Grünen-Bundeschef Cem Özdemir Foto: Getty Images Europe

Es gibt Spekulationen, wonach Cem Özdemir Winfried Kretschmann als Ministerpräsident beerben könnte. Im Gespräch mit unserer Zeitung bezieht der Grünen-Bundeschef dazu Stellung.

Heidenheim - Beim Landesparteitag in Heidenheim werden Spekulationen lanciert, Cem Özdemir könnte Winfried Kretschmann als Ministerpräsident beerben. Dem erteilt der Grünen-Vorsitzende im Interview mit unserer Zeitung eine Absage. Er sieht seine Zukunft in Berlin. Die Hoffnung auf den Vorsitz der Bundestagsfraktion hat er noch nicht aufgegeben.

Herr Özdemir, Ihre Führungsqualitäten sind beim Landesparteitag sehr gelobt worden. Wollen Sie nun Fraktionsvorsitzender im Bund werden?
Es hat mich sehr gefreut, aus meinem Landesverband so viel Rückhalt zu bekommen. Ich habe den Blick nach vorne gerichtet. Ich möchte mich mit meinen Fähigkeiten in der Funktion einbringen, in der Partei und Fraktion glauben, dass ich der Grünen Sache am besten helfen kann.
Rechnen Sie sich Chancen auf den Fraktionsvorsitz aus?
Ich diskutiere das nicht theoretisch. Wenn die Fraktion und die Partei sagt, dass sie mich brauchen, werde ich zur Verfügung stehen. Nach Lage der Dinge werden wir in die Opposition gehen. Die Grünen werden die kleinste Oppositionspartei sein und immer als Letzte reden, nach den Populisten von links und rechts. Mit klarer Haltung, die unsere Ziele in den Vordergrund stellt, durch anständige Umgangsformen mit dem politischen Gegner und auch durch grundsätzliche Kooperationsbereitschaft können wir viel gewinnen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir in vier Jahren noch stärker sind als im Moment. Dafür werden jetzt die Weichen gestellt.
Sie sehen Ihre Zukunft in Berlin?
Ja. Ich habe eine Verpflichtung meinem Stuttgarter Wahlkreis gegenüber. Ich bin mit Leidenschaft Abgeordneter und sehe mein Mandat als Verpflichtung für die gesamte Legislaturperiode.
Revidieren Sie Ihre Entscheidung, als Bundesvorsitzender aufzuhören?
Ich habe frühzeitig erklärt, dass ich die Führung der Parteigeordnet übergeben möchte. Das Haus ist gut aufgestellt. Nach neun Jahren ist es Zeit, dass jemand anderer den Vorsitz übernimmt. Aber klar ist auch, ich bin noch nicht fertig. Ich brenne nach wie vor, das umzusetzen, was uns mit Jamaika leider nicht gelungen ist. Entsprechend werde ich mich in der Fraktion einbringen. Da brennen viele drauf, dass wir wieder zu einer Reformwerkstatt der Republik werden.
Können Sie sich auch einen Wechsel nach Baden-Württemberg vorstellen?
Es bleibt dabei, ich will mich auf Bundesebene für Stuttgart und Baden-Württemberg einsetzen. Ich will das, was in Baden-Württemberg erfolgreich gemacht wird, fortsetzen. Wenn wir die ökologische Modernisierung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt für das ganze Landerfolgreich gestalten wollen, gibt es auch auf Bundesebene noch viel zu tun.
Manche sehen Sie als Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, sehen Sie sich auch so?
Ich sehe meine Rolle im Bund. Winfried Kretschmann hat mit seinem kraftvollen Einsatz gerade erst in den Sondierungen gezeigt, wie wichtig er als Ministerpräsident für ein erfolgreiches Baden-Württemberg ist. Ich hoffe, er bleibt uns noch viele Jahre als Ministerpräsident erhalten.

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