Chimperator Heisskalt: Des Pandas bärtige Brüder

Von Nadja Dilger 

Die Band Heisskalt Foto: Peter Petsch
Die Band Heisskalt Foto: Peter Petsch

Die Band Heisskalt hat den „Play Live“-Wettbewerb gewonnen, beim Southside gespielt und ist jetzt Teil der Chimperator-Familie, zu der auch Cro, der Mann mit der Pandamaske, gehört.

Zu viert sitzen sie an einem kleinen Tisch im Stuttgarter Live-Club LKA und halten sich an ihren Bierflaschen fest. In ein paar Stunden beginnt hier die Weihnachtsfete des coolen Stuttgarter Indie-Labels Chimperator, das 2012 allen Grund zum Feiern hatte. Schließlich war es das Jahr des unaufhaltsamen Aufstiegs von Chimperator-Acts wie den Orsons und Cro. Für die vier Männer Anfang 20 soll dagegen 2013 ihr Jahr werden. Sie sind neu bei Chimperator, heißen Heisskalt, ­mögen es am liebsten laut und sollen dem ­bisher auf Rap spezialisierten Label Rock’n’Roll beibringen. Denn laut Chimperator-Boss Sebastian Andrej Schweizer will man sich künftig auch mit den „Themen rechts und links der bisherigen Basis Rap beschäftigen“.

Wenn aber die Heisskalt-EP namens „Mit Liebe gebraut“, die am 11, Januar erscheint, gleich ein Hit wird, hat die Band ein Pro­blem: „Wir schreiben bei jeder der 5000 Exemplare eine besondere Widmung rein“, verspricht Sänger und Gitarrist Mathias Bloech, „damit möchten wir allen danken, die uns immer unterstützt und an uns geglaubt haben.“ Die anderen Bandmitglieder nicken zustimmend.

Die vier Jungs aus dem Raum Sindelfingen/Böblingen sind zwar neu bei Chimperator, bringen aber schon jede Menge Erfahrung mit: „Wir machen alle schon seit über zehn Jahren Musik“, sagt Bloech, Sänger. „Jeder von uns war in den verschiedensten Bands aktiv, und da wir uns schon alle lange kennen und befreundet sind, kam irgendwann die Idee, es mal gemeinsam zu probieren – auf Deutsch, das hatten wir alle noch nie gemacht.“ Schlagzeuger Marius Bornmann ergänzt: „Wir kommen alle aus der Hardcore-Szene, sind darin groß geworden, und ein Teil der Idee war, das Gefühl und die Energie dieser Musik einfach für mehr Menschen zugänglich zu machen.“

Zwischen hart und verletzlich

Zwar hat sich die Band das Rohe, Harte bewahrt, doch in ihr knackiges Alternative-Rock-Repertoire schleichen sich auch immer wieder Verletzlichkeit, Melancholie und die Liebe zum Popsong ein. Zum Beispiel, wenn Bloech in der aktuellen Nummer „Dezemberluft“ vom Abschied erzählt: „Und zwischen Liebe, Tränen und Träumen erhasch’ ich den letzten Kuss von dir / Zwischen Menschen, Koffer und Säulen, erhasch’ ich den letzten Blick von dir / Und ich atme die kalte Dezemberluft und bin leer.“

Seit Gründung der Band im Jahr 2010 haben Heisskalt rund 60 Konzerte gespielt. „Für mich war ein Highlight, als wir nach einer Weile in meiner Heimatstadt Sindelfingen spielten und die ganzen Zuschauer alle Texte mitsangen“, sagt Bassist Lucas Mayer. Als Gewinner des Landesbandförderpreises „Play Live“ brachte es die Band aber auch zu einem Auftritt beim Southside-Festival in Neuhausen ob Eck. „Das South­side war genau ein Jahr nach unserem ersten Konzert“, sagt Bloech, „damals waren es knappe 50 Zuschauer, beim Southside standen da plötzlich 1000.“ Und das, obwohl die Band bereits um 12.30 Uhr dran war.

Im Frühjahr 2012 wurde Chimperator auf die Jungs aufmerksam. „Wir hatten gerade verschiedene Angebote von Plattenfirmen auf dem Tisch liegen, als Chimperator anrief“, sagt Mayer. Niko Papadopoulos, ­zusammen mit Schweizer Geschäftsführer des Labels, hatte das Heisskalt-Video zu „Bewegungsdrang“ gesehen und wollte die Band kennenlernen. Es war dann, so heißt es, Liebe auf den ersten Blick.

Zum Hip-Hop gedenkt die Band trotzdem nicht überzulaufen, bloß weil sie jetzt bei Chimperator ist. „Wir machen jetzt nicht einfach ein Rap-Feature mit einem Chimperator-Act, das wäre zu einfach“, sagt Gitarrist Philipp Koch, „während Bloech sich geschäftstüchtig gibt: „ Wir hören ja auch alle sehr gerne Hip-Hop – vor allem deutschsprachigen“, sagt er, „jetzt liegt es an allen Beteiligten, daraus einen musikalischen Mehrwert zu schaffen. Das ist definitiv ein Vorhaben: Voneinander lernen, andere Denkweisen mit dem eigenen kleinen Banduniversum verknüpfen.“

Wenn Bloech, Bornmann und Koch nicht gerade an der Musikhochschule studieren oder Mayer als Grafikdesigner sein Geld verdient, arbeitet die Rockband, die sich allein unter die Rapper gewagt hat, darum schon an den Songs für ihr erstes komplettes Album oder tourt eifrig durch die Republik.

Die EP „Mit Liebe gebraut“ erscheint am 11. Januar; in Stuttgart sind Heisskalt als Vorband von Jennifer Rostock am 20. Januar im LKA und bei ihrer eigenen Tour am 13. April im Keller Klub zu Gast. www.heisskaltmusik.de

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