Daimler ist mehr denn je auf Kunden angewiesen, die teure Autos kaufen. Das macht der Konzern ihnen schwer.
Stuttgart - Die Chipkrise bringt den Daimler-Motor immer wieder aus dem Takt. Wie sich nun zeigt, leidet darunter nicht nur die Produktion, sondern auch das Verhältnis zu den Kunden. Käufer teurer Autos mit hochwertiger elektronischer Ausstattung wie einem neuartigen Navi sollen nun Fahrzeuge abnehmen, obwohl die Topgeräte auch nachträglich nicht mehr eingebaut werden können. Diese waren für viele aber ein Kaufgrund.
Stillschweigender Rückzieher
Monatelang hatte Daimler erklärt, fehlende elektronische Ausstattung werde nachgerüstet, und hat damit zögerliche Kunden noch zur Unterschrift bewegt. Dass der Konzern diese Aussage nun stillschweigend zurücknimmt, erzürnt vor allem diejenigen Käufer, auf die Konzernchef Ola Källenius das Unternehmen mit seiner Luxusstrategie ausrichten will. Daimler lässt die Kunden für die Krise büßen.
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Das wahre Ausmaß der Chip-Engpässe bei Daimler ist offenbar noch größer, als es bisher den Anschein hatte – selbst Spitzenfahrzeuge bekommen nun schwächere Zentralrechner, mit denen die neueste Technik gar nicht mehr genutzt werden kann. Zu erwarten wäre in dieser Situation, den Kunden den Ausstieg anzubieten. Stattdessen steuert man nun, ähnlich wie bei den Dieselprozessen, auf Zankereien mit Käufern zu, denen ihr Mercedes viel Geld wert war. Dadurch setzt der Konzern das Vertrauen von Kunden aufs Spiel, auf die er angesichts der Luxusstrategie mehr denn je angewiesen ist.