Chorfest im Kirchenbezirk Ditzingen Chöre führen Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ auf

Von Franziska Kleiner 

Der Ditzinger Bezirkskantor Andreas Gräsle hat die Gesamtleitung bei dem Oratorium, das am Sonntag aufgeführt wird Foto: factum/Granville
Der Ditzinger Bezirkskantor Andreas Gräsle hat die Gesamtleitung bei dem Oratorium, das am Sonntag aufgeführt wird Foto: factum/Granville

Acht Chöre präsentieren beim Chorfest der Kirchenchöre im Bezirk Ditzingen das Oratorium von Joseph Haydn. Am Sonntag, 14. Oktober, wird in die Korntaler Christuskirche eingeladen.

Ditzingen - Der Komponist Joseph Haydn nahm Ende des 18. Jahrhunderts mehrfach an Aufführungen des „Messias“ von Georg Friedrich Händel teil, die ihn offenbar sehr bewegten. Zurück in Wien – im Koffer ein geschenktes englisches Oratorienlibretto über die biblische Schöpfungsgeschichte – begann er, „Die Schöpfung“ zu komponieren. Das Werk wird am Sonntag in Korntal aufgeführt, die Gesamtleitung hat der Ditzinger Bezirkskantor Andreas Gräsle. Er erklärt, warum das Werk noch aktuell ist und warum auch Pop-Pianisten Klassisches einstudieren.

Herr Gräsle, warum sollten auch junge Menschen ins Konzert kommen?

Haydn ist ein ganz wichtiger Mensch im Komponisten-Dreiklang der Wiener Klassik. „Klassik bildet“ sagte neulich unser Schuldekan Andreas Hinz. Jeder angehende Musiker übt Werke der Klassik, auch der Pop-Pianist. Deshalb wäre es mir natürlich am liebsten, wenn junge Menschen gleich mitsingen würden. Aber das ist gar nicht so leicht, auch wenn wir von einer „kollektiven Stimme“ als Teil alles Sozialen, Kulturellen und Politischen mehr als überzeugt sein mögen. Einen Generationenchor aus dem Hut zu zaubern, das wär’s! Die erfahrenen Sänger brauchen wir natürlich bei so einem Werk auch. Da üben wir noch.

Nahezu jeder hat von Haydns „Schöpfung“ gehört, viele kennen das Werk aber nicht. Was erwartet den Konzertbesucher?

Das Oratorium „Die Schöpfung“ markiert an der Schwelle zum 19. Jahrhundert so etwas wie die Geburtsstunde des großen deutschen Oratoriums. In drei Teilen erleben wir gewissermaßen die Erschaffung und Beschreibung der Wunderwelt Schöpfung von der unbelebten Natur mit ihren Elementen über die Erschaffung sämtlicher Tiere bis hin zum Menschen. Viele volkstümliche Arien begegnen uns in dem Oratorium, aber auch viele erhabene Lobpreis-Chöre. Vielleicht liegt in dieser Verbindung das Geheimnis dieses jung gebliebenen Oratoriums. Man kann das Werk allerdings auch im Sinn des ästhetischen Neubeginns der Aufklärung deuten. Immerhin ist der Abstand zum offiziell-christlichen Weltbild durch das Fehlen des Sündenfalls im Garten Eden erheblich. Ein aufgeklärtes Menschenpaar bräuchte theoretisch also keine Erlösung.

Was war der Anlass zum Chorfest?

Die Idee zum gemeinsamen Chorfest mit Haydns „Schöpfung“ entwickelte sich vor etwa zwei Jahren bei einem Chorleitertreffen in der Christuskirche Korntal. Nachdem das Chorfest in Markgröningen wie auch die beiden Zyklen mit Kantaten von Johann Sebastian Bach schon Jahre zurück lagen, war die Begeisterung für ein gemeinsames Konzert, bei dem man die Kräfte bündeln kann, schnell entstanden. Dank der Unterstützung des Kirchenbezirks Ditzingen und Zuwendungen aus Stiftungen konnten wir das Projekt angehen.

Wie muss man sich die Proben so vieler Chöre vorstellen – haben alle einzeln geprobt?

Das ist unterschiedlich. Es gab zum Beispiel eine Probengemeinschaft der Chöre in Schwieberdingen und Markgröningen. In Gerlingen, Korntal, Hirschlanden, Heimerdingen und Ditzingen haben die Sängerinnen und Sänger mit ihren Chorleitern seit Januar meist für sich geprobt. Am 3. Oktober gab es einen gemeinsamen Probentag in Korntal. Ich war begeistert, wie gut die Chöre vorbereitet waren, Dank an alle Chorleiterinnen und Chorleiter! So können alle der Generalprobe am Samstag gelassen entgegen sehen.

Das Projekt und sein Leiter

Aufführung
Das Konzert ist am Sonntag, 14. Oktober, in der Christuskirche in Korntal. Die Aufführung beginnt um 16 Uhr.

Kantor
Andreas Gräsle ist Bezirkskantor im evangelischen Kirchenbezirk Ditzingen. Gräsle, geboren 1964 in Heilbronn, studierte Kirchenmusik in Stuttgart, machte die Konzertreifeprüfung im Fach Orgel in Saarbrücken und schloss Studien in Alter Musik an. Er war 1991 Preisträger des Internationalen Johann-Pachelbel-Wettbewerbs in Nürnberg. Von 1996 bis März 2003 war er Kantor und Organist an der Augustinuskirche Schwäbisch Gmünd. Sei April 2003 ist er Bezirkskantor in Ditzingen und an der Konstanzer Kirche tätig.

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