Thomas Bareiß will der neue CDU-Landesgruppenchef werden. Foto: dpa

Die Wahl des neuen Chefs der Südwest-Landesgruppe der Unionsfraktion im Bundestag wird zu einem Zweikampf zwischen Andreas Jung und Thomas Bareiß.

Berlin - Am späten Montagabend wählt die Südwest-Landesgruppe in der Unionsfraktion des Deutschen Bundestags einen neuen Vorsitzenden. Das ist notwendig geworden, weil der bisherige Landesgruppenchef Thomas Strobl als Innenminister nach Stuttgart ins grün-schwarze Kabinett gewechselt ist. Die Unionsabgeordneten aus dem Südwesten werden die Wahl zwischen dem 41-jährigen Andreas Jung (Konstanz) und dem gleichaltrigen Thomas Bareiß (Zollernalb-Sigmaringen) haben.

Bewerberfeld war größer

Das Bewerberfeld war ursprünglich erheblich größer. In der vergangenen Woche hatte Norbert Barthle, parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, seinen Südwest-Kollegen mitgeteilt, dass er nicht zur Verfügung stehe. Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigten gestern die beiden weiteren Interessenten Axel E. Fischer (Bruchsal) und Gunther Krichbaum (Pforzheim), dass sie nicht zur Wahl antreten werden.

Wirklich klarer ist damit nichts geworden, denn der Zweikampf zwischen Bareiß und Jung dürfte ein ausgesprochen knappes Rennen werden. Für beide Schwergewichte – Bareiß ist der Bezirkschef in Württemberg-Hohenzollern, Jung hat die gleiche Position in Südbaden – steht viel auf dem Spiel. Bareiß hatte sich gewisse Hoffnungen auf das Amt des Wirtschaftsministers in Stuttgart gemacht. So ist es nicht gekommen. In Berlin ist es für den Wirtschaftspolitiker nicht ganz leicht, eine ähnliche Bühne zu finden. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion kommt mit Joachim Pfeiffer (Waiblingen) auch aus dem Südwesten. Auch Andreas Jung sucht noch nach einem größeren Forum. Er ist zwar Vorsitzender des Nachhaltigkeitsbeirat des Bundestags, aber die Rolle als umweltpolitischer Sprecher, in der man sich Jung gut vorstellen könnte, ist mit der Nordrhein-Westfälin Marie-Luise Dött anders besetzt. In der Landesgruppe wird es zumindest hinter vorgehaltener Hand dem Fraktionschef Volker Kauder als Management-Fehler angekreidet, dem Verlierer zunächst einmal kaum greifbare Perspektiven aufzeigen zu können. Das wird die Niederlage schmerzhaft machen. Und es erklärt, warum mehrere Versuche gescheitert sind, eine einvernehmliche Lösung zwischen den Konkurrenten zu finden und eine Kampfabstimmung zu vermeiden. Gemessen daran ist der Wettkampf der beiden Konkurrenten ausgesprochen fair verlaufen. „Freundschaftlich“ nennt ihn Bareiß im Gespräch mit unserer Zeitung, „offen und kollegial“, sagt Andreas Jung.

Knapper Ausgang der Abstimmung

Allgemein wird in der Landesgruppe mit einem sehr knappen Ausgang der Abstimmung gerechnet. Was auch daran liegt, dass es kein klares Kriterium gibt, das für die Entscheidung der Abgeordneten ausschlaggebend sein wird. Natürlich werden landsmannschaftliche Aspekte eine gewisse Rolle spielen. Geht man davon aus, dass auch die nordbadischen Abgeordneten vielleicht eher Andreas Jung zuneigen, gäbe es eine gewisse Ost-Welt-Spaltung in der Landesgruppe. Aber das wird überlagert von anderen Fragen. In ihrer politischen Verortung sind Bareiß und Jung durchaus sehr verschieden. Bareiß gilt jedenfalls als Merkel-kritischer und hat gerade in der Flüchtlingsfrage daraus keinen Hehl gemacht. Jung gilt als Vertreter einer moderneren CDU. Nur spielen solche Standpunkte eine untergeordnete Rolle, wenn es um den Landesgruppenvorsitz geht. Da geht es mehr um Interessenvertretung nach außen und Einbindung nach innen.

„Vielleicht entscheidet die Vorstellungsrede“, denkt Axel E. Fischer. Wie im Fußball also – die Tagesform entscheidet.

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