Ilona Koch Foto: /Rüdiger Schulze

Die Herausforderin Ilona Koch sagt, sie steht für „menschliche“ Partei. Klare Anspielung auf Floyd-Debatte, wo Thaddäus Kunzmann sich Rassismus-Vorwürfen stellen muss.

Nürtingen - Viel Bewegung in der CDU: Die bislang scheinbar gesetzten Kandidaten für die Bundestags- und Landtagswahl bekommen Konkurrenz aus der eigenen Partei. Bereit in den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass neben Markus Grübel, auch Tim Hauser Kandidat im Wahlkreis Esslingen für den Bundestag werden will. Nun ein vergleichbarer Vorgang im Bezug auf die Landtagswahl 2021 im Wahlkreis Nürtingen-Filder: Thaddäus Kunzmann, der schon im Januar bekannt gab, das Direktmandat für seine Partei holen zu wollen, kann nicht länger sicher sein, dass die Partei ihm auch die Gelegenheit dazu gibt. Mit Ilona Koch gibt es seit dem gestrigen Mittwoch eine weitere Kandidatin. Wer auch immer der Kandidatin oder Kandidat für die Landtagswahl wird, sie oder er werden es nicht einfach haben, ein Direktmandat zu gewinnen. Stärkster Gegenkandidat in dem Wahlkreis ist Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, dessen Beliebtheitswerte mit zu den höchsten eines Ministerpräsidenten in Deutschland zählen.

Das sind die Motive der Kandidatin

In einer ausführlichen Begründung stellt Koch ihre Beweggründe vor. In den vergangenen Tagen sei ihr bewusst geworden, dass der CDU im Landtagswahlkreis Nürtingen die erforderliche Kraft und der nötige Kompass fehle. Für sie persönlich sei es unerträglich, dass die Werteorientierung der CDU als Partei, die sich der Gleichberechtigung aller Menschen verpflichtet fühlt, plötzlich infrage stünde. Sie sei die Kandidatin für alle, die vor Ort „eine moderne, menschliche CDU verkörpert sehen möchten“, sagte die 1966 in Tübingen geborene Koch. Deshalb habe sie sich entschieden, sich bei der Nominierungsversammlung am 17. Juli in Filderstadt-Bernhausen als Kandidatin zur Verfügung zu stellen.

Die Anspielungen beziehen sich auf ihren Konkurrenten Kunzmann. Dessen Äußerungen über den Tod von George Floyd hatten die Diskussionen über Alltagsrassismus weit über den Kreis Esslingen hinaus neu entfacht.

Vorwürfe gegen Kunzmann

Floyd war nach einem brutalen Polizeiübergriff in den USA gestorben. Kunzmann, der auch Demografiebeauftragter in Baden-Württemberg ist, postete auf Facebook: „Ich finde den Tod von George Floyd schlimm... Zur Wahrheit gehört auch, dass Floyd ein Gewaltverbrecher mit beträchtlichem Vorstrafenregister war. Niemand von uns wollte ihm in der Nacht begegnen.“ Daraufhin forderte unter anderem der Chef des SPD-Kreisverbandes Michael Beck sowie Politiker der Grünen den Rücktritt Kunzmanns als Demografiebeauftragter. Ebenso der Landesverband der kommunalen Migrantenvertretungen Baden-Württemberg. Der Vorsitzende des Landesverbandes Dejan Perc sah die Äußerung als ein Beispiel für „strukturellen Rassismus“. Auch in der CDUselbst erntete Kunzmann Kritik.

Die Gemeinderätin Ilona Koch aus Leinfelden-Echterdingen, die auch einen Sitz im Kreistag und im Regionalparlament hat, war vor der Landtagswahl 2011 schon einmal gegen Kunzmann angetreten, hatte damals aber lediglich 36 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können.

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