Menschen, die unter Depressionen oder Angstzuständen leiden, haben oft nicht die Kraft, sich professionelle Hilfe zu suchen (Symbolbild). Foto: dpa/Marijan Murat

Eine Therapie ohne Couch und Medikamente? Der Chatbot Woebot bedient sich künstlicher Intelligenz, um gegen Depressionen und Angstzustände zu helfen. Wie sieht so eine Therapiestunde aus?

Stuttgart - „Wie fühlst du dich? Für was bist du heute dankbar? Für was in deinem Leben bist du generell dankbar?“ Das sind Fragen, wie sie ein Therapeut in einer ersten Sitzung stellen könnte. Nur, dass sie bei der App Woebot nicht von einem Menschen gestellt werden, sondern mittels künstlicher Intelligenz.

Menschen, die unter Depressionen oder Angstzuständen leiden, haben oft nicht die Kraft, sich professionelle Hilfe zu suchen. Wieder andere scheitern an dem Versuch, überhaupt einen Therapieplatz zu finden. An dieser Stelle soll der Woebot-Chatbot aushelfen, bei dem es so etwas wie Wartezeiten nicht gibt.

Woebot soll helfen, aber keine Therapiestunde ersetzen

Gerade in der Coronakrise hat psychisches Leiden zugenommen. „Die mit dem Coronavirus verbundenen Ängste und Einschränkungen stellen für an Depression erkrankte Menschen große Herausforderungen dar“, schreibt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Woebot soll helfen, aber keine Therapiestunde ersetzen. Bevor es mit dem Chat-Gespräch losgehen kann, erscheint daher eine wichtige Meldung: „Woebot ist ein Selbsthilfe-Tool, das nicht als medizinische Intervention gedacht ist.“ Wie Alena Knabe von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe in einem Spiegel-Bericht von 2017 sagt, ist Woebot trotzdem eine „gute Möglichkeit, Wartezeit zu überbrücken“.

Die Idee für Woebot hatte die Psychologin Alison Darcy. Zusammen mit Psychologen der Universität Stanford wurde daraufhin die App entwickelt und bereits 2017 auf den Markt gebracht. Zunächst war Woebot auch über Facebook erreichbar, mittlerweile gibt es eigenständige Apps für Apple und Android-Geräte. Im Juni legten die Macher des Woebot eine wissenschaftliche Untersuchung im „Journal of Medical Internet Research Mental Health“ vor, die die Wirksamkeit der Gesprächstherapie belegen soll.

Wie läuft so ein Gespräch?

In lockerer, jugendlicher Sprache beginnt das Gespräch, bisher nur auf Englisch. Emojis und GIFs geben einem fast das Gefühl, mit einem echten Menschen zu schreiben. In den ersten Schritten geht es um das eigene Wohlbefinden, wofür man dankbar ist und wie die täglichen „Sitzungen“ ablaufen werden. Später werden YouTube-Videos und Reflexionsübungen eingebunden.

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Nach wenigen Minuten ist die Sitzung für einen Tag auch schon vorbei. Die Ergebnisse werden in einer Art Tagebuch festgehalten und können immer wieder abgerufen werden. Mit Worten wie „Great job today, human friend“ und „Take it easy“ verabschiedet sich Woebot und beendet das Gespräch, das im besten Fall wirklich ein wenig helfen konnte.

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