Ein Rapper im Blumenmeer: Casper in der Schleyerhalle Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Der Indie-Rapper Casper schafft in der Porsche-Arena seltene Momente von Tiefgang und Wahrhaftigkeit und wird dafür von seinen Fans gefeiert.

Eine Bühne voll bunter Blumen, dazu ein prachtvoller Baum – inmitten dieses Garten Edens steht eine sechsköpfige Band mit Gitarren, Keyboards, Drums, Cello und begleitet den Star des Abends: Casper gibt sich am Dienstag in der Porsche-Arena die Ehre und lässt sich von rund 6000 begeisterten Fans feiern.

 

Der deutsch-amerikanische Indie-Rapper Casper alias Benjamin Griffey, Wahlberliner mit westfälischen Wurzeln, tourt derzeit durch den deutschsprachigen Raum mit seinem neuen Album „Alles war schön und nichts tat weh“. „Habt ihr Bock, durchzudrehen?“, ruft er, und die vielen Moshpits im Publikum sind die Antwort darauf.

Ein Hauch von Heimspiel

Casper hat sich diesmal von Max Rieger produzieren lassen, dem Sänger und Gitarristen der Nerven aus Esslingen, und als Support ist mit dem Reutlinger Tua ein weiterer Sohn aus dem Südwesten dabei – der Auftritt hat also einen Hauch von Heimspielcharakter. Zusammen mit Tua singt Casper den Song „TNT“, in dem es um bipolare Störung geht.

Überhaupt gehen viele Songs des Rappers tief, und der Garten Eden verwandelt sich zwischendurch in eine höllenartige Szenerie durch eine pralle Lichtshow aus feuerrot und mystisch-dunklen Farben. Caspers Songtexte sind intensiv, persönlich und traurig echt: Als er den Song „Fabian“ ankündigt, der von seinem an Leukämie erkrankten Freund handelt, muss er selbst kurz weinen und in der Halle wird es ganz still, begleitet von einem Handylichtermeer: „Dir geht’s seit ’ner Weile nicht gut / Arzt sagt, da fehlen Teilchen im Blut / Keiner weiß, was das heißt / Wie bedrohlich, ist so schwer zu sagen“.

Casper feiert das Leben

„Billie Jo“ ist ein weiteres Stück dieser Art, das von einem Veteranen des Irakkriegs und seiner posttraumatischen Belastungsstörung handelt: „Er kam zurück aus dem Irak-Konflikt / Zu Vaterpflichten und Schlafverzicht / Xanax-Pillen nach Arztvorschrift“. Bei allem Ernst und allen großen Effekten zeigt sich Casper kraftvoll und gibt vor, das Leben zu feiern. „Adrenalin“ rappt er schwer ins Mikrofon, die Bässe wummern. Casper wirbelt über die Bühne, rockige Intermezzi verzieren den Rap in den gut eineinhalb Konzertstunden.

Chapeau für die Kunst und den Künstler, der sich nicht zu schade ist, sein Konzert wegen eines Sanitätereinsatzes im Publikum auch mal kurzzeitig zu unterbrechen. Am Ende gibt es mitsamt Band eine Verbeugung vor den Fans und im Hintergrund erscheint der Schriftzug: „Stuttgart war schön und nichts tat weh“.