Fast 100 000 Chinesen leben in Paris: Zum Neujahrsfest wurde deser kleine Junge stilecht verkleidet. Foto: Krohn

Fast 100 000 Chinesen leben in Paris. Sehr viele von ihnen wohnen im 13. Arrondissement und prägen in manchen Straßen das Stadtbild. Das hat historische Gründe.

Paris - Infernalisch laut ist es und sehr farbenfroh. Konfettikanonen schießen ihre bunte Fracht in den wolkenverhangenen Himmel, ein riesiger Drache vollführt Kapriolen, mehrere Männer in Schweine-Kostümen tragen einen fantasievollen Thron für den kleinen Kaiser auf ihren Schultern, andere haben seltsame Mützen mit Schweineohren auf dem Kopf. Kein Zweifel: Es ist chinesisches Neujahrsfest, China feiert das beginnende Jahr des Schweines.

Cécile und Victoria zupfen noch einmal ihre traditionellen Kostüme zurecht, bevor sich der schrille Umzug mit mehreren Hundert Teilnehmern unter dem Getöse von Trommeln am Place de la République in Paris in Bewegung setzt. Viele Monate haben sich die beiden 14-Jährigen auf ihren großen Auftritt als Ehrendamen am Hofe des Kaisers vorbereitet. „Wir sind so aufgeregt, es ist etwas Besonderes, hier mitmachen zu dürften“, rufen die beiden im Chor und winken lachend ins Publikum, das das Treiben bestaunt.

Viele Chinesen leben im 13. Arrondissement von Paris

„Das Neujahrsfest ist in China das wichtigste Fest“, erklärt Sacha Lin-Jung, der die Vereinigung der in Frankreich lebenden Chinesen vertritt. Fast 100 000 Chinesen leben in Paris, schätzt man. Sehr viele von ihnen wohnen im 13. Arrondissement und prägen in manchen Straßen das Stadtbild mit Restaurants, kleinen Supermärkten und Boutiquen.

Viele der dortigen Bewohner sind Ende der 1970er Jahre im Zuge einer großen chinesischen Immigrationswelle in Paris angekommen. Damals tobte in Kambodscha, einer ehemaligen französischen Kolonie, der Krieg und die chinesische Volksgruppe war in dem Land ihres Lebens nicht mehr sicher. Die Auswanderer ließen sich im 13. Arrondissement nieder, da dort unter dem damaligen Präsidenten Georges Pompidou mächtige Wohntürme gebaut worden waren, in denen die Franzosen nicht gerne lebten. In den Augen der Neuankömmlinge waren sie hingegen bezahlbare Luxusunterkünfte.

Die chinesische Gemeinschaft in Frankreich will sichtbarer werden

Das Neujahrsfest prunkvoll zu feiern sei gerade in der Fremde wichtig, erklärt Sacha Lin-Jung. Zum einen würden natürlich die Kinder an die Tradition ihrer Vorfahren erinnert. Zum anderen aber müsse die chinesische Gemeinschaft in der Öffentlichkeit sichtbarer werden. „Es ist unser großer Wunsch, die Traditionen zu teilen, um zu zeigen, dass wir eine offene Gesellschaft sind und dann auch besser verstanden werden.“

Das sei notwendig, sagt Sacha Lin-Jung, denn in den vergangenen Jahren sei es in Frankreich immer wieder zu Spannungen und auch aggressiven Akten gegenüber Chinesen gekommen. Als freundliche Geste gegenüber Frankreich zog am chinesischen Neujahrsfest natürlich auch ein gallischer Hahn seine Kreise um den Place de la République.

Cécile und Victoria fanden es schade, dass das Wetter mit heftigen Regenschauern an ihrem Ehrentag nicht ganz mitspielte. Doch sie konzentrieren sich schon auf den Höhepunkt der Festivitäten. Am 17. Februar steigt im 13. Arrondissement das ganz große Neujahrsfest. Mehr als 200 000 Besucher werden dazu erwartet – und die beiden Ehrendamen Cécile und Victoria mittendrin.

Das Jahr des Schweins hat begonnen

Am 5. Februar 2019 hat in China das Jahr des Schweins begonnen und endet am 24. Januar 2020. Das Schwein symbolisiert in Asien Glück, Reichtum und Zufriedenheit, weshalb dieses Jahr besonders überschwänglich begrüßt wird. Das Tier steht auch für ein fröhliches und harmonisches Zusammensein in der Gemeinschaft.

China feierte zuletzt 2007 das Jahr des Schweins. Damals hatten die Krankenhäuser sehr viel zu tun. Die Geburtenrate stieg an, denn offensichtlich wollten viele Frauen ihr Kind noch in jenem Jahr des Glücks und Zufriedenheit auf die Welt bringen.

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