Paul Gauselmann ist zwar schon 83, kassiert beim Glücksspiel jetzt aber auch im Internet ab. Foto: dpa

Paul Gauselmann ist der größte Hersteller von Glückspielautomaten in Deutschland. Laut den Paradise Papers ist der Milliardär längst im Markt der umstrittenen Online-Casinos unterwegs, die er selbst noch vor kurzem kritisierte. Seine Kunden, die klassischen Automatenaufsteller, fühlen sich vom Glücksspiel im Internet überrollt.

Espelkamp - Wer sich für Glücksspiele begeistert, für den gibt es an Paul Gauselmann kein Vorbeikommen. In Spielhallen ist Deutschlands größter Glücksspielautomaten-Hersteller ohnehin omnipräsent. Laut den „Paradise Papers“, dem zweiten großen Bericht des Internationalen Netzwerks investigativer Journalisten (ICIJ) nach den „Panama Papers“, mischt der Milliardär und Ehrenbürger von Espelkamp, dem Unternehmenssitz der Gauselmann-Gruppe, aber auch beim Geschäft der umstrittenen Online-Casinos mit. Problematisch ist hier nicht nur die Rechtslage: Gauselmann hatte Online-Casinos, bei denen es keine Kontrollmechanismen gibt, um Spielsüchtige zu schützen, in der Vergangenheit sogar verurteilt.

So sagte der heute 83-Jährige noch 2014 in einer Talkrunde bei Sandra Maischberger, dass es für Spielsüchtige nichts bringe, „sich in Casinos für die Teilnahme sperren zu lassen“. Diese würden ohnehin aufs Internet ausweichen. Und wer wartete da schon mit seiner Online-Glückspiel-Software? Paul Gauselmann, der den Enthüllungen nach bereits seit 2008 in der Welt des Online-Glücksspiels aktiv ist.

Auf Nachfrage bestätigt die Gauselmann-Gruppe die vom ICIJ recherchierten Netzaktivitäten – streitet jedoch illegale Aktivitäten ab; Geschäfte über Offshore-Firmen abzuwickeln sei nicht verboten.

Kontrolle im Internet gleich Null

Die Gauselmann-Gruppe habe zwar eine Entwicklungsfirma in Hamburg erworben, um Glücksspielsoftware fürs Internet zu programmieren und besitze auch eine Vertriebsgesellschaft auf der in den Fokus geratenen Steueroase Isle of Man. „Aber wir weisen die Betreiber der Online-Plattformen explizit darauf hin, diese nur in lizenzierten Märkten anzubieten“, sagt ein Sprecher. Die Gauselmann-Gruppe selbst betreibe keine Echtgeld-Online-Casinos in Ländern, in denen dies nicht erlaubt ist, sondern nur dort, wo auch Lizenzen erworben wurden – etwa in Italien, Spanien, oder England.

In der Sache sieht das Gauselmanns Kernkundschaft, die Automatenaufsteller, kritisch. Sowohl der Bundesverband Automatenunternehmer (BA) als auch dessen Landesverbände haben sich seit je her klar gegen Glücksspiel im Internet ausgesprochen. „Die digitale Welt überrollt uns“, sagt Michael Mühleck, der Vorsitzende des Automaten-Verbands Baden-Württemberg. Kontrolle gebe es dort im Gegensatz zu den Spielhallen, wo strenge Auflagen den Ablauf regelten, überhaupt keine.

Der Markt des Online-Glücksspiels wächst rasant. Nach Verbandsschätzungen hat das Glückspiel im Netz das Glücksspiel in den Spielhallen dem Einsatzvolumen nach sogar schon überholt. Zig Milliarden Euro sollen im Internet allein von Deutschland aus ins Glücksspiel fließen – in Spielhallen liegt der aktuelle Jahresumsatz laut BA bei 7,5 Milliarden Euro, wobei hier die Gesamtgewinne für die Glücksspielanbieter immer noch höher seien; weil die Gewinnchancen im Netz höher sind.

Halbe Million im Netz verzockt

Bei unkontrolliertem Spiel nützt das dem Spieler aber wenig. „Es gibt Fälle, da haben Menschen eine halbe Million Euro im Netz verzockt“, sagt Mühleck, „bei uns wäre das undenkbar.“ Auch Mühleck berichtet, dass ihn viele Angebote erreicht hätten, mit seiner Firma ins Internet-Geschäft einzusteigen. Das habe er natürlich abgelehnt.

Von Gauselmanns Netzaktivitäten habe der Verbandschef nichts gewusst. Auch zu einem direkten Kommentar zur Causa Gauselmann lässt sich Michael Mühleck nicht überreden. Genauso hält es der BA; womöglich ist die Macht Gauselmanns, der seinerseits dem Verband der Deutschen Automatenindustrie (VDAI) vorsitzt, der im selben Dachverband organisiert ist, in der Branche einfach zu groß.

Den Vorstoß in digitale Sphären begründet das Unternehmen so: „Wir wollten Erkenntnisse gewinnen, um uns auf die schon damals absehbare Digitalisierung im Markt der Glücks- und Gewinnspiele vorzubereiten.“ Darum sei der Staat aufgefordert, „rechtssichere und transparente Regelungen des Online-Casinos“ zu schaffen, da sich die forschreitende Digitalisierung auch in diesem Bereich nicht aufhalten lasse.

Aus dem Nichts ein Imperium aufgebaut

Bei den für Online-Glücksspiel zuständigen Innenministerien wird indes jedoch eher an Strafverfolgung gedacht. „Aktuell können wir nicht beurteilen, ob aufgrund der Enthüllungen gesetzgeberische Maßnahmen ergriffen werden sollen“, sagt Carsten Dehner, ein Sprecher des Ministeriums. Auch deshalb unterstütze es die Forderung des Bundesinnenministeriums, die Daten den Behörden zugänglich zu machen.

Paul Gauselmann ist eine schillernde Gestalt, „Glücksspielbaron“ nur einer von vielen Spitznamen. Aus dem Nichts baute er sein Unternehmen auf, stellte erst Musikautomaten auf, Ende der 70er kam sein erster Glücksspielautomat auf den Markt. 1993 wurde ihm für seine Verdienste um die deutsche Automatenwirtschaft das Bundesverdienstkreuz verliehen – das 2003 auf Drängen von Wolfgang Clement (SPD), damals Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, sogar zum Bundesverdienstkreuz 1. Klasse hochgestuft wurde.

Eine angebliche Parteispendenaffäre, die 2011 öffentlich wurde, überstand Gauselmann unbeschadet. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen ein. Und jetzt? Die Staatsanwaltschaft wird ihm wahrscheinlich auch diesmal kein Fehlverhalten nachweisen können. Und so lange die Branche vor dem Glücksspielkönig kuscht, werden wohl alle auch sein Spiel mitspielen.

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