Das Schicksal der Villa Bolz (oben Mitte) ist entschieden Foto: Lichtgut

Die Entscheidung über die Zukunft der Villa Bolz auf dem Stuttgarter Killesberg ist gefallen. Entscheidend ist die Aussage Kretschmanns, dass „zahlreiche Umbauten nach dem zweiten Weltkrieg" den "Charakter und Geist des Gebäudes unwiederbringlich verändert“ hätten.

Stuttgart - Die Landesregierung wird das Wohnhaus des früheren württembergischen Staatspräsidenten und entschiedenen Nazi-Gegners Eugen Bolz (1881-1945) nicht erwerben. Für den Erhalt des Gebäudes hatten sich ein breites gesellschaftliches Bündnis stark gemacht, darunter Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) und der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst.

In einem Brief an Teufel und Fürst, der den Stuttgarter Nachrichten vorliegt, begründete Ministerpräsident Winfried Kretschmann seine Haltung mit der fehlenden Authentizität des Gebäudes. „Zahlreiche Umbauten nach dem zweiten Weltkrieg haben Charakter und Geist des Gebäudes unwiederbringlich verändert.“

Auch hätten die notwendigen finanziellen Mittel die Dimension der bereits existierenden Erinnerungseinrichtungen wie etwa für den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Alten Schloss um ein Vielfaches übertroffen. Die Enkel von Eugen Bolz hatten die Villa am Kriegsbergturm 44 im vergangenen Jahr an ein Stuttgarter Wohnungsbauunternehmen verkauft. Das Unternehmen will die Villa in bester Stuttgarter Lage abreißen und dort exklusive Eigentumswohnungen bauen.

Kretschmann betonte zugleich, die aktuelle Diskussion zeige, dass bisher nicht genug an den von den Nazis ermordeten Zentrumspolitiker erinnert werde. Die Landesregierung wolle deshalb ein Zeichen setzen und den Neubau des Staatsministeriums neben der Villa Reitzenstein nach Eugen Bolz benennen: „Wir werden die Präsenz von Eugen Bolz an dem Ort, an dem er lange Jahre tatsächlich gearbeitet und politisch gewirkt hat, deutlich aufwerten.“ Auch im neuen Besucherzentrum des Staatsministeriums werde das Leben und Wirken von Eugen Bolz dargestellt werden.

„Ich bin überzeugt, dass durch diese Geste sein Name und dadurch auch seine Haltung eine deutlichen Platz in der Öffentlichkeit finden werden“, schrieb Kretschmann.

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