Auf der rechten Seite der Website öffnet sich der Chat, wenn man es möchte. Foto: /Karin Ait Atmane

Die Plochinger Stadtverwaltung (Kreis Esslingen) spricht neuerdings 95 Sprachen, zumindest im Internet. Zu verdanken ist das Künstlicher Intelligenz, die durch die Figur Pling Fragen beantwortet. Für Menschen mit Beeinträchtigungen gibt es ein Angebot in einfacher Sprache: Plomi.

Wer die Homepage der Stadt Plochingen öffnet, wird von einem lachenden Bubengesicht begrüßt, das sich als „Pling, der Chatbot der Stadt Plochingen“ vorstellt und die Warnung hinzufügt: „Ich befinde mich aktuell noch in der Lernphase.“ Das stimmt tatsächlich, noch läuft nicht alles ganz perfekt. Aber die Anwendung soll aus ihren Fehlern lernen, und die zeigen sich nun mal vor allem in der Praxis.

 

Wer in einer anderen Sprache kommunizieren will, braucht Pling nur entsprechend zu begrüßen. Zum Beispiel mit „Bonjour“, worauf der Chatbot auf Französisch fragt, wie er weiterhelfen kann. Pling spreche auch Türkisch, Ukrainisch, Arabisch, Mandarin oder einige afrikanische Sprachen, nennt der Anbieter auf Anfrage einige Beispiele. Plomi, die zweite Figur, zu der man in der Dachzeile des Chats wechseln kann, ist als Omi angelehnt und gibt derzeit die Antworten in einfacher Sprache. Dieses Angebot richtet sich an Menschen mit Beeinträchtigungen.

An Verbesserungen wird gearbeitet

Helfen können Pling und Plomi dabei, sich im Plochinger Internetauftritt und bei anderen Verwaltungsangelegenheiten zurechtzufinden. Denn die KI greift auf die Website der Stadt, auf deren Veranstaltungskalender und Vereinsregister und auf die Service-Bw-Seite des Landes zurück. Diese Quellen durchsucht sie, wenn sie etwas gefragt wird, und fasst das Ergebnis zusammen.

Rechtssicher seien die Antworten aber nicht, sagte Joana Visel, die Projektleiterin Digitalisierung im Plochinger Rathaus, die dem Verwaltungsausschuss (VA) die neue Möglichkeit vorstellte. Das liege daran, dass eine KI nicht juristisch formuliere. Ebenso kann die KI nur das wissen, was in ihren Quellen hinterlegt ist.

Das sahen die VA-Mitglieder auch als Chance: So könne man leichter Informationslücken auf der Website aufdecken, meinte Silvia Ergin (OGL). Die SPD hatte den Chatbot im Vorfeld ausgiebig getestet und dabei ein paar Ungereimtheiten entdeckt. So sah Hanna Zinßer noch Verbesserungsbedarf bei der einfachen Sprache. Und Plomi und Pling erscheinen bisher nur auf der Startseite und nicht auf den Unterseiten des Plochinger Internetauftritts. An alledem werde gearbeitet, versichert Joana Visel, die im ständigen Kontakt mit dem Anbieter, dem Start-up-Unternehmen Neuraflow in Bremerhaven, ist.

Persönlicher Kontakt bleibt bestehen

Trotz aller Einschränkungen steigern Pling und Plomi auch jetzt schon deutlich den Komfort. Es ist einfach angenehmer, „suche Mitarbeiterin XY“ einzugeben und direkt zur gewünschten Adresse geführt zu werden, als sich durchzuklicken und zu scrollen. Man darf gespannt sein, wie intensiv der Chatbot genutzt wird. Karel Markoc (CDU) äußerte die Hoffnung, dass sich dadurch die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgerschaft verbessere. Den persönlichen Kontakt soll der neue Service aber nicht ersetzen: Man mache damit ein Angebot für Menschen, die solche Anwendungen nutzen, so Visel. Die anderen dürfen weiterhin in den Bürger-Service kommen oder anrufen. Bei komplizierteren Angelegenheiten wird das sogar nötig sein. Denn auch das ist ein Zweck von Pling und Plomi: die Verwaltung von Standard-Anfragen entlasten, damit sie mehr Zeit für Aufgaben hat, die ihr bislang kein Computer abnehmen kann.

Deizisau macht sich ebenfalls auf dem Weg. Auch die Nachbarkommune will einen Chatbot auf ihrer Website installieren. Derzeit sei man in der Prüfungsphase, erklärt Mareike Eimert von der Abteilung Bürgerdienste: „Unser Ziel ist es, den Chatbot in den kommenden Monaten bereitzustellen.“