Grandioser Ausblick: Patagonien bietet unbeschreibliche, weite Landschaften, majestätische Gletscher und eine unberührte Natur. Foto: Meyers

Für unseren Leser ist die Trekkingtour im Torres del Paine der Höhepunkt seiner Weltreise.

Ein paar Monate durch die Welt reisen, wer hat davon nicht schon geträumt? Für mich ging der Traum in Erfüllung. Die Route war schnell entwickelt, von Südamerika nach Nordamerika und dann mit der Transsibirischen Eisenbahn im tiefsten Winter von Moskau nach Peking, um von dort aus Südostasien kennenzulernen.

Einer der Höhepunkte, die mir immer in Erinnerung bleiben werden, ist eine Trekkingtour mit Zelt im Nationalpark Torres del Paine in Patagonien: Nach einem kurzen Zwischenstopp in Santiago de Chile geht es mit meiner Freundin Carmen per Flugzeug nach Punta Arenas, der südlichsten chilenischen Stadt. Beim Landeanflug werden wir von den berüchtigten patagonischen Winden empfangen. Mit dem Bus geht es ins 300 Kilometer entfernte Puerto Natales, dem Ausgangsort für Touren in den Park. Erst spät kommen wir an und ergattern um 23 Uhr noch Brot, einige Empanadas (gefüllte Teigtaschen) und ein paar Kekse an einem Kiosk. Das muss als Proviant für die nächsten acht Tage reichen.

Am nächsten Morgen geht es mit dem Bus Richtung Torres del Paine. Der Nationalpark ist bekannt für die vielen Gletscher, die bis zu 3000 Meter hohen Granit-Türme, die Torres, sowie für kontinuierliche Wetterkapriolen. Das Unbeständigste ist der Wind, der vom Pazifik her kommt und über das größte zusammenhängende Eisfeld außerhalb der Polkappen, den Campo de Hielo Sur, in den Park zieht.

Wir beschließen, den vollständigen „Circuito“ zu laufen: einen Rundkurs von etwa 120 Kilometer. Auf dem Weg gibt es immer wieder windgeschützte Stellen für das Zelt, einfache WC- und Duschvorrichtungen; Kioske und Basis-Schlaflager findet man nur an zwei Stellen im ganzen Park. Die ersten Tagesetappen von 18 bis 25 Kilometern führen uns bei Sonne und angenehmen 20 Grad durch die patagonische Macchia, über Flüsse und kleine Hügel. Immer wieder kreuzen Nandus, Guanacos oder Rinder unseren Weg. Ansonsten weit und breit kein Mensch: fast schon unheimlich. An den vielen Flüssen können wir unsere Trinkflaschen mit frischem Gletscherwasser auffüllen. Abends suchen wir uns immer einen geschützten Platz für das Zelt, essen sparsam und schlafen früh. Morgens geht es dann nach einer kalten Dusche weiter, durch dichten Wald in Richtung des Los-Perros-Gletschers. Oben angelangt hat man eine grandiose Sicht über das ganze Tal. Dann wartet die Königsetappe auf uns: die Überquerung des John-Garner-Passes (1200 m). Der Wecker klingelt bereits um 5.30 Uhr, da die Chancen für die Überquerung morgens am besten sind. Während des gesamten Aufstiegs hagelt es, und wir kämpfen uns durch den Schnee nach oben. Am Pass angekommen ist im Nebel der Riesengletscher Grey (20 km lang und 11 km breit) gerade so zu erkennen. Es geht nur noch sehr langsam vorwärts, und zum Teil müssen wir krabbeln, damit der Wind und der einsetzende Hagel uns nicht umstoßen. Am Nachmittag lichtet sich der Nebel, die Sonne kommt hervor, und der majestätische Gletscher zeigt sich in seiner ganzen Pracht – die Landschaft ist atemberaubend.

Die nächsten Tage verlaufen ebenso schön. Nur das Wetter spielt weiter verrückt: An ein und demselben Tag erlebt man Sonnenschein, Regen, Wind und Schneefall. In unserer letzten Nacht schneit unser Zelt ein, doch am Morgen bezaubert der Anblick von Sonne und Schnee. Trotzdem haben wir das starke Bedürfnis nach einem richtigen Bett, einer warmen Mahlzeit, einer heißen Dusche. Glücklich kehren wir in die Zivilisation zurück, mit vielen einzigartigen Eindrücken: zum einen diese unbeschreibliche weite Landschaft, die Unberührtheit der Natur, vor allem aber auch eine bewusstere Wahrnehmung. Selten haben wir ein simples Brot mit so viel Genuss gegessen wie in diesen Tagen!

Die Leserreise

Der Leser
Christoph Meyers wohnt in Ludwigshafen und Düsseldorf. Der 30-Jährige arbeitet als Unternehmensberater. Seine Hobbys sind Fotografie, Laufen, Tennisspielen.

Die Reise
Die Reise wurde individuell geplant: Flug von Frankfurt über Buenos Aires nach Santiago de Chile, von dort Flug in die südchilenische Stadt Punta Arenas. Mit dem Bus weiter nach Puerto Natales (300 km). Beste Reisezeit ist der Dezember (Sommer in Patagonien). Kosten: Flug ca. 1500 Euro, Eintritt in Nationalpark ca. 22 Euro, Campingplatz-Übernachtung 7 bis 14 Euro pro Person.

Was Sie tun und lassen sollten
Auf keinen Fall die Tagestour zu den Torres verpassen. Auf jeden Fall genügend Proviant auf den Weg mitnehmen, am besten auch einen Gaskocher. Es gibt die Möglichkeit, Träger für das Gepäck zu buchen. Bei schlechtem Wetter und wenig Sicht ist es besser, einen Ruhetag einzulegen, da die Wege immer sehr schmal sind und steil abfallen. Infos: www.torresdelpaine.com.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: