Braucht eigentlich jede Musik eine Bezeichnung? Musiker wie Antony & The Johnsons oder eben Devendra Banhart werden gerne der New-Weird-America-Bewegung zugeordnet.

Braucht eigentlich jede Musik eine Bezeichnung? Musiker wie Antony & The Johnsons oder eben Devendra Banhart werden gerne der New-Weird-America-Bewegung zugeordnet. Das sagt so wenig über die Musik aus wie die Tatsache, dass Banhart gerne Bart trägt. Und seit William Fitzsimmons, noch so einem Bartträger, der vergangene Woche im Sudhaus in Tübingen gastierte, weiß man, dass sich dahinter oft jede Menge Humor versteckt. Das neue Album Banharts lässt die Wolken draußen schon nicht mehr so trüb aussehen. Auf "What Will We Be" gibt der kauzige Songwriter zarte Folksongs, poppige Liedchen wie "16th & Valencia", Bluesstomper und Country. Nein, Banharts Musik lässt sich keineswegs mit nur einer Genrebezeichnung abfinden.

Josh Homme (Queens of the Stone Age), Dave Grohl (Foo Fighters) und Led-Zeppelin-Bassist John Paul Jones nennen sich Them Crookes Vultures, und ihr erstes Werk heißt genauso. Und was erwartet man von diesem Trio für ein Album? Bestimmt nichts Richtung experimentellem Drum'n'Bass, sondern Rockmusik. Laut, klassisch, wuchtig. Natürlich stimmt hier alles. Der Druck, die Gitarren, die unglaublichen Drums von Dave Grohl. Und doch hat man am Ende das Gefühl, dass irgendetwas fehlt. Ein bisschen mehr Leidenschaft könnten sie dann beim Album Nummer zwei doch investieren. Das soll zumindest schon in der Planung sein.

Man muss sich nicht grämen, wenn man von der Band Espers noch nie etwas gehört hat. Mit "III" erscheint das dritte Album der Folkband aus Philadelphia. Es ist zwar nicht sehr kreativ, seine Platten einfach durchzunummerieren. Womöglich ist der Band einfach kein Titel eingefallen, der "III" fassen könnte. Der leise Folk, die sphärischen Loops und organischen Melodien haben fast schon Soundtrack-Charakter. Doch leider plätschert der Film über lange Teile einfach so vor sich hin.

Wenn diesen Freitag neue Alben von Timbaland, Snoop Dogg und R. Kelly erscheinen, könnte man mal wieder hören, wo Hip-Hop, Rap und R'n'B derzeit stehen. Dies ist natürlich ein Trugschluss. Denn die Musik des Sprechgesangs entwickelt sich zwar weiter, aber nicht an der glitzernden Oberfläche solcher Interpreten. Absolut erfrischend ist hingegen Blakroc, ein Projekt der Black Keys zusammen mit Hip-Hop-Legenden wie RZA, Mos Def, Ol'Dirty Bastard, Raek- won, Q-Tip und Jim Jones. Da treffen also elf Rapper auf zwei Rocker - und nehmen Songs auf, die zwar nie auf Platz eins der Charts stehen werden, aber schlichtweg eine alte neue Richtung vorgeben. Ein Wendemanöver, bitte!

Devendra Banhart: "What Will We Be" (Warner), Them Crooked Vultures: "Them Crooked Vultures" (Sony), Espers: "III" (Cooperative/Universal), Blakroc: "Blakroc" (Cooperative)

  
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