mit Kindern, Job und Chören habe ich keine Zeit mehr dafür.“
Warum tut Singen gut?
Leitet sie doch die Proben aller, auch am Wochenende bereitet sie am Klavier Arrangements vor. „Ich bin zwar normales Mitglied, aber meine Tätigkeit im Gesangverein ist weit mehr als ein Ehrenamt, das ist eine Berufung. Es macht mir wahnsinnige Freude, andere mitzureißen.“
Singen stifte Gemeinschaft, sei gut für Gehirn und Atmung. „Und für ein friedliches Miteinander. Es ist wunderschön, wenn viele unterschiedliche Menschen gleich welcher Nation, welchen Alters und Berufs an einem Strang ziehen für ein gemeinsames Ziel: schöne Musik zu machen.“