Am Boden: Sven Ulreich patzt, Karim Benzema ist der Nutznießer. Foto: dpa

Im Halbfinale der Champions League unterläuft Sven Ulreich ein grober Schnitzer – das bittere Aus des FC Bayern ist besiegelt. Auch Ex-VfB-Keeper Timo Hildebrand musste Rückschläge einstecken, ist aber überzeugt, dass Ulreich weiter auf hohem Niveau spielen kann.

Stuttgart - Timo Hildebrand war einst Vorbild für Sven Ulreich. Noch heute haben die beiden ehemaligen Torhüter des VfB Stuttgart Kontakt – weshalb Hildebrand mit dem Ex-Kollegen nach dessen Patzer im Halbfinale der Champions League mitleidet.

Herr Hildebrand, wichtiges Spiel, grober Schnitzer, danach viel Kritik und auch Häme – kennen Sie das aus Ihrer Torhüterkarriere?

Natürlich. Nach so einem Patzer, wie er Sven Ulreich am Dienstagabend in Madrid unterlaufen ist, schauen immer alle auf den Torhüter. In die Situation hat ihn aber ein anderer gebracht – was so kurz nach der Pause völlig unnötig war. Über Corentin Tolisso und dessen Rückpass redet aber fast keiner mehr.

Wie kam es aus Ihrer Sicht zu der missglückten Aktion?

Sven wollte den Ball mit den Händen aufnehmen, hat dann aber gemerkt, dass er das gar nicht darf – dann ist er in Schwierigkeiten geraten. Am Ende wäre es wohl besser gewesen, er hätte den Ball tatsächlich in die Hände genommen und den indirekten Freistoß riskiert. So ist es brutal, nach diesem bitteren Aus zu wissen, man hat einen Bock gebaut.

Wie geht ein Keeper mit solch einer Situation um?

Ich hatte auch mal ein Länderspiel in dem ich nicht besonders gut gehalten habe – und drei Tage später ging es in der Liga gegen den FC Bayern. Da machst du dir schon deine Gedanken. Auch Sven wird zu knabbern haben. Letztlich wird aber auch er am Samstag wieder im Tor stehen und die Chance haben, wieder gut zu halten. So ist der Fußball, Sven ist nicht der erste, dem so etwas passiert ist. Denken Sie mal an Olli Kahn im WM-Finale 2002.

Für Sven Ulreich scheint es dennoch besonders bitter, da er gerade bewiesen hatte, auch auf diesem Niveau Topleistungen zu bringen.

Er spielt wirklich eine tolle Saison, er hat Manuel Neuer bislang toll vertreten, in wichtigen Spielen klasse gehalten – und ich bin auch überzeugt, dass er weiter auf diesem Niveau bestehen kann.

Zuletzt wurde er als Kandidat für den deutschen WM-Kader gehandelt. Sind diese Chancen nun wieder gesunken?

Ich schätze Sven Ulreich, aber völlig unabhängig von diesem Fehler am Dienstag sehe ich im Moment keinen Grund, weshalb der Bundestrainer an seiner Torhüter-Hierarchie etwas ändern sollte. Sven spielt zwar eine starke Saison, Joachim Löw hat sich zuletzt aber auch immer auf die Neuer-Vertreter Marc-André ter Stegen, Bernd Leno oder Kevin Trapp verlassen können.

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