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Die CDU im Kreis Böblingen richtet in Ehningen zum 31. Mal den Festakt zum Tag der Deutschen Einheit aus. Festredner Matthias Kleinert lässt die aktuelle Lage der Union außen vor.

Ehningen - Das Who is who des CDU-Kreisverbandes hatte sich am Sonntagvormittag in der Turn- und Festhalle Ehningen versammelt. Zum 31. mal bereits gedachten dort die Christdemokraten des Tags der Deutschen Einheit. Begrüßen konnte Gemeindeverbandsvorsitzender Rafael Piofczyk neben Hausherr und Bürgermeister Lukas Rosengrün die Bundes- und Landtagsabgeordneten Marc Biadacz und Matthias Miller, insgesamt knapp 60 Gäste und natürlich den Festredner Dr. Matthias Kleinert, ehemaliger Staatssekretär im Staatsministerium der baden-württembergischen Landesregierung.

 

Die CDU muss sich fürs 21. Jahrhundert neu aufstellen

An Marc Biadacz war es, sich zuvorderst für das erneute Direktmandat „nach einem meiner härtesten Wahlkämpfe“ bei seinen Wählern zu bedanken. „Die SPD hat die Wahl gewonnen und den ersten Auftrag, eine Regierung zu bilden“, ging seine ehrliche Gratulation an die Sozialdemokraten. Aber wenn die Ampel nicht zustande komme, sei die CDU da, fügte Biadacz mit einem Lächeln hinzu. Landtagskollege Matthias Miller räumte unumwunden das „schlechteste CDU-Ergebnis aller Zeiten“ ein, sieht in der Niederlage jedoch eine Chance, die CDU fürs 21. Jahrhundert neu aufzustellen.

Hauptredner Matthias Kleinert hingegen ging nicht auf die aktuelle Situation nach der Bundestagswahl ein, sondern ließ unter dem Leitmotiv „dass du nicht vergessest der Geschichte“ sein wechselvolles Leben Revue passieren. Er nahm die gebannt lauschenden Zuhörer mit auf seine Flucht von Oberschlesien über das Sudetenland und Österreich bis ins schwäbische Besigheim. „Diese Jugenderlebnisse haben mich immer geprägt“, erklärte der heute 83-Jährige. Auch, dass der Rektor an der neuen Schule nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten und dem noch fehlenden Verständnis der schwäbischen Mundart zu ihm gesagt habe: „Büble, aus dir machen wir ebbes.“

Kennedy in Berlin als Initialzündung

So führte sein weiterer Weg zum Studium der Politikwissenschaften nach Berlin, wo Kleinert weitere prägende Ereignisse wie den Mauerbau am 13. August 1961 oder zwei Jahre später den Auftritt des US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg hautnah erlebte. „Da begann mein politisches Engagement.“ 1972 ereilte ihn der Ruf aus Stuttgart, wo er erst der CDU-Landtagsfraktion und dann Lothar Späth als Pressesprecher diente. „Berliner Schnauze mit schwäbischer Weisheit“, titulierte ihn der damalige Ministerpräsident liebevoll vor der Presse. Nach dem Aufstieg zum Staatssekretär im Staatsministerium wechselte Kleinert 1988 überraschend zum Autobauer Daimler-Benz, hatte dort erst die Leitungsfunktion der PR-Abteilung und anschließend bis zum Ruhestand die Funktion des Generalbevollmächtigten inne.

Nicht aufhören, miteinander zu kommunizieren

Sein persönliches Resümee aus Historie und eigener Karriere in Politik und Wirtschaft, bei der er ab und an auch selbst an kleinen Stellschrauben der Geschichte mitdrehen durfte: „Wenn wir uns einig sind, werden wir auch die Zukunft gewinnen.“ Hätten doch gerade die jüngsten Wahlergebnisse mit den AfD-Wahlerfolgen in Thüringen und Sachsen gezeigt, dass die Einheit Ost-West auch 31 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer nicht vollzogen ist. „Mit den Menschen reden – das Gespräch ist wichtig“, unterstrich Kleinert unter Verweis auf eigene Erfahrungen und setzte damit immerhin eine kleine Spitze gegen CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, der jeden Dialog mit Wählern der Rechtspartei vor wenigen Tagen kategorisch ausschloss.

Dr. Matthias Kleinert

9. März 1938
 Geboren in Berlin, aufgewachsen in Besigheim, Studium der Politikwissenschaften in Berlin.

Ab 1972
 Pressesprecher der CDU-Landtagsfraktion, 1978 Sprecher der Regierung unter Lothar Späth.

1984
  Staatssekretär im Staatsministerium .

1987
 erklärt Kleinert das Ende seiner politischen Laufbahn. 

Ab Januar 1988
 Leitungsfunktion der PR-Abteilung der Daimler-Benz AG, 1995 bis 2003 Generalbevollmächtigter der AG.