Männerwirtschaft – bleibt das Gesicht der Union männlich? Hier Markus Söder, Alexander Dobrindt (CSU), Thorsten Frei und Friedrich Merz (CDU). Foto: AFP/TOBIAS SCHWARZ

Die CDU-Frauen fordern die Hälfte der politischen Ämter und stoßen dabei beim künftigen Kanzler auf patriarchalisches Unverständnis, meint unser Berliner Korrespondent Norbert Wallet.

Die CDU-Frauen wollen sich von Friedrich Merz nicht mit einigen symbolischen Präsenten abspeisen lassen, wie die Benennung von Julia Klöckner zur Kandidatin für das Amt der Bundestagspräsidentin. Sie fordern die Hälfte des Himmels: 50 Prozent der Unionsposten in der Regierung, die Hälfte der Fraktionsämter und die hälftige Berücksichtigung bei den Bundesbeauftragten.

 

Die Regierung muss Modernisierungsanspruch verkörpern

Wie Parteien ihre Funktionen besetzen, ist eigentlich allein deren Angelegenheit. Bei der Regierung ist das schon eine andere Sache. Sie vertritt das ganze Land – auch nach außen. Es wäre jämmerlich, wenn die Regierung der größten Volkswirtschaft in der EU, die auch noch mit einem ausdrücklichen Modernisierungsanspruch antritt, in der Frage der Geschlechterparität nur altbackene Rollenverteilungen reproduzieren würde.

Gruppenbild mit der Dame Saskia Esken (SPD) – so sahen die Sondierungsgespräche aus. Foto: dpa/Hannes P Albert

Hat Friedrich Merz dafür ein Gespür? Nichts spricht dafür. Er hatte in seiner Partei eine Bonsai-Variante der Quote mit äußerstem Widerwillen durchgewunken. Und er hatte schon im Herbst die volle Geschlechterparität einer möglichen, von ihm geführten Regierung mit einem Satz abgetan, der die ganze ledrige Gestrigkeit seiner Haltung zu Fragen der Parität enthält: „Wir tun damit auch den Frauen keinen Gefallen.“ So sieht er das wohl: Wer Frauen fördert, verteilt Gefallen.

Man muss den Unionsfrauen in ihrem Bestreben Glück wünschen, diesem abgestandenen patriarchalischen Weltbild eine moderne Gesellschaftspolitik entgegenzusetzen. Wenn es schon um Gefallen geht: Sie tun damit der gesamten christdemokratischen Partei einen großen Gefallen. Die Union muss ein selbstverständliches Interesse daran haben, bei weiblichen Wählern anschlussfähig zu bleiben. Bei einem Anteil von 27,1 Prozent Frauen in der Fraktion und ähnlichen Zahlen in der Partei, gibt es da viel Nachholbedarf.