Martin Blessing ist mit sich im Reinen, er hat die Bank durch schwere Zeiten manövriert. Foto: dpa

Auf seiner letzten Hauptversammlung bekommt Martin Blessing nicht überschwänglich viel Lob, aber auch nur verhaltene Kritik.

Frankfurt - Mit großen Lobesreden hatte Martin Blessing wohl kaum gerechnet. Aber zumindest wollte der scheidende Vorstandschef der Commerzbank nach mehreren turbulenten Hauptversammlungen zum Abschied ein paar versöhnliche Worte hören. Und die gab es auch, obwohl die Schlussbilanz der Aktionärssprecher durchaus gemischt ausfiel. Insgesamt „befriedigend“ bewertet der Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding, die Leistung des 53-Jährigen. Er lobte vor allem seine Hartnäckigkeit, mit der er die angeschlagene Bank seit der Übernahme von dem heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller vor fast genau acht Jahren durch diverse Krisen gesteuert hat.

Natürlich kam Blessing zugute, dass er den Aktionären zum Abschied nicht nur den ersten Milliardengewinn nach fünf Jahren präsentieren konnte, sondern dass die Anteilseigner auch endlich wieder eine Dividende bekommen, magere 20 Cent zwar nur, aber immerhin. Deutlich wurde aber auch, dass die Aktionäre noch nicht davon überzeugt sind, dass die Erholung nachhaltig ist und dass Blessings Nachfolger Martin Zielcke weiter auf Erfolgskurs bleiben wird. Bestärkt wurden diese Zweifel dadurch, dass Blessing selbst in seiner Eingangsrede von dem schwachen ersten Quartal sprach, das wohl Auswirkungen auf das Gesamtjahr haben werde. Der Gewinn werde daher voraussichtlich für 2016 schlechter ausfallen, sagte Blessing. Da half auch nicht, dass er betonte, dass man natürlich anstrebe, wieder eine Dividende zu zahlen; der Kurs ging auf Talfahrt.

Aber auch ohne Blessings Andeutung bestand ausführlich Redebedarf bei den Anteilseignern. Schon um 13.30 Uhr musste der Aufsichtsratsvorsitzende Müller die Rednerliste schließen, sonst hätte man die Versammlung notfalls auf einen zweiten Tag ausdehnen müssen – und schon dieser eine Tag hat immerhin 3,9 Millionen Euro gekostet, wie Blessing auf Aktionärsfrage erklärte. „Billig ist das nicht.“ Ausführlich gingen mehrere Sprecher auf die Aussagen des Vorstandschefs ein, dass man vier Ziele bereits erreicht habe, die erst für Ende 2016 geplant waren. Zwei andere Ziele werde man aber nicht erreichen, die Niedrigzinspolitik und höhere Kosten für die Regulierung seien die Hauptgründe dafür. Zum Teil waren es Aussagen, wie man sie auf vielen Hauptversammlungen hört. Dürfen Banken Rüstungsunternehmen finanzieren? Oder warum hat der Vorstand nicht rechtzeitig auf Warnungen reagiert, dass das niederländische Unternehmen Imtech, das mit an der Dauerbaustelle Berliner Flughafen beteiligt war, Pleite gehen wird? Nun muss die Bank „viele Millionen“ abschreiben, wie ein Aktionär schimpfte.

Für Blessing aber war wichtig, dass die Bank heute deutlich stabiler aufgestellt ist. Die Milliardenrisiken, die durch die Finanzkrise und die Übernahme der Dresdner Bank schließlich die Staatshilfe notwendig machten, sind deutlich geschrumpft, die restlichen Werte werden in die „Kernbank“ übernommen, die Krise ist offiziell vorbei. Für die Zukunft bleibe die Stärkung der Kapitalpolster aus eigener Kraft vorrangig, sagte er. Mit einer harten Kernkapitalquote von zwölf Prozent liege die Bank zwar inzwischen im europäischen Mittelfeld. „Dennoch ist dies kein Grund, sich auszuruhen.“ Sein Nachfolger wird der bisherige Privatkunden-Chef Martin Zielke. „Du bist in dieser herausfordernden Zeit genau der Richtige“, rief Blessing Zielke zu.

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