Zum 1. Januar 2022 übergeben Bosch-Chef Volkmar Denner sowie Aufsichtsratschef und Gesellschafter Franz Fehrenbach an ihre Nachfolger. Was die vier Manager bewegt.
Stuttgart - Chefwechsel sind bei Bosch selten. Stefan Hartung ist nach Gründer Robert Bosch erst der siebte Bosch-Chef in der 135-jährigen Unternehmensgeschichte. Am 1. Januar übernimmt er den Spitzenposten von Volkmar Denner und damit einen Konzern, der 2021 einen deutlichen Umsatzzuwachs schafft – jedoch in schwierigen Zeiten.
Der promovierte Maschinenbauer Hartung wurde 1966 in Dortmund geboren, seit 2004 ist er bei Bosch und seit 2013 in der Geschäftsführung. Er weiß, wie der Konzern tickt, denn er hat zentrale Bereiche jahrelang selbst geführt – zuletzt als Chef der Autosparte – und wickelte 2013 auch den verlustreichen Ausstieg aus dem Solargeschäft ab. Das prägt ihn bis heute.
Hartung – der Optimist
„Das war eine schwierige Zeit. Das zu verkünden und in die betroffenen Gesichter zu schauen, hat mich auch persönlich sehr berührt“, sagt Hartung. Sein Kompass bei schwierigen Entscheidungen? „Als erstes die Frage: Tun wir das Richtige? Und als Nächstes: Wie machen wir das richtig im Einklang mit unseren Werten?“, sagt er.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Die Baustellen des neuen Bosch-Chefs
Die Veränderungen und Weichenstellungen sind gewaltig – sei es die Transformation zur Elektromobilität, Vernetzung und zunehmende Softwareanforderungen, die Chipkrise, gestörte Lieferketten oder die Coronapandemie. Doch Hartung strahlt Zuversicht aus. „Meist stellt man die Weichen ja nicht allein – man muss auch Glück haben und Menschen, die gute Ratschläge geben und den Weg fördern“, sagt Hartung. Wichtig sei aber auch, eine Entscheidung zu treffen – und dann „alle an Bord zu holen“. Er kann gut mit Menschen, redet locker und schnell, kann komplizierte Dinge sehr einfach erklären und lacht gern. „Durch den Austausch mit Menschen gewinne ich immer Energie. Das ist fast wie bei einem Akku.“
Denner – der Wissenschaftler
Der scheidende Bosch-Chef Denner hat schon in der Weihnachtswoche seine Abschiedsmail an die Bosch-Beschäftigten verschickt. Weltweit sind es rund 400 000, fast 100 000 mehr als bei seinem Amtsantritt im Jahr 2012. Für jemanden, der eher nüchtern wirkt, endet die Mail geradezu emotional: „Im Herzen bleibe ich immer ein Boschler und bin in Gedanken auch weiterhin bei Ihnen und diesem einzigartigen Unternehmen“, hat er geschrieben.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Wie familienfreundlich ist Bosch?
Den promovierten Physiker zieht es in die Wissenschaft. „Ich war Wissenschaftler, bevor ich zu Bosch kam, und das bin ich mit Leib und Seele geblieben. Ich kehre also zu meinen Wurzeln zurück“, sagt der 65-Jährige, der Bosch beim Thema Quantentechnologie beraten wird. „Das ist eine vielversprechende Zukunftstechnologie“, sagt Denner. „Ein Technologieunternehmen wie Bosch muss solche Trends von Grund auf verstehen und sich rechtzeitig darauf vorbereiten.“
In seiner Zeit als Bosch-Chef hat der Konzern fast 100 Milliarden Euro in die Zukunft investiert und den Umsatz von gut 51 Milliarden auf rund 78 Milliarden Euro 2021 erhöht. Das ist deutlich mehr als im Krisenjahr 2020 (71,5 Milliarden Euro) und mehr als 2019, dem Jahr vor der Pandemie. Bei Umsatz und operativem Ergebnis schneide Bosch 2021 sogar besser ab als ursprünglich erwartet, hat Denner jüngst angekündigt.
