Chinesisches Neujahr Willkommen im Jahr des Erd-Hundes

Von Finn Mayer-Kuckuk 

Im chinesischen Kulturkreis beginnt am Freitag das Jahr des Hundes. Foto: AP
Im chinesischen Kulturkreis beginnt am Freitag das Jahr des Hundes. Foto: AP

Die Kommunisten wollten den Aberglauben ausrotten, aber die Chinesen halten am Tierkreiskalender fest. Millionen Menschen werden in den nächsten zwölf Monaten deshalb rote Unterwäsche tragen.

Peking - In einem Einkaufszentrum in der chinesischen Stadt Taiyuan steht eine haushohe Statue von Donald Trump als Hund. Ganz in Weiß gehalten, sticht die goldene Haartolle besonders heraus. Donald Wuff macht ein grimmiges Gesicht und hebt belehrend einen Zeigefinger. Denn Trump ist im Jahr des Hundes geboren – 1946 im Jahr des Feuer-Hundes.

Die Eigenschaften, die das chinesische Horoskop diesem Tierzeichen nachsagt, scheinen dabei auf den ersten Blick gut zu passen: Menschen aus den betreffenden Jahren ziehen gerne Aufmerksamkeit auf sich. Für Trump steht den Vorhersagen der Astrologen jedoch ein schwieriges Jahr bevor.

Die Chinesen halten an ihrem traditionellen Horoskop fest

Auch wenn die kommunistische Regierung jahrzehntelang den alten Aberglauben bekämpft hat – die Chinesen halten hartnäckig an ihrem traditionellen Horoskop fest. Am Freitag beginnt demnach das Jahr des Hundes. Auch wenn die Vorstellung nur schwer nachvollziehbar ist, dass sich mit dem Datumswechsel Glück in Unglück wandelt und umgekehrt: Weil Milliarden von Chinesen daran glauben, ist die fernöstliche Astrologie weiter relevant. Zumal in westlichen Ländern die verwandten Gedanken von Feng Shui oder der Bedeutung des Orakels Yijing (I Ging) immer beliebter werden.

China hält sich im Jahreslauf seiner Feiertage weiterhin an den Mondkalender. Deshalb hat das traditionelle Neujahrsfest ein wechselndes Datum, so wie bei uns Ostern. Mit Neujahr beginnt auch ein neuer Abschnitt im asiatischen Tierkreis. Das Jahr des Hahns weicht also Ende dieser Woche dem Jahr des Hundes. Insgesamt umfasst der Kreis zwölf Tiere; das vorige Hundejahr war 2006, das nächste wird 2030 sein.

Im chinesischen Kulturkreis herrscht zwei Wochen Ausnahmezustand

Das Neujahrsfest hat im chinesischen Kulturkreis einen ebenso hohen Stellenwert wie Weihnachten in Europa. In China, Taiwan, Korea und in Ländern mit vielen ethnischen Chinesen wie Vietnam, Singapur und Indonesien herrscht in den kommenden zwei Wochen Ausnahmezustand. Die vielen hoch mobilen Arbeitnehmer fahren alle zu ihren Familien zurück – eine Reisewelle, die selbst die Vorweihnachtszeit in den Schatten stellt. Von Donnerstagabend an böllern die Chinesen dann laut, um böse Geister zu vertreiben. Kinder bekommen Geldgeschenke in roten Umschlägen, die Familie schlemmt tagelang.

Vor allem aber ist der Hund das Deko-Element der Wahl. Werbeposter, Tassen, Shopping-Malls, öffentliche Bildschirme – überall sind die Umrisse von Hunden zu sehen. Animationen von fröhlich schwanzwedelnden Schlappohren öffnen sich ungefragt auf Shopping-Webseiten. Die Geschäfte spielen Popsongs zum Hundejahr in Endlosschleife.

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Das Jahr 2018 wird ein Jahr des Erd-Hundes wie zuletzt 1958

Die Sache ist mit einer ganzen Reihe von Mythen verbunden. So sollen alle, die in einem Hunde-Jahr geboren sind, vom Neujahrsfest an immer etwas Rotes am Leibe tragen, um Unglück abzuwehren. Da der Tierkreis zwölf Jahre umfasst, betrifft das die Chinesen, die in diesem Jahr 12, 24, 36, 48 Jahre alt werden und so weiter. Viele von ihnen tragen einfach zwölf Monate lang rote Unterwäsche.

Das Jahr 2018 wird ein Jahr des Erd-Hundes wie zuletzt 1958. Kinder, die in den kommenden Jahren geboren werden, sollen dem Volksglauben nach ehrlich, zuverlässig, geduldig und hilfsbereit sein. Anders als Feuer-Hunde wie Trump, sind sie eher introvertiert. Hunde kommen generell gut mit Tigern, Hasen und Pferden aus. Tabellen, aus denen hervorgeht, welches Tier in welchem Jahr galt, finden sich im Internet.

Die Einteilung der Zeit in Zwölferperioden ist schon für das chinesische Altertum überliefert und betraf außer dem Jahreskreis auch die Tage und Stunden. Auch der europäische Kulturkreis hat die Uhr in zwölf Tag- und zwölf Nachtstunden eingeteilt: Ein Kreis lässt sich auf diese Weise leicht aufteilen. Die Benennung nach Tieren half dabei auch der Masse der Bevölkerung, die nicht gut schreiben und rechnen konnte, das eigene Geburtsjahr anzugeben. Bereits aus der Zeit der Han-Dynastie (202 vor Christus bis 220 nach Christus) ist die Verbindung mit Charaktereigenschaften und Astrologie belegt.

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