In der ehemaligen portugiesischen Kolonie Macao kann man gut essen. Von Entenfüßen bis zu weißen Trüffeln - ein kulinarischer Streifzug.  

Macao - Unter den riesigen Woks röhrt das Feuer. Ein Koch säubert sie blitzschnell mit einem Reisigbesen und heißem Wasser. Daneben garen in gestapelten Körben über Wasserdampf köstliche Kleinigkeiten wie Schweinefleisch und Fischbällchen im Reisteig, Entenfüße, süßes Brot mit Fleischfüllung und kandierte Spareribs. Alles muss schnell gehen - im Frühstücksrestaurant warten schon die Gäste. Das Lon Wa Tea House gegenüber vom Red Market in Macau gibt es schon lange. „Mein Vater hat es vor über 70 Jahren gegründet“, erzählt der Wirt Cha Siu Pao.

Einige Gäste haben in kleinen Holzkäfigen ihre Singvögel mitgebracht, die sie - wie Europäer ihre Hunde - spazieren führen. Die meisten kommen hierher, um sich beim Teetrinken über die neuesten Nachrichten auszutauschen. Irgendwann bestellen sie dann auch etwas zum Essen dazu. In Macau, der früheren portugiesischen Kolonie am südchinesischen Meer, kann man bestens einen Streifzug durch verschiedene Küchen machen. Im Gassengewirr der Altstadt gibt es traditionelle Gaststätten, in denen zu Gemüsesuppe und Tsingtao-Bier halbstündige Arien aus der chinesischen Oper geschmettert werden, preiswerte portugiesische Restaurants, wie sie auch in Lissabon stehen könnten, einfache Garküchen und chinesische und französische Spitzenrestaurants, die in der Spielermetropole Asiens ebenso ihren Platz haben.

Rote und gelbe Fische, Oktopusse und Krebse

Trubel herrscht auch im Red Market auf der anderen Straßenseite. Hier türmen sich Ingwer, Gewürze, verschiedenste Kohlsorten und anderes Gemüse, Mangos, Äpfel, aber auch Unbekanntes, zum Beispiel Javafrüchte. Diese sind groß wie Kürbisse, haben kräftige Kerne und zartes Fruchtfleisch, das nach Ananas und Apfelsinen schmeckt. Daneben gibt es eine Passage, in der geräucherte Enten und getrocknete Fleischfladen, eine Art chinesischer Fast-Food-Snack, feilgeboten werden. Rote und gelbe Fische, Oktopusse und Krebse aus dem südchinesischen Meer türmen sich auf den Marktständen mit Meerestieren. Mit scharfem Küchenbeil entschuppen, filetieren und portionieren Marktfrauen die Fische, die im häuslichen Wok nur noch kurz gegart werden müssen.

Mit einer Verbeugung und begleitet von einer Service-Brigade kommt Tang Kit Fat, der Chefkoch des Wing Lei Restaurants im Wynn Resort und Kasino, in den Speisesaal, der von einem glitzernden Drachen aus Swarovski-Kristallen erhellt wird. Auf den Tabletts bringen die Kellner ein Reigen appetitlicher Gourmethappen herein: Dumplings mit gedämpften Hummerkrabben, Rinderfilet mit sieben Gewürzen, Garnelen im Mandelmantel und Wasabi Sauce, Meeresfrüchte mit Spargel im Reisteig gebacken. In den Nebenräumen tafeln private Gesellschaften oder Business-Gäste, umsorgt von diskretem, lautlosem Service. Von hier ist es nicht weit zum Aurora im Altira Macau Hotel, das sich zwischen der 10. und 38 Etage eines verglasten Wolkenkratzers erstreckt. Das funkelnde Licht eines kristallenen Kronleuchters in der Wine Lounge der Aurora Bar konkurriert mit beleuchteten Klimawänden, hinter deren Glasfronten die Etiketten vieler Hundert Weinflaschen, darunter diverse Jahrgänge Château Petrus, schimmern. Wer einige leichte Appetithäppchen mit Panoramablick, aber ohne Alkohol genießen möchte, bestellt einfach einen Tee mit Anissternen, Zimtstange und Ginseng oder einen ungemein gesund schmeckenden grünen Drink aus frisch gepressten Weizensprossen.

Mindestens viermal im Jahr kommt der Meisterkoch

Stanley Ho schätzt gutes Essen und kann es sich auch leisten. Dem mehrfachen Milliardär gehören in Macau über ein halbes Dutzend Kasinos sowie die dazugehörenden Hotels und Restaurants. Dazu gehört auch das Robuchon au Dôme des französische Multi-Sternekochs Joël Robuchon. Mindestens viermal im Jahr kommt der Meisterkoch selbst aus Paris nach Macau, um die neue Menükarte abzustimmen und bei einem Galadiner zu präsentieren. Und so wird hier klassische französische Küche, zuweilen mit einigen pazifischen Noten, zelebriert. Mit einem Duo von weißen Trüffeln und Kartoffeln mit Olivenöl auf einem Carpaccio von geräucherter Foie gras oder einer auf der Haut gebratenen Seebrasse „mit fünf Gewürzen“, mit einer Verjus-Sauce aus gepressten unreifen Traufen säuerlich abgeschmeckt.

