Die deutsche und die kubanische Flagge, zahlreiche Blumen und Kerzen wurden an der Stelle niedergelegt an der ein 35-jähriger Mann erstochen wurde (Bild vom 13. September 2018). Foto: ZB

Der Tod eines Deutschen in Chemnitz durch Messerstiche hat die Stadt aufgewühlt. Nun kommt einer der drei Tatverdächtigen vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen Syrer erhoben. Die Ermittlungen gegen zwei Iraker laufen weiter.

Chemnitz - Der gewaltsame Tod eines 35 Jahre alten Chemnitzers am Rande des Stadtfestes kommt vor Gericht. Gut vier Monate nach der Gewalttat hat die Staatsanwalt Chemnitz gegen einen der drei Tatverdächtigen Anklage erhoben. Wie die Behörde am Dienstag mitteilte, wird dem in Untersuchungshaft befindlichen Syrer gemeinschaftlicher Totschlag sowie gemeinschaftlicher versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Laut Staatsanwalt soll der Asylbewerber Alaa S. am 26. August gemeinsam mit dem auf der Flucht befindlichen Iraker Farhad A. den 35 Jahre alten Deutschen durch Messerstiche getötet haben. Zudem sollen beide einem weiteren Mann eine schwere Stichverletzung im Rücken beigebracht haben. Das Verfahren gegen den Iraker, der weltweit mit Haftbefehl gesucht wird, wird den Angaben zufolge abgetrennt.

Mehr als 100 Zeugen wurden vernommen

Ob gegen einen dritten Tatverdächtigen Anklage erhoben werde, werde in absehbarer Zeit entschieden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der Iraker Yousif A. war Mitte September aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil gegen ihn kein dringender Tatverdacht mehr besteht.

Nach der Gewalttat war es in Chemnitz zu fremdenfeindlichen Übergriffen, rechten Demonstrationen mit zahlreichen Straftaten wie Zeigen des Hitlergrußes sowie Anschlägen auf ausländische Restaurants gekommen.

Im Zuge der Ermittlungen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehr als 100 Zeugen vernommen und eine Vielzahl von Spuren ausgewertet worden. Danach soll sich die Tat wie folgt abgespielt haben: Nach einem lautstarken Streit zunächst nur zwischen dem flüchtigen Iraker und dem später getöteten Daniel H. kam es zu wechselseitigen Tätlichkeiten, wobei der Asylbewerber stürzte.

Daniel H. stirbt nach Stich ins Herz

Der jetzt Angeklagte Alaa S. soll dem Mann dann zu Hilfe gekommen sein. Beide Asylbewerber sollen anschließend mit Messern in Oberarm und Brustbereich des 35-Jährigen sowie in den Rücken eines seiner Begleiter gestochen haben. Daniel H. starb den Angaben zufolge an einem Herzstich und einen Lungendurchstich. Sein Begleiter erlitt eine drei bis vier Zentimeter tiefe Stichverletzung und musste mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden.

Weiter unklar ist der Anlass für den Streit. Ebenfalls noch offen ist die Rolle des auf freiem Fuß befindlichen Irakers.

Am Tatort hatten Familie, Freude, Bekannte und Sympathisanten einen Gedenkort aus Blumen, Kerzen, Fotos und einem Kreuz errichtet. Kurz vor Weihnachten war nach Absprache mit der Familie des Getöteten an gleicher Stelle eine Erinnerungsplatte in den Gehweg eingelassen worden.

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