Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist der weltweit führende Hersteller in dieser Branche. Foto: dpa

Durch die Beteiligung des chinesischen Unternehmens Masterwork verspricht sich Heidelberger Druck eine Stärkung seiner Position in China. Und es kommt frisches Geld in die Kasse.

Stuttgart - Das chinesische Unternehmen Masterwork beteiligt sich mit 8,5 Prozent am Kapital der Heidelberger Druckmaschinen AG. Damit wird das Unternehmen aus Tianjin größter Anteilseigner. Zwischen beiden Unternehmen gibt es nach Angaben aus Heidelberg bereits seit 2013 eine Vertriebspartnerschaft. Durch den Einstieg von Masterwork verspricht sich das Heidelberger Unternehmen größere Chancen auf dem wachsenden chinesischen Druckmaschinenmarkt für den Verpackungsdruck. Schon heute sei China der weltweit größte Einzelmarkt für den Verpackungsdruck, heißt es in einer Mitteilung von Heidelberger Druckmaschinen. Noch offen ist, ob sich die Heidelberger an dem chinesischen Unternehmen beteiligen werden.

„Idealer Partner“

Der Einstieg der Chinesen „führt auch zu einer besseren Auslastung unserer Werke weltweit“, sagte der Vorstandsvorsitzende Rainer Hundsdörfer. Zusammenarbeiten wollen die beiden Unternehmen auch beim Einkauf und der Fertigung von Teilen für Druckmaschinen, die Heidelberg in China montiert. Die dortigen Werke würden „enger verzahnt“, sagte ein Sprecher von Heidelberger Druckmaschinen. Die stärkere Kooperation werde aber „nicht zu einer Schwächung unserer Heimatstandorte in Deutschland führen“, erklärte Hundsdörfer. Li Li, die Präsidentin von Masterwork sagte, Heidelberg sei „der ideale Partner, um gemeinsam die Wachstumspotenziale im Verpackungsdruck heben zu können“.

Das an der Börse in Shenzhen notierte Unternehmen sieht sich als Spezialist für die Herstellung von Stanz- und Klebemaschinen für den Verpackungsdruck und gehört nach Angaben aus Heidelberg zu den größten chinesischen Herstellern in diesem Bereich. Mit 800 Beschäftigten und einem Umsatz von 150 Millionen Euro ist es weit kleiner als die Heidelberger Druckmaschinen AG. Diese hatte zuletzt mit 11 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro erzielt. Etwa zehn Prozent davon wurden in China erwirtschaftet.

Frisches Geld

Mit dem Einstieg von Masterwork will Heidelberger Druck nicht nur seine Position auf dem chinesischen Markt ausbauen, sondern auch seine finanzielle Lage verbessern. Dieser spült nach den Worten eines Sprechers 70 Millionen Euro in die Kasse. Dadurch steige die Eigenkapitalquote von 17 auf 19 bis 20 Prozent. Zudem könnten Schulden reduziert und zusätzliche Gelder in die Digitalisierungsstrategie von Heidelberg gesteckt werden. In deren Rahmen bietet das Unternehmen Kunden an, Maschinen nicht zu kaufen, sondern diese je nach Nutzung abzuzahlen. Bezahlt wird dabei beispielsweise nach der Anzahl der auf den Maschinen aus Heidelberg gedruckten Bögen. „Der Einstieg der Chinesen hilft, Heidelberg zu stabilisieren“, erklärte Hundsdörfer.

Diese beteiligen sich im Rahmen einer Barkapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechtes der bisherigen Aktionäre an Heidelberger Druck. Dabei werden neue Aktien ausgegeben. Es sei Kapital in einer Größenordnung genehmigt worden, die nun den 8,5 prozentigen Einstieg von Masterwork möglich mache, sagte der Sprecher von Heidelberg. Das Unternehmen kann weitere Kapitalerhöhungen vornehmen. Die Möglichkeit, bisherige Aktionäre vom Bezug neuer Aktien auszuschließen, sei nun aber ausgeschöpft.

Die Höhe des Anteils der Chinesen habe nichts damit zu tun, dass man unter dem Anteil von zehn Prozent bleiben wolle, von dem an die Bundesregierung den Einstieg von Investoren, die nicht aus der Europäischen Union kommen, genauer unter die Lupe nimmt. Der bisher größte Einzelaktionär, der Schweizer Druckunternehmer Ferdinand Rüesch, rutscht nach der Kapitalerhöhung mit einem Anteil von künftig acht Prozent auf den zweiten Platz ab. Der Einstieg soll noch im ersten Quartal unter Dach und Fach gebracht werden.

Politischer Streit

Die Beteiligung chinesischer Investoren an deutschen Firmen ist politisch umstritten. So wird befürchtet, diese zögen technologisches Wissen ab. Die Bundesregierung hat deshalb die Schwelle für Prüfungen bei Beteiligungen von 25 auf zehn Prozent gesenkt. Vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag war dies kritisiert worden. Der Industrieverband fordert aber auch, dass die Regierung in Peking Deutsche Investitionen in Chin erleichtern soll. Für besonderes Aufsehen hatte Anfang 2017 die Übernahme des Roboterherstellers Kuka durch den chinesischen Midea-Konzern gesorgt.

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