CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Kotz Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Jetzt unterstützt auch die stärkste politische Kraft im Gemeinderat die Pläne der 65 000 Muslime in der Stadt. Ein Moschee-Neubau oder die Errichtung des ersten Minaretts in Stuttgart sind für die CDU kein Problem.

Stuttgart - Nun hat auch die Stuttgarter CDU eine klare Position zum Thema Moschee-Neubau im Zentrum der Stadt. Leicht hat es sich die stärkste Kraft im Stuttgarter Gemeinderat bei der Meinungsfindung nicht gemacht. Nachdem sich zuletzt alle Fraktionen positiv zum Thema geäußert hatten, übte die CDU zunächst Zurückhaltung.

Das hat sich nun geändert. Fraktions-Vorsitzender Alexander Kotz ist jetzt auf der Höhe der Diskussionen und hat genug Hintergrundinformationen. Die „Mittendrin“-Veranstaltung der Stuttgarter Nachrichten unter der Frage „Braucht Stuttgart eine repräsentative Moschee?“ war für Kotz aufschlussreich. Die Positionen und Vorstellungen der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) sind ihm nun klarer. Kotz versteht den Wunsch von 65 000 Stuttgarter Muslimen nach einer sichtbaren und zentralen Moschee: „Ich kann absolut nachvollziehen, dass diese Menschen eine entsprechende Einrichtung wollen, in der sie ihren Glauben ausüben können.“ Zumal die Quote derer, die ihren Glauben aktiv in einem Gotteshaus ausübten, höher sei als die bei vielen christlichen Gemeinden.

Auch die aktuelle Raumsituation vieler islamischer Glaubensvereine in Stuttgart hat Kotz wahrgenommen: „Viele Gebäude sind baulich in einem schlechten Zustand. Die Forderung nach einem neuen, repräsentativen Bau ist daher nicht unbegründet.“

Ob es allerdings ein Neubau in der Nähe der Innenstadt sein muss, lässt Alexander Kotz offen. Er schließt sich bei dieser Frage lieber Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) an. Kuhn ist grundsätzlich der Ansicht, dass die Stuttgarter Muslime „ein Anrecht auf eine ordentliche Moschee haben“. Kuhn bezieht sich dabei auf das Grundgesetz und die darin verbriefte Religionsfreiheit: „Freiheit kann nur verwirklicht werden, wenn sie Raum dazu hat.“ Doch dieser Raum sei in der Innenstadt sehr knapp. Daher plädiert er dafür, den Neubau für die bestehende Moschee in der Feuerbacher Mauserstraße vorrangig zu verfolgen: „Im Zentrum geht so etwas nicht von Mittwoch auf Donnerstag. Feuerbach hat den Vorteil, dass es hier bereits ein Baurecht gibt.“

Diesen Aussagen schließt sich Alexander Kotz quasi eins zu eins an: „Die Argumente des OB sind absolut nachvollziehbar.“ Denn bei einem Gebäude in Innenstadtnähe kämen unwillkürlich viele kritische Fragen auf. Auch danach, ob eine Moschee dann städtebaulich in das jeweilige Umfeld passe. „Das muss nicht unbedingt immer gewährleistet sein“, sagt Kotz, „deshalb kann man auch nicht grundsätzlich so einem Projekt zustimmen.“

Ohne Vorbehalte kommentiert der Sprecher der Stuttgarter CDU indes die Pläne der Islamischen Gemeinschaft in Wangen auf dem Gelände (Kesselstraße 27) ihres Zentrums ein 15 Meter hohes Minarett – es wäre das erste in Stuttgart – zu bauen. „Nachdem nach Aussagen des Baurechtsamtes offenbar nichts dagegen spricht“, erklärt Kotz, „kann ich auch zu dem Wunsch dieser bosnischen Muslime nur sagen: Warum nicht!“

Beruhigen dürfte den Fraktionschef auch die Kunde, dass die Bosnier ihre Moschee durch das Minarett von Mai an zwar sichtbar machen wollen, aber keinesfalls befremdliche Gefühle bei den Stuttgartern auslösen wollen. Auch die Sorge von Alexander Kotz, „dass das Minarett mit großen Lautsprechern bestückt ist und das Rufen des Muezzins durch die ganze Nachbarschaft schallt“, ist offenbar unbegründet. Denn im Bauantrag der 15 Meter hohen Säule ist kein Umlauf vorgesehen, den ein Muezzin nutzen könnte.

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