In der Stuttgarter City unterwegs – aber in 22 Stadtteilen Fehlanzeige: Car2Go Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Nach dem Rückzug von Car2Go hat sich in einigen Randbezirken Stuttgarts eine Versorgungslücke aufgetan. In den Oberen Neckarvororten will das Autohaus Krautter nun eine Lücke schließen. Allerdings fehlen ihm dafür bisher Parkplätze in den vier geplanten Gebieten.

Stuttgart - Die Entscheidung hatte in vielen Stadtbezirken große Aufregung ausgelöst. Die