Die Chilenen bringen sich im Hof eines Lokals in Stimmung Foto: Peter Michael Petsch

Am Mittwoch ist ein Stück Südamerika nach Stuttgart geschwappt. Zahlreiche Fans der chilenischen Nationalmannschaft sind aus der ganzen Welt angereist – mit Pauken, Trompeten und einer großen Leidenschaft.

Am Mittwoch ist ein Stück Südamerika nach Stuttgart geschwappt. Zahlreiche Fans der chilenischen Nationalmannschaft sind aus der ganzen Welt angereist – mit Pauken, Trompeten und einer großen Leidenschaft.

Stuttgart - Es ist ein Feiertag. Und ein Familientreffen. Die chilenische Fußball-Nationalmannschaft ist zu Gast in Stuttgart – und ihre Fans kommen aus allen Winkeln der Welt herbei. In Fahnen gehüllt fotografieren sie sich gegenseitig auf dem Schlossplatz. „Wir folgen unseren Spielern überallhin. Wir sind eine große Familie“, sagt ein bunt bemalter Anhänger und küsst sein Leibchen. „Und wir haben Feuer im Blut!“

Das kann man wohl sagen. In der Neckarstraße fühlt man sich schon am Nachmittag nach Südamerika versetzt. Das Tierra del Fuego, nach eigenen Angaben das einzige chilenische Restaurant in Deutschland, wird zur Anlaufstelle für Hunderte Fans. „Chi-Chi-Chi-le-le-le, viva Chile“, der Schlachtruf der Marea Roja, schallt ein ums andere Mal hinaus auf die Straße, die Trommeln hämmern dazu. Fanartikel werden ausgetauscht, Salsa klingt aus den Boxen, an der Bar herrscht Hochbetrieb.

Daneben steht Ricardo Pizarro und lächelt selig. „Das ist einfach schön“, sagt der chilenische Chef des Hauses, der das Restaurant seit einigen Jahren betreibt. Rippchen, Steaks und Würste brutzeln auf dem Grill. „Typische Gerichte aus Chile eben“, sagt Pizarro. So viele spanische Töne wie zum Gastspiel der Kicker hört man selbst in seinem Lokal nicht oft. Ein Feiertag auch für den Stuttgarter Gastronom.

Auch die hohe Politik Chiles gibt sich am Mittwoch die Ehre in Stuttgart. Der wegen des Länderspiels angereiste Außenminister der Republik, Alfredo Moreno, begleitet seinen Botschafter Jorge O’Ryan Schütz auf den Santiago-de-Chile-Platz auf dem Haigst zur feierlichen Enthüllung einer Bronzebüste. Sie zeigt die chilenische Literaturnobelpreisträgerin Gabriela Mistral. „Das ist der schönste Platz in Stuttgart“, sagt Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer, die bei der Enthüllung den Oberbürgermeister vertritt. Gabriela Mistral habe jetzt einen herrlichen Blick über die Stadt.

Die Büste kommt aus der chilenischen Traditionsgießerei Fundición El Progreso. Diese Firma und die Republik Chile stiften den Bronzekopf. Die Gießerei hat gute Beziehungen zu Stuttgart. Der Sohn des Inhabers, Felipe Rojas Velozo, war als Tenor auch an der Staatsoper in Stuttgart engagiert und singt zur Enthüllung ein chilenisches Lied über Liebe und Sehnsucht. „Großer Dank geht auch an Georg Kieferle, der mit großem Engagement für den Transport gesorgt hat“, sagt Botschafter O’Ryan Schütz. Kieferle ist Honorarkonsul Chiles in Stuttgart.

Nach einem Empfang im Bezirksrathaus in Degerloch, bei dem Außenminister und Botschafter Trikots der Stuttgarter Kickers in Empfang nehmen, macht sich die Delegation auf zum Rathaus. Hier wird Alfredo Moreno von OB Fritz Kuhn empfangen und trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein. „Ich liebe Pferde. Alle Menschen, die mit Pferden zu tun haben, sind etwas Besonders. Deswegen bin ich mir sicher, dass auch die Stuttgarter etwas Besonderes sind“, sagt der Außenminister in Anspielung auf den Namen der Stadt – und macht sich auf ins Stadion. Dorthin pilgern auch die leidenschaftlichen Fans – großteils zu Fuß. „Das ist bei uns so üblich. Manchmal sind wir stundenlang unterwegs und legen 20 Kilometer zurück“, erzählt einer. Nach dem Spiel geht die Feier in der Mono Bar am Wilhelmsplatz nahtlos weiter. Klar, ihre Mannschaft war auch trotz der knappen 0:1-Niederlage bärenstark. La Marea Roja zeigt auch an Land Leidenschaft – und Kondition.

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