Der CDU-Kreisvorsitzende Joachim Pfeiffer sieht die Beteiligung seiner Partei an der Landesregierung als alternativlos. Foto: Rudel

Beim Kreisparteitag der CDU wird über Chancen und Risiken von Grün-Schwarz diskutiert. Die meisten der Anwesenden halten eine Koalition für alternativlos.

Sulzbach an der Murr - Mit einem deutlichen Votum haben sich am Freitagabend beim Kreisparteitag der CDU in Sulzbach an der Murr rund 60 Mitglieder für eine Koalition ihrer Landespartei mit den Grünen ausgesprochen. Der Kreisvorsitzende und Waiblinger Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer hatte um ein Stimmungsbild seiner Parteifreunde gebeten, das die Delegierten aus dem Rems-Murr-Kreis am kommenden Freitag dem Landesparteitag der Christdemokraten in Ludwigsburg übermitteln sollen.

„Für ein Linsengericht verkauft“

Der Zustimmung zu einem Pakt mit den Grünen, die keinerlei bindende Wirkung hat und der sich immerhin sieben der anwesenden CDU-Mitglieder entsagten, war eine gut dreistündige Debatte vorausgegangen. Während Claus Paal (Schorndorf), Siegfried Lorek (Winnenden) und Rosely Schweizer (Murrhardt), die bei den Koalitionsverhandlungen in drei verschiedenen Arbeitsgruppen vertreten sind, von überwiegend harmonischen und konstruktiven Gesprächen berichteten, meldeten einige ihrer Parteifreunde Bedenken an, ob sich die CDU auf die Rolle des Juniorpartners hätte einlassen sollen. „Man hätte die ­Alternativen prüfen müssen“, sagte ein Parteimitglied. Er habe große Bedenken, dass es der Union am Ende der Legislaturperiode ähnlich gehen werde wie unlängst der SPD. Man habe sich „für das Linsen­gericht einiger Ministerämter“ verkauft.

Das sieht Claus Paal, der nicht nur einer Arbeitsgruppe angehört, sondern auch einer von 18 CDU-Mitverhandlern des Koalitionsvertrages ist, völlig anders. Die Gespräche mit den Grünen seien alternativlos gewesen, sagt er. Und sie seien gut verlaufen. Die CDU habe viele ihrer Positionen durchgesetzt, die schwarze Handschrift sei deutlich erkennbar. Außerdem: „Wir sind nicht der kleine, sondern der etwas kleinere Partner.“

Auch der langjährige Backnanger Abgeordnete und frühere Landtagspräsident Erich Schneider betonte: „Es gibt keine andere Lösung, als in die Regierung einzutreten. Entscheidend ist jetzt, was wir daraus machen.“ In den kommenden Jahren werde es auch darauf ankommen, den Eigen­anteil an der Regierung gut darzustellen.

Das wiederum sehen angesichts der Popularität des grünen Ministerpräsidenten einige als schwierig an und warnen schon bei den Verhandlungen vor zu viel Harmonie. Ein Parteimitglied aus Korb: „Herr Kretschmann wird versuchen, die CDU einzulullen. Geben Sie ihm nicht recht, sondern Kontra.“ „Wir müssen höllisch aufpassen, dass nicht alles Positive von den Grünen eingeheimst wird“, sagte ein anderer.

Einigen Mitgliedern indes hat bei dem Kreisparteitag in Sulzbach der Blick auf sich selbst gefehlt. Andreas Niederle aus Leutenbach etwa monierte, dass nach der Wahlschlappe keine Selbstkritik geübt oder eine Fehleranalyse gemacht worden sei. Stattdessen säßen nach wie vor die ­gleichen Leute in verantwortlichen Positionen. Matthias Härer aus Schorndorf stieß in ein ähnliches Horn: „Schon der Wahlkampf war schlecht. Die CDU muss sich dringend moderner organisieren.“

Paal: Wir alle gehen diese Koalition ein

Man habe nichts beschönigen wollen, betonte hingegen der Kreisvorsitzende Joachim Pfeiffer. Die Landtagswahl habe für die CDU mit einem „katastrophalen Ergebnis“ geendet. Das habe man bereits bei einer vorangegangenen Zusammenkunft in Schorndorf eingestanden. „Der Weg, den wir jetzt beschreiten, wird kein Zuckerschlecken. Wichtig ist, dass wir ihn mitgestalten.“ Dazu rief Claus Paal die ganze Versammlung auf. „Wir alle sind jetzt gefordert. Wir alle gehen diese Koalition mit den Grünen ein.“

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