Wilfried Warth mit Sängern aus den Liederkränzen Stetten und Unteraichen. Foto:  

Wilfried Warth gibt seinen Posten als Chorleiter des Liederkranzes Stetten nach 44 Jahren ab. Diese Entscheidung hat der Mann aus Leinfelden-Echterdingen nicht selbst getroffen.

Stetten - Es ist das letzte Mal, dass Wilfried Warth mit „seinem“ Liederkranz für einen großen Auftritt probt. „So, wie wir es geübt haben“, sagt er zu den rund 40 Sängern, „und nicht nur aufs Blatt schauen, sondern auch zu mir“. Dann setzt er sich ans Klavier und ist ganz in seinem Element. Der Chor wirkt konzentriert – trotz des intensiven Probenwochenendes, das hinter den Sängern liegt. Für den Auftritt am Samstag sollte nun alles passen.

Schon wieder ein Abschiedskonzert – von denen hatte Wilfried Warth in den vergangenen Monaten schon viele. So ist es eben, wenn man so viele Chöre unter seinen Fittichen hat – oder besser gesagt hatte. Vor 44 Jahren hat Wilfried Warth den Liederkranz Stetten als Chorleiter übernommen, später noch den Liederkranz Unteraichen und den Chor der Stuttgarter Bäcker „Philia“. Außerdem hat er Schulchöre geleitet, mit denen er Wettbewerbe gewonnen und unter anderem im Neuen Schloss in Stuttgart aufgetreten ist. „Da war ich schon sehr erfolgreich“, sagt Warth.

Der 74-Jährige wird auch weiterhin Musik machen

Mittlerweile ist der musikbegeisterte Mann 74 Jahre alt und hat noch lange nicht genug von seinem Job. Dass er den Posten als Chorleiter des Liederkranzes nun abgibt, war nicht seine Entscheidung. Der Verein habe gesagt, es sei Zeit für einen jüngeren Chorleiter – damit auch wieder jüngere Sänger zum Liederkranz kommen. Ein Mann, der bereits seit 35 Jahren beim Liederkranz Stetten singt, findet es schade, dass Wilfried Warth nicht weitermacht. „Andererseits verstehe ich es auch, dass im Chor langsam ein Umbruch passieren muss“, sagt er. Ob er selbst im Chor bleibt, wenn Wilfried Warth weg ist, wisse er noch nicht.

Wilfried Warth dagegen weiß, wie es für ihn weitergeht: „Ich werde weiterhin Musik machen“, sagt er. Das sei ja klar. Seine große Leidenschaft ist Jazz. Das hat er früher schon mit Mitschülern in einer Band gespielt. Und wenn er nicht gerade selbst Musik macht, hört er am liebsten den Radiosender Swiss Jazz. „Dadurch, dass ich das immer anhöre, kann ich es auch entsprechend selbst umsetzen“, sagt Warth. Gespielt wird bei ihm nämlich nicht nach Noten. „Ich spiele nach meiner eigenen Intuition, dann habe ich auch allerlei Möglichkeiten zu improvisieren“, sagt er. Improvisation sei vor allem beim Orgelspielen wichtig. Bereits mit 14 Jahren saß Wilfried Warth an der Orgel und tut es bis heute noch. Seine Partnerin sagt: „Ohne Musik kannst du gar nicht sein.“ Grinsend erwidert Warth: „Muss ich ja auch nicht.“

Aufhören, wenn es am Schönsten ist

Mit zehn Jahren hat Wilfried Warth bereits im Chor gesungen, heute konzentriert er sich ausschließlich aufs Dirigieren. Aber: „Singen sollte ein Chorleiter schon können“, sagt er und lacht. Das überlässt er aber – zumindest bei seinem Abschiedskonzert – seiner Partnerin. „Im zweiten Teil des Konzerts spiele ich ein paar meiner eigenen Jazz-Kompositionen und die darf meine Partnerin solo singen“, sagt er. Außerdem wird seine Band, die Uli Gutscher Band, mit auf der Bühne sein.

So wird es zwar eines von vielen Abschiedskonzerten von Wilfried Warth sein, aber sicherlich ein ganz besonderes. „Eigentlich ist es ganz gut, jetzt aufzuhören“, sagt er, „denn nach meinen letzten Konzerten hat immer jemand zu mir gesagt, dass das das beste Konzert war, das ich je gegeben habe“. Und man soll ja bekanntlich immer dann aufhören, wenn es am Schönsten ist.

Das Konzert „Musical and more“ ist am Samstag, 18. Mai, um 19.30 Uhr in der Festhalle Stetten, Jahnstraße 60. Saalöffnung ist um 18 Uhr. Der Eintritt kostet 13 Euro.

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