Wo steht ein Auto von Miles? Vor allem am Stadtrand Stuttgarts sind viele Gebiete in der App ausgegraut. Foto: Sebastian Steegmüller

Der Carsharing-Anbieter erhöht die Zahl seiner Fahrzeuge um 150 auf mehr als 500. Doch viele Außenbezirke bleiben außen vor. Das ist der Grund.

Der Carsharing-Anbieter Miles erhöht seine Flotte in Stuttgart um 150 auf insgesamt mehr als 500 Fahrzeuge. Im vergangenen Herbst wurde die Zahl auf 400 reduziert – aufgrund von auslaufenden Leasingverträgen, der Verlegung von Autos in andere Städte und veränderten Nutzungsgewohnheiten. Kunden fahren immer häufiger in andere Städte, allerdings oftmals nur in eine Richtung. Aufgrund der reduzierten Flotte bemängelten Nutzer, dass sie in Stadtbezirken wie dem Stuttgarter Osten Schwierigkeiten hätten, ein Auto zu finden.

 

Weite Fußwege bis zum Miles-Auto

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Miles-Fahrzeuge nicht im gesamten Stadtgebiet zur Verfügung stehen. „Früher konnte ich in weiten Teilen von Degerloch ein Auto leihen, jetzt muss ich erst zehn Minuten in Richtung Albplatz laufen, dann kann ich auch gleich in die Stadtbahn einsteigen“, sagt eine frustrierte Nutzerin, die anonym bleiben möchte. In vielen Randgebieten Stuttgarts wie Uhlbach, Hedelfingen und Weilimdorf sieht es ähnlich aus. Dabei bleibt es trotz der 150 zusätzlichen Fahrzeuge. „Sie bedeuten leider nicht automatisch, dass das Geschäftsgebiet kurzfristig erweitert wird. Bei solchen Entscheidungen spielen verschiedene Dinge eine Rolle“, sagt eine Miles-Sprecherin.

„Wichtig ist beispielsweise die Fahrzeugdichte innerhalb des bestehenden Gebiets. Carsharing funktioniert nur dann gut, wenn das nächste Fahrzeug in fußläufiger Entfernung erreichbar ist“, so die Miles-Sprecherin. „Deshalb kann es sinnvoller sein, zunächst die Verfügbarkeit innerhalb eines bestehenden Gebiets zu erhöhen, statt die Fläche sofort auszuweiten.“ Nach Fahrten an den Stadtrand würden Autos länger stehen. Sie müssten von Miles-Teams wieder in stärker nachgefragte Bereiche gebracht werden. „Deshalb prüfen wir Erweiterungen des Geschäftsgebiets grundsätzlich schrittweise und orientieren uns dabei an der tatsächlichen Nutzung.“

In vielen Außenbezirken ist das Geschäftsmodell also nicht lukrativ genug. Nach Angaben von Miles werde ein Fahrzeug in Stuttgart im Schnitt 2,5-mal pro Tag angemietet. Die Tendenz sei steigend. Ab wann jedoch ein Wohngebiet oder ein Stadtteil in der App ausgegraut wird und dort keine Fahrzeuge mehr gemietet oder zurückgegeben werden können, lässt das Unternehmen offen. „Konkrete Nutzungszahlen für einzelne Teilgebiete veröffentlichen wir leider nicht“, sagt die Sprecherin, die aber auf die Kritik der Nutzerin Stellung bezieht: „In Degerloch haben wir das Geschäftsgebiet vorerst auf einen kleineren Bereich konzentriert, der aktuell die höchste Auslastung aufweist. Eine Vergrößerung des Gebiets ist perspektivisch aber durchaus wieder denkbar.“