Die CDU sucht nach den Gründen für ihr schlechtes Abschneiden bei der Europawahl Foto: SvenSimon

Als Grund für ihr schlechtes Abschneiden bei der Europawahl hat die CDU besonders ihr schlechtes Image bei Jungwählern ausgemacht. In einer internen Analyse wird von einer Reihe von Fehlern gesprochen. Die Partei will nun stärker aufs Thema Klimaschutz setzen.

Berlin - In einer ersten Wahlanalyse hat die CDU ihr schlechtes Image den jungen Wählern als einen der Hauptgründe für das schlechte Abschneiden bei der Europawahl ausgemacht. In dem unserer Zeitung vorliegenden Papier wird eine „Serie der Unentschlossenheit“ im Umgang mit „Phänomenen“ wie den „Fridays for Future“-Demonstrationen und „plötzlich politisch aktivierten YouTubern“ kritisiert. Aufgeführt wird auch der „tiefe Einschnitt in der Wahrnehmung der CDU bei jüngeren Zielgruppen“ durch die Debatten um die Uploadfilter im Netz.

Die Analyse wurde spät am Wahlabend an die Mitglieder des CDU-Bundesvorstands verschickt. Die Verfasser nennen zudem „einen vermeintlichen ‚Rechtsruck‘ bei der JU sowie die medial sehr präsente sogenannte ‚Werteunion‘“ als Gründe, die „zu einer deutlichen Abkehr unter 30-jähriger Wählerinnen und Wähler“ geführt hätten.

CDU-Vize Laschet spricht von „Weckruf“

Die Junge Union hatte im März den stramm konservativen Tilman Kuban an die Spitze der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU gewählt. Kuban war nicht der Wunschkandidat der Parteiführung gewesen. Die Werteunion ist ein Zusammenschluss konservativer Unionspolitiker, die unter anderem fordern, Angela Merkel nach ihrem Abschied vom CDU-Vorsitz auch als Bundeskanzlerin abzulösen.

Bei der Europawahl verlor die Union knapp 6,5 Prozent und kam auf 28,9 Prozent der Stimmen. Bei den unter 25-jährigen Wählern holten CDU und CSU Analysen zufolge nur zwölf Prozent der Stimmen, ein Drittel der Stimmen aus der Altersgruppe ging an die Grünen. CDU-Bundesvize Armin Laschet nannte den Wahlausgang am Montag einen „Weckruf“. Das Ergebnis sei ein Ausdruck des Engagements vieler Menschen für das Thema Klimaschutz gewesen.

„Ungünstige Themenagenda“

„Die Union kämpfte im Europawahlkampf gegen eine für sie ungünstige Themenagenda“, heißt es in der Analyse der Parteizentrale. „Es ist nicht gelungen, die eigenen Themen innere und äußere Sicherheit, Frieden und Wohlstand stärker in den Mittelpunkt der Debatten zu stellen.“ Bei der am Sonntag beginnenden Klausurtagung des CDU-Bundesvorstandes „scheinen vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses daher neben den bereits verabredeten Punkten zur Prioritätensetzung in der Koalition vorrangig klimapolitische Konzepte und der Umgang der CDU mit Herausforderungen in der digitalen Sphäre als Themen angeraten“.

Wenige Tage vor dem Wahltag hatte das millionenfach abgerufene Video des Youtubers Rezo die CDU schlecht aussehen lassen. In dem Clip geht Rezo hart mit der Partei ins Gericht. Die Parteizentrale nahm zunächst gar keine Stellung dazu, als sie um das Thema aber nicht mehr herumkam, kritisierte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak den Youtuber scharf. Ein bereits produziertes Antwortvideo wurde jedoch nicht veröffentlicht, stattdessen vollzog Ziemiak einen Tag später einen Kurswechsel und rief Rezo zum Gespräch auf.

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