Schnee und Eis haben am Dienstag in Stuttgart und der Region zu über 250 Unfällen geführt. Liegengebliebene Lastwagen wie hier auf der Neuen Weinsteige in der Landeshauptstadt sorgten in der Mittagszeit für starke Verkehrsbehinderungen und kilometerlange Rückstaus in der Innenstadt. Einige Straßen mussten ­wegen Glätte gesperrt werden. Der Großteil der Unfälle verlief glimpflich. Die Höhe des Gesamtsachschadens beziffert die Polizei mit 200.000 Euro. In unserer Bildergalerie zeigen wir weitere Winterimpressionen. Foto: Eyb

Lastwagen blockieren Stuttgarter Steigungsstrecken – Viele Blechschäden in der Region.  

Stuttgart - Kurz vorm kalendarischen Winterbeginn ist der Schnee doch noch gekommen - zur Freude der Kinder und zum Verdruss der Verkehrsteilnehmer. In Stuttgart drehte sich um die Mittagszeit kaum noch ein Rad, weil drei Hauptverkehrsachsen durch Unfälle blockiert waren.

Weiße Weihnacht: Die Freude auf eine weiße Weihnacht schien am Dienstag bis zum Nachmittag völlig berechtigt - der erste Schnee in diesem Herbst bedeckte alles unter einer dicken Watteschicht. Doch die Freude war verfrüht, am Abend zerfloss zumindest in den Niederungen die weiße Pracht. Der Deutsche Wetterdienst kündigt für Mittwoch nur gelegentlichen Schnee, für Freitag gar trockeneres Wetter an - weiße Weihnachten wird's wohl "höchstens auf der Schwäbischen Alb geben", sagt die Meteorologin Christel Postuwka-Schluck.

Rutschpartie: Wasser statt Schnee - das wäre auch einem Lastwagenfahrer auf der Neuen Weinsteige lieb gewesen. Der Fahrer des Sattelzugs war um 13.30 Uhr in Fahrtrichtung Degerloch auf der schneeglatten Fahrbahn ins Schlingern geraten und liegengeblieben. Um das Gespann wieder flott zu machen, lotste die Polizei ein Streufahrzeug hin. Bis in den späten Nachmittag hinein staute sich der Verkehr bis hinunter zum Charlottenplatz.

Stillstand: Durch den Lkw kam der Querverkehr in Richtung Degerloch nicht vom Fleck, und auch der Verkehrsfluss in der Tallängsachse geriet ins Stocken: Zwischen Neckartor und Schwanentunnel hatte sich nahezu zeitgleich ein weiterer Unfall ereignet. Bis zur Bergung der beteiligten Fahrzeuge waren drei von vier Fahrspuren der B 14 in Richtung Bad Cannstatt blockiert.

Ausweglos: Ein Unfall in Richtung Schattenring brachte den Verkehr zwischen Charlottenplatz, Heslacher Tunnel und Gäubahntunnel auf vier Kilometern zum Erliegen, ein liegengebliebener Laster auf der Karl-Kloß-Straße behinderte den Verkehr in Richtung Waldfriedhof. "Wenn so viele Straßen auf einen Schlag blockiert sind, können Sie den Verkehr nur schlecht auf andere Routen umleiten", sagt Ralf Thomas, der Leiter der Verkehrsleitzentrale.

Pappschnee: Die öffentlichen Verkehrsmittel sind in einer solchen Situation nicht immer ein Garant für Pünktlichkeit: Die Busse und Stadtbahnen bleiben im Individualverkehr stecken - oder haben ebenfalls witterungsbedingte Probleme. Am Dienstag fiel beispielsweise ein Steuerungselement in Hedelfingen aus, so dass die Weichenheizung für die Stadtbahnen ausfiel. Die Folge: Der Schnee schmilzt nicht weg, sondern pappt die Weichen zusammen. "Sie mussten deshalb von Hand umgestellt werden", sagt Birte Schaper, die Sprecherin der SSB. Das habe bei einigen Stadtbahnen zu Verspätungen von bis zu 20 Minuten geführt.

Verbeultes Blech, Bus auf Abwegen

Verbeultes Blech: Im Kreis Esslingen hat es am Dienstag am meisten gescheppert. 110 Unfälle vom Morgen bis zum Nachmittag meldet die Polizei. Schwerpunkt der meist glimpflich verlaufenen Karambolagen war die Stadt Esslingen mit allein 38 Fällen. Die Höhe des Sachschadens steht noch nicht fest. Die Unfallzahlen in den anderen vier Landkreisen der Region Stuttgart laut Polizei: Böblingen 30, Ludwigsburg 12, Rems-Murr 18, Göppingen 14. In Stuttgart wurden bis 14 Uhr 80 Unfälle gemeldet. Schaden: 200.000 Euro.

Bus auf Abwegen: Bei Eberdingen im Kreis Ludwigsburg ist gegen 12.15 Uhr ein mit vier Schülern besetzter Linienbus über eine Böschung gerutscht. Der Busfahrer war mit dem schweren Gefährt ins Schleudern geraten, weil er wegen eines quer stehenden Mercedes bremsen musste. Fahrer und Schüler blieben unverletzt. Der Bus musste mit einem Schwerlastkran geborgen werden. Die Straße zwischen Eberdingen und Hochdorf war bis 15.20 Uhr gesperrt.

Hilfe verweigert: Frau in Not, doch neun an der Unfallstelle bei Schlat (Kreis Göppingen) vorbeikommende Autolenker fahren einfach weiter. Die 61-Jährige war am Dienstagmorgen kurz nach dem Gairenbuckel mit ihrem VW Golf in den Graben geschlittert. Das Auto überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Der zehnte Autofahrer stoppte und befreite die Frau aus ihrer misslichen Lage. Sie blieb unverletzt.

Nachtschicht: Je vier Mitarbeiter der drei Autobahnmeistereien in der Region (Ludwigsburg, Herrenberg, Kirchheim/Teck) haben schon seit Samstag Nachtschicht. "Sie streuen vorbeugend", so der Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart. Den ersten größeren Schneefall in diesem Winter bekämpften sie am Dienstag mit rund 150 Tonnen Streusalz. Zum Vergleich: Wenn die weiße Pracht einen ganzen Tag lang niedergeht, sind es etwa dreimal so viel. Der städtische Winterdienst Stuttgart war in der Nacht von Montag auf Dienstag wegen überfrierender Nässe mit 21, am Morgen dann mit 33 Fahrzeugen im Einsatz. Bis der Berufsverkehr einsetzte, wurden sechs Tonnen Salz gestreut. Auch in der Nacht zum Mittwoch rückte der Räumdienst weiter aus.

Autobahnstau: Viel Verkehr und Schnee vertragen sich nicht. Am Dienstagmorgen stauten sich Autos und Lastwagen auf der A8 vom Autobahnkreuz Leonberg bis Stuttgart-Möhringen. "Keinerlei Verkehrsbehinderungen" meldete die Polizei dagegen von den sonst neuralgischen Autobahnabschnitten Aichelberg und Albaufstieg.

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