Denner hat praktisch sein ganzes Berufsleben bei Bosch verbracht. Worauf er besonders stolz ist? „Mein ganzes Berufsleben lang liegt mir das Thema Nachhaltigkeit sehr am Herzen. Seit Februar 2020 sind nun all unsere Standorte klimaneutral. Damit sind wir das erste Industrieunternehmen weltweit, dem dies gelungen ist“, sagt er.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Was verdient man bei Bosch
Und was hat ihm die meisten schlaflosen Nächte bereitet? „Neben dem Ausstieg aus der Fotovoltaik und der Windenergie gleich zu Beginn meiner Amtszeit vor allem die Dieselkrise, die nicht nur für mich persönlich sehr belastend war. Aber wir haben sie bewältigt und durch verantwortungsvolles und beherztes Handeln erheblichen Schaden von unserem Unternehmen abgewendet“, sagt er. Ein wichtiger Ausgleich waren für ihn immer Natur und Sport. „Hierfür sowie für Reisen und Lesen mehr Zeit zu haben, darauf freue ich mich gemeinsam mit meiner Frau besonders.“ Außerdem will er noch eine weitere Fremdsprache lernen.
Fehrenbach – „der grüne Franz“
Denner wird entgegen der bisherigen Tradition also nicht Aufsichtsratsvorsitzender und geschäftsführender Gesellschafter der Robert-Bosch-Industrietreuhand KG (RBIK), um Franz Fehrenbach (72) abzulösen, der Ende 2021 aus diesen Ämtern ausscheidet. Die RBIK übt die Gesellschafterrolle aus, hier werden wesentliche Entscheidungen vorbereitet und diskutiert.
Fehrenbach, ein Winzersohn aus dem badischen Kenzingen, ist seit fast 47 Jahren bei Bosch und hat den Konzern von 2003 bis 2012 geführt. Er hat die Geschäfte abseits der Kfz-Technik ausgebaut, den Konzern nachhaltig ausgerichtet und stieg in die Solartechnik ein. Während Firmengründer Robert Bosch wegen seiner sozialen Ader „der rote Bosch“ genannt wurde, hatte Fehrenbach den Spitznamen „der grüne Franz“. Er hat nicht nur den Stiftungskonzern mitgeprägt, sondern in gewichtigen Verbänden auch Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung – viele nennen ihn einen Wirtschaftskapitän.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Harald Kröger verlässt Bosch
Als Aufsichtsratschef war für ihn ebenfalls mit die schwierigste Entscheidung, aus der Solartechnik auszusteigen – doch der Preiswettbewerb war ruinös. „Stark belastend für mich war auch die Dieselkrise“, sagt Fehrenbach, der künftig mit seiner Frau auch mehr reisen will. Und was er Bosch wünscht? „Da bleibe ich ganz bei unserem Gründer: eine erfolgreiche und kraftvolle Weiterentwicklung, dabei immer die Balance von Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung wahren, die Dauerhaftigkeit von Erfolgen kritisch hinterfragen und daher stets weiter innovieren getreu unserem strategischen Leitmotiv ‚Technik fürs Leben‘.“
Asenkerschbaumer – der Netzwerker
Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer (65) ist seit 1987 bei Bosch und wird Nachfolger von Fehrenbach als Aufsichtsratschef und persönlich haftender Gesellschafter sowie Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der RBIK. Der gebürtige Oberbayer ist mehr als ein Hüter der Zahlen. Wenn es um wichtige Entscheidungen geht, setzt er auf ein Netzwerk aus Fachleuten. „Die Welt ist nicht eindimensional, sondern unwahrscheinlich facettenreich. Daher brauchen wir immer unterschiedliche Perspektiven, um gute Entscheidungen zu treffen“, sagt er.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Nicht nur ein Mann der Zahlen
Robert-Bosch-Industrietreuhand KG (RBIK)
Machtzentrum
In der Industrietreuhand werden wesentliche unternehmerische Entscheidungen vorbereitet und diskutiert, auch ob die Pläne der Geschäftsführung mit dem Wertesystem des Gründers vereinbar sind. Die RBIK ist das eigentliche Machtzentrum von Bosch.
Stimmrechte
Die RBIK besitzt zwar nur 0,01 Prozent der Bosch-Anteile, aber 93 Prozent der Stimmrechte – die übrigen liegen bei der Familie Bosch. Die Anteile an der GmbH liegen zu 94 Prozent bei der gemeinnützigen Robert-Bosch-Stiftung, die mit den Erträgen gemeinnützige Projekte fördert.