In Sindelfingen und Bremen steht auch in der nächste Woche die Produktion teilweise still. Bei VW, Audi, Ford läuft es auch nicht rund.
Stuttgart - Der Mangel an Halbleitern zwingt die Autobauer weiterhin zu einer Drosselung der Produktion. Bei Daimler führt der Chipmangel nach Angaben des Unternehmens auch in der kommenden Woche in mehreren Werken zu Kurzarbeit. „Das Werk Sindelfingen passt in Teilbereichen aufgrund des anhaltenden Lieferengpasses die Fahrweise an“, sagte eine Sprecherin des Autobauers. Dies werde für die Beschäftigten größtenteils über Kurzarbeit ausgeglichen. Diese Regelung gilt bereits in der laufenden Woche, wo die Produktion der E-Klasse in Sindelfingen bereits am Donnerstag ruhte und es an diesem Freitag auch noch tut. In der nächsten Woche wird von Montag bis Mittwoch zusätzlich zur E-Klasse auch die Fertigung der S-Klasse und der elektrischen Luxuslimousine EQS gestoppt. Kurzarbeit gibt es in der nächsten Woche auch im Werk Bremen, wo die C-Klasse sowie der Geländewagen GLC produziert werden. In dieser Woche gab es hier in Teilbereichen einen Stillstand. Dagegen soll nach Angaben der Sprecherin in der kommenden Woche die Produktion in den Werken Rastatt sowie im ungarischen Kecskemet wieder laufen. In den beiden Werken werden kompakte Wagen wie die A-Klasse produziert.
Toyota muss die Produktion im September kürzen
Für eine große Überraschung an den Aktienmärkten sorgte am Donnerstag, dass Toyota im September die Produktion weltweit gegenüber der bisherigen Planung deutlich kürzen will. Nunmehr will der größter Autobauer der Welt rund 500 000 Wagen herstellen, bisher war die Produktion von fast 900 000 Fahrzeugen geplant.
Diese Hiobsbotschaft schickte die Autoaktien auf Talfahrt, denn Toyota war bisher deutlich besser durch die Chipkrise gekommen, als die meisten Wettbewerber. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 hatte das japanische Unternehmen von seinen Zulieferern eine höhere Vorratshaltung verlangt, um besser gegen Lieferausfälle gewappnet zu sein. Toyota hatte erst vor kurzem bekräftigt, dass in diesem Jahr 8,7 Millionen Fahrzeuge produziert werden sollen. Toyotas größter Wettbewerber VW teilte mit, dass die Fertigung im Stammwerk Wolfsburg nach den Werksferien in der kommenden Woche nur eingeschränkt wieder starten könne, weil elektronische Bauteile fehlen. Auf allen Fertigungslinien werde nur in einer Schicht gearbeitet. Es werde Kurzarbeit beantragt, sagte ein Sprecher. Bereits vor den Sommerferien mussten in Wolfsburg sowie in weiteren Werken des Autobauers Zwangspausen eingelegt werden.
VW produziert in Wolfsburg nur in einer Schicht
VW verwies als Begründung für die erneute Drosselung der Produktion auf die verstärkte Ausbreitung der Covid-Pandemie in Malaysia, wo viele Halbleiter-Hersteller sitzen. Der VW-Konzern geht davon aus, dass die Versorgung mit Chips auch im dritten Quartal dieses Jahres angespannt bleibe. „Bis Jahresende erwartet Volkswagen für die Halbleiterversorgung insgesamt jedoch eine Verbesserung. Wir sehen vor, den Produktionsrückstand im zweiten Halbjahr soweit möglich aufzuholen“, erklärte der Autobauer weiter.
Bei Audi stehen die Bänder still
Bei der VW-Tochter Audi stehen die Bänder in Deutschland auch in der kommenden Woche noch still, erklärte eine Sprecherin. Eigentlich hätten einige Linien anlaufen sollen. Audi hat bereits angekündigt, nicht alle Ausfälle bis Jahresende aufholen zu können.
Der Autobauer Ford hat seine Belegschaft in dieser Woche nach den Werksferien darüber informiert, dass die Produktion des Fiesta in Köln heruntergefahren und für zwei Wochen Kurzarbeit beantragt werde. Schon von Anfang Mai bis Mitte Juli war bei der Fiesta-Produktion in Köln eine Zwangspause eingelegt worden.
Bei BMW wird planmäßig gearbeitet
Bei BMW arbeiten nach Angaben eines Sprechers die Werke planmäßig. In München, Dingolfing und Oxford sind Sommerferien. Auch dort soll die Produktion danach wieder wie vorgesehen anlaufen, in den beiden deutschen Werken am kommenden Montag, in Oxford am Donnerstag. Die Situation sei derzeit allerdings extrem volatil und dynamisch, fügte der Sprecher hinzu.
In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) klagten 92 Prozent der Fahrzeugbauer über Rohstoffknappheit und deutliche Preisanstiege beim Einkauf von Produkten und Dienstleistungen. Ähnlich hoch war der Anteil in der gesamten Metallindustrie, im Baugewerbe, der Chemie- und der Kunststoffindustrie.