Brennstoffzellen für den Schwerlastverkehr sollen in Weilheim produziert werden. Foto: Daimler AG/Product Communication

Schon Anfang 2026 will Cellcentric, ein Joint Venture von Daimler Trucks und Volvo, in Weilheim in großem Stil Brennstoffzellen produzieren. Doch das Großprojekt ist nicht in trockenen Tüchern. Der Rathauschef will jetzt einen Ratsentscheid – mit klarem Ziel.

Weilheim - Jetzt also doch – und es soll richtig schnell gehen: Am Dienstag hat der Bürgermeister von Weilheim (Kreis Esslingen), Johannes Züfle, mitgeteilt, dass er bereits für den 24. April einen Ratsentscheid zur Ansiedlung der Brennstoffzellen-Fabrik von Cellcentric und zur Realisierung des neuen Gewerbegebiets Rosenloh anstrebt. Die Entscheidung, ob die Bürger direkt gefragt werden, fällt am 22. Februar im Weilheimer Gemeinderat.

 

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Das Gremium muss mit einer Zweidrittelmehrheit für Züfles Vorschlag stimmen. Da es aber in den vergangenen Tagen schon hektische Betriebsamkeit hinter den Kulissen – unter anderem eine nichtöffentliche Gemeinderatssitzung – gegeben hat, ist davon auszugehen, dass das Gremium dem Vorschlag Züfles folgen wird. Mit seinem Vorstoß kommt Züfle einem möglichen Bürgerentscheid zuvor, den eine neu gegründete Weilheimer Bürgerinitiative gefordert hatte. Auch lässt sich mit dem Bürgerentscheid Ende April der enge zeitliche Rahmen für die Planung und den Bau einer der größten Brennstoffzellen-Produktionsstätten in Europa einhalten: Bereits Anfang 2026 will Cellcentric, ein Joint Venture von Daimler Trucks und Volvo, Brennstoffzellen für den Schwerlastverkehr produzieren.

„Herausragende Bedeutung für Weilheim“

„Wir stehen nun an einem Punkt, der eine Entscheidung für oder auch gegen Rosenloh möglich macht“, erklärt Johannes Züfle: „Wegen der herausragenden Bedeutung des Projekts für Weilheim möchten wir in diese Entscheidung die Bürgerinnen und Bürger einbinden. Ein Ratsbegehren kommende Woche kann dann den Weg frei machen für einen Bürgerentscheid im Frühjahr.“

Bei der Entscheidung geht es nicht nur um die Cellcentric-Ansiedlung. Auch andere Aspekte spielen eine wichtige Rolle. So sollen im neuen Industrie- und Gewerbegebiet Rosenloh auch Erweiterungsflächen für die örtlichen Gewerbetreibenden geschaffen werden. Etliche Weilheimer Unternehmen hätten, so Züfle, bereits Interesse am neuen Standort bekundet. Auch werde so die seit Langem geforderte Umgehungsstraße finanzierbar, die vor allem im Berufsverkehr und bei Staus auf der nahe gelegenen A 8 für Entlastung in Weilheim sorgen soll.

Cellcentric will die Aktivitäten an einem Ort bündeln

Das Gebiet, auf dem das künftige Gewerbegebiet Rosenloh entstehen soll, hat eine Gesamtfläche von rund 30 Hektar. Die Hälfte davon benötigt Cellcentric. Nicht nur die neue Produktionsstätte, sondern auch die Forschungsaktivitäten und die Verwaltung sollen in Weilheim konzentriert werden.

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Johannes Züfle: „Wir haben in den letzten Monaten sehr intensiv über die Vor- und Nachteile eines Gewerbegebiets Rosenloh gesprochen, unter anderem auch mit der aktiven Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger bei der Erstellung eines Bürgergutachtens. Dass wir Zukunftstechnologie mit einem großen Beitrag zum Klimaschutz in Weilheim ansiedeln können, ist eine bedeutende Chance für die Stadt - aber nicht die einzige.“ Er sehe auch finanziell positive Aspekte für Weilheim, nehme aber auch die zuletzt lauter gewordene Kritik an dem Gesamtprojekt ernst.

Wir begrüßen den Vorschlag, auf die breite Beteiligung der Bürger zu setzen und zeitnah eine Entscheidung im Gemeinderat zu treffen“, sagt Christian Mohrdieck, Mitglied der Geschäftsführung von Cellcentric. Nach der Beteiligung der Zufallsbürger und der Befürwortung des Projekts Rosenloh sei das „ein positiver nächster Schritt auf dem Weg zur Erschließung des Gewerbegebiets“.