Gelungene Kooperation: Der ukrainische Chor „Scherzo“ singt zusammen mit dem Kinderchor Johanneskirche/Oberesslingen. An diesem Freitag gibt es ein Konzert in der Esslinger Martinskirche. Foto: Rainer Kellmayer

Im ukrainischen Chor Scherzo finden Geflüchtete eine neue musikalische Heimat. Die Kooperation mit dem Kinderchor Johanneskirche/Oberesslingen baut Hemmschwellen ab und fördert die Integration.

„Scherzo“ - so nennt sich der Chor, in dem ukrainische Flüchtlinge in der Region Esslingen zusammen singen. Der Name ist Programm: Das italienische Wort Scherzo bedeutet Scherz oder Spaß. Die stimmungsaufhellende Wirkung des Singens ist für die Choristinnen von besonderer Bedeutung, da die Erlebnisse in der durch den russischen Angriffskrieg erschütterten Ukraine viele der zumeist jungen Chormitglieder traumatisiert hat.

 

Entstanden ist der Chor im Rahmen der Integrationsarbeit der Malteser Neckar-Alb, die sich im Landkreis Esslingen der Geflüchteten annimmt. Triebfeder war Alina Jurkjane, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Sie stammt aus der lettischen Hauptstadt Riga, arbeitet bei TUI fly als Flugbegleiterin und engagiert sich ehrenamtlich bei den Maltesern. Finanziert wird die Chorarbeit durch den Integrationsfonds der Stadt Esslingen und durch Spenden.

Der Chorgesang ist gleichzeitig wie ein Deutschkurs

„Wir wollten Menschen aus der Ukraine, die sich in der neuen Umgebung sehr einsam fühlen, durch die Musik zusammenführen und ihnen Abwechslung im oft tristen Alltag bieten“, sagt Jurkjane, die den 2022 entstandenen Chor betreut, Kontakte knüpft, und auch als Dolmetscherin wertvolle Dienste leistet. Zweimal in der Woche treffen sich die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen zur Chorprobe. Es wird nicht nur ukrainisch gesungen – auch deutsche Volkslieder wie „Kein schöner Land in dieser Zeit“ stehen auf dem Programm. Damit ist der Chorgesang zugleich ein Deutschkurs, in dem die Ukrainerinnen die neue Sprache spielerisch lernen. „Der gegenseitige Austausch ist für die Flüchtlinge unheimlich wichtig. So erfahren sie Gemeinschaft und bauen neue Kontakte auf“, unterstreicht Alina Jurkjane die soziale Komponente des Projekts. Um den neuen Chor stärker zu integrieren, suchte sie einen deutschen Partner. Dieser wurde mit dem Kinderchor der Johanneskirche/Oberesslingen gefunden. „Als mich Alina wegen einer Kooperation anrief, merkte ich sofort: Die Chemie stimmt“, erzählt Kantorin Gabi Riegel, die den Kinderchor leitet.

Die Türen öffneten sich: Die Esslinger Versöhnungskirche stellte einen Probenraum zur Verfügung und gemeinsame Chorprojekte wurden angedacht. Zwar gibt es laut Riegel noch kleinere Probleme bei der Abstimmung der Proben, doch davon lässt sich niemand entmutigen: „Es ist schön, dass wir dem Chor eine musikalische Heimat geben konnten. Gemeinsam wollen wir Neues wagen“, betont die Kantorin.

Beim Kindermusical „David – oder: Die Macht der Musik“ werden Mitglieder des ukrainischen Chors mitwirken, und im Juli soll ein gemeinsamer Nachmittag mit Spaß, Bewegung und viel Musik helfen, die Kommunikation der beiden Chöre zu fördern und die Barrieren der unterschiedlichen Mentalitäten abzubauen. „Wir sind über die Zusammenarbeit sehr glücklich“, sagt Raisa Prudka. Die Chorleiterin von „Scherzo“ ist eine studierte Musikerin und hat früher an der Künstlerischen Akademie in Kiew gearbeitet. Unterstützt wird sie von Olga Lutkovska, die mit der Bandura, einer 34 -saitigen ukrainischen Lautenzither, dem Chorklang ein besonderes Flair gibt.

Der Chor freut sich über neue Mitstreiterinnen

Am Freitag, 28. Juni, wird sich „Scherzo“ um 18 Uhr mit einem Jubiläumskonzert in der Esslinger Martinskirche vorstellen. Erklingen werden nicht nur beliebte ukrainische Weisen, sondern auch Volkslieder aus Deutschland. Ein besonderes Schmankerl: Teilweise werden die ukrainischen Lieder mit deutschem Text gesungen.

„Über neue, junge oder auch etwas ältere Sängerinnen würden wir uns sehr freuen“, sagt Chorleiterin Raisa Prudka, die zudem Möglichkeiten für weitere Auftritte von „Scherzo“ sucht. „Wir sind gerne in Deutschland und möchten uns in der Gesellschaft noch stärker integrieren“. Man darf auf die weitere Entwicklung des Chors „Scherzo“ gespannt sein und sich auf Konzerte freuen.

Kontakt: alina.jurkjane@malteser.org .