Castortranportübung bei Obrigheim EnBW testet Neckarfahrt von Atommüll

Von Christoph Link 

Im Schritttempo rollt ein  Lastwagen mit einem Castor ans Ufer. Foto: dpa
Im Schritttempo rollt ein Lastwagen mit einem Castor ans Ufer. Foto: dpa

Mit leeren Castoren wird derzeit der Schiffstransport von Obrigheim nach Neckarwestheim geübt. Zum ersten Mal sollen in Deutschland abgebrannte Brennelemente auf einem Fluss transportiert werden.

Obrigheim - Es ist eine Generalprobe für eine Premiere: Zum ersten Mal sollen in Deutschland abgebrannte Brennelemente auf einem Fluss transportiert werden. Die EnBW Kernkraft GmbH (EnKK) – die Atomsparte des Energiekonzerns – hat am Montagnachmittag am Neckarufer in Obrigheim erprobt, wie der geplante Transport von 342 Brennelementen einmal vonstatten gehen wird. Verpackt in 15 Castor-Behältern sollen sie per Schiffsweg ins rund 50 Flusskilometer entfernte Neckarwestheim in das bestehende Zwischenlager gebracht werden, das wegen des Atomausstiegs auch in ferner Zukunft noch Kapazitäten frei haben wird.

Gegen 15.30 Uhr war es dann so weit, beobachtet von Kamerateams und einer Rudermannschaft auf dem ruhig dahinfließenden Neckar rollte ein Lastwagen im Schrittempo vom sogenannten Nasslager des stillgelegten Atommeilers an eine Hafenrampe am Ufer. Er schob einen achtachsigen Auflieger mit einem leeren, aber gleichwohl 96 Tonnen schweren Castor vom Typ 440/84 mvK vor sich her. Vorsichtig und mit quietschender Hydraulik wurde das Gefährt auf den Schubleichter mit dem Namen „Lastdrager 40“ bugsiert, der am Haken des Motorschiffs „Ronja“ hängt. Schon nach ein paar Minuten verschwand der Castor – den nur die Beschriftung „Bodenseite“ und „Deckelseite“ ziert – unter den weiß lackierten Decksaufbauten des Schubleichters. Der Kahn ließ sich von der neuen Last nur wenig erschüttern, er kann immerhin 1603 Tonnen tragen.

Genehmigung steht noch aus

Die EnKK üben den Schiffstransport schon einmal, allerdings steht die beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) beantragte Genehmigung noch aus, falls sie in nicht allzu ferner Zeit kommt, könnte mit den atomaren Flussreisen noch dieses Jahr begonnen werden. Insgesamt fünf Schiffsfahrten – jeweils rund einen Tag lang – werden notwendig sein, berichtete Jörg Michels, Chef der EnKK. „Wir haben diesen Testlauf sorgfältig und gewissenhaft vorbereitet. Die Sicherheit und der Schutz von Mensch und Umwelt stehen bei uns im Vordergrund“, sagte Michels. Wegen der Umladeprobleme sei ein Schienentransport nicht infrage gekommen, der Transport über die Straße sei zwar „ebenso sicher und machbar“ sowie ungefähr gleich teuer wie der Schiffstransport. Allerdings wären 15 Fahrten und wegen der Steigungen und Engpässe auf den Straßen zahlreiche Streckensperrungen damit verbunden – mit „massiven Auswirkungen auf den Individualverkehr“, kurzum: Viele Staus wären die Folge.

Der Schiffsweg ist da vergleichsweise störungsfrei. Ein Schiff wird jeweils drei Castoren transportieren können. Rund 80 Mitarbeiter der EnKK und von Fremdfirmen werden mit der gesamten Abwicklung des Transports, der einen Betrag im unteren zweistelligen Millionenbereich kosten wird, befasst sein. Michels hält den Schiffsweg für extrem sicher, denn die doppelwandigen Schubleichter – zwei kommen zum Einsatz – seien praktisch unsinkbar. Neben „Ronja“ gibt es ein zweites Schubschiff, die „Edda“. Ganz unfallfrei ist die Betriebshistorie der beiden allerdings nicht gelaufen, eines der Schiffe soll einmal auf Grund gelaufen sein, eins hatte einmal einen Kombüsenbrand wegen einer Mikrowelle.

Überwachung der Flusstransporte

Thomas Mürder, Präsident des Polizeipräsidiums Einsatz aus Göppingen, berichtete, dass die Wasserschutzpolizei die Flusstransporte überwachen werde, überdies wird mit einem Helikopter auch eine Kontrolle aus der Luft während des Transports erfolgen. Ein Augenmerk werden die Sicherheitskräfte vermutlich auf die sechs Schleusen und 23 Brücken an der Strecke legen. Man rechne mit „etwas Protest“, sagte Thomas Mürder. Wenn der friedlich verlaufe, dann habe man nichts dagegen einzuwenden. „Wenn der Transport aber gestört wird, dann werden wir dagegen vorgehen.“

Die Idee, die alten Brennelemente aus Obrigheim in Neckarwestheim zu lagern, sei einst von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) gekommen, sagte Helmfried Meinel, Ministerialdirektor im Umweltministerium. Der Vorteil sei, dass in Obrigheim kein neues Zwischenlager gebaut werden müsse und mit dem abgeschlossenen Rückbau Mitte des nächsten Jahrzehnts alle Atomtechnik verschwinde. Das werde wieder „eine grüne Wiese“. „Es lässt natürlich keinen unberührt, wenn bei ihm am Neckar ein Castor vorbeifährt“, meinte Meinel. Deshalb sei frühe Information darüber so wichtig, dass der Schutz der Bürger gewährleistet sei.

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