Lieferengpässe bei Arzneimitetln gehören für Apotheker in Deutschland längst zum Alltag. Foto: dpa

Die Medikamenten-Knappheit zwingt Ärzte und Apotheker zu absurden Improvisationsmanövern. Die Produktion ins Ausland zu verlagern, ist keine Hilfe. Es braucht eine nationale Arzneireserve, meint Redakteur Norbert Wallet.

Berlin - Es mag sein, dass der aktuelle Fall eines Lieferengpasses für Arzneimittel nicht das beste Beispiel ist, um über die schwankende Versorgungssicherheit bei Medikamenten zu diskutieren. Da spielen mehrere untypische Sonderfaktoren eine Rolle. Aber geführt werden muss diese Debatte endlich. Es ist absolut nicht hinnehmbar, dass die Klinik-Apotheker zu Improvisationskünstlern werden müssen, weil immer und immer wieder Hersteller aufgrund von Produktionsausfällen nicht liefern können.

EU muss Herstellung nach Europa zurückholen

Die Gründe dafür sind vielfältig. Aber sie liegen sehr oft in der weitgehenden Auslagerung der Wirkstoffproduktion nach Indien oder China. Damit sind viele Probleme hinsichtlich der Qualität, der Kontrolle der Produktionsprozesse und der Stabilität der Lieferwege verbunden. Das ist kein nationaler, sondern ein europäischer Trend. Die EU ist hier gefordert. Es braucht eine nachhaltige Strategie, um die Medikamentenherstellung auch wieder in Europa attraktiv zu machen.

Aufbau einer nationalen Reserve

Das heißt nicht, dass der nationale Gesetzgeber nichts tun könnte. Noch immer ist selbst die bloße Meldung von Knappheiten eine freiwillige Maßnahme der Unternehmen. Das kann nicht so bleiben. Auch über den Aufbau einer nationalen Arzneimittelreserve muss jetzt endlich nachgedacht werden.

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