Rustikaler geht es im O-Manel zu. Ein Fernsehapparat in der Ecke sendet Neuigkeiten und Fußballkurzberichte aus Portugal, der gut gelaunte portugiesische Wirt Manuel Pena schenkt weißen Vinho Verde aus. Auf der Karte stehen Favas Guisadas, ein Bohneneintopf mit Chorizo, und Rippchen oder Bacalhau Grelhado, gegrillter Stockfisch. Zuweilen kommen auch einige macanesische Gerichte, wie Porco Ballychoo, ein Schweinegulasch, das mit einer Paste aus getrockneten und zerstoßenen Krabben und Gewürzen zubereitet wird. Ein Gericht, in dem sich portugiesisch-koloniale Kochtraditionen mit kantonesischer Küche verbinden.

Infos zu Macao

Anreise
Direktflüge von Frankfurt nach Hongkong mit Qatar Airways ( www.qatarairways.com ). Ab Stuttgart gibt es diverse Umsteigeverbindungen, etwa mit British Airways ( www.britishairways.com ) oder Air France ( www.airfrance.com ). Vom Flughafen in Hongkong flitzen Schnellfähren in 45 Minuten hinüber nach Macau. Für Staatsbürger aus Deutschland, der Schweiz und Österreich genügt zur Einreise ein gültiger Reisepass.

Unterkunft
Pousada de São Tiago ( www.saotiago.com.mo ) ist ein wunderschönes traditionelles Haus mit 12 Suiten in einem alten Fort an der Bucht. Preis pro Suite ab 240 Euro. Das Best Western Taipa ist ein 17-stöckiger Hotelturm auf Taipa, zwischen Altstadt und den Kasinos auf Kotai gelegen, Doppelzimmer ab 65 Euro pro Person, www.bestwesternhotelmacau.com .

Essen und Trinken
Robuchon au Dôme ( www.grandlisboahotel.com/ dining-Robuchon_au_Dome-en ) serviert sternegekrönte französische Kochkunst, die ihren Preis hat.

Im Restaurante Litoral ( www.restaurante-litoral.com ) gibt es macanesische Küche, die China kulinarisch mit Portugal und dessen früheren afrikanischen Kolonien verbindet.

Im Restaurant Wing Lei (im Wynn Macau) wird exzellent kantonesisch gekocht, elegantes Ambiente, köstliche Auswahl von Dim-Sum-Leckereien, www.wynnmacau.com .

Das Aurora (im Altira Macau) offeriert leichte Küche und bietet dazu einen tollen Blick vom Level 10 des Hotelturms, fantastisches Weinangebot, www.altiramacau.com/dining/#/aurora .

Das Long Wa Tea House in der Avenida do Almirante Lacerda 3 ist ein traditionelles chinesisches (Frühstücks-)Restaurant mit vielen Dim-Sum-Spezialitäten, gegenüber vom Roten Markt.

Das O-Manel in der Rua Fernao Mendes Pinto 90 ist eine portugiesische Nachbarschaftskneipe mit buntem internationalen Publikum.

Ausflüge
Hongkong ist nur eine Fährstunde entfernt und lässt sich problemlos individuell besichtigen. Infos: www.discoverhongkong.com/de/index.jsp . Bitte bedenken: Bei der Einreise nach Hongkong müssen Sie Zoll und Grenzkontrolle passieren. Ein Tagesvisum, das man vor Ort bekommt, berechtigt zur Einreise in den Grenzbereich der Volksrepublik China. Die Gongbei-Shopping-Mall hinter dem Grenzübergang nach China ist mit einem Riesenangebot und günstigen Preisen auf Tagesbesucher eingestellt. Fragen Sie im Hotel nach Tagestrips per Bus.

Allgemeine Informationen
Fremdenverkehrsbüro Macau, Schenkendorfstr. 1, 65187 Wiesbaden, Tel. 06 11 / 2 67 67 30, www.macau-info.de, www.macautourism.gov.mo . Die Währung in Macau heißt Pataca (MOP). 100 MOP entsprechen ca. 9,50 Euro. Auch Hongkong-Dollar und der chinesische Yuan werden meist akzeptiert.

Was Sie tun und lassen sollten
Auf jeden Fall sollten Sie sich auf den Trubel in den Straßen Macaus einlassen. Essen Sie ein superfrisches Dim-Sum von der Garküche am Straßenrand, oder trinken Sie ein Becher Tee, speziell zubereitet gegen Müdigkeit oder Liebeskummer.

Auf keinen Fall sollten Sie nach dem Essen nach chinesischen Glückskeksen fragen. Sie würden nur ungläubig amüsierte Blicke ernten.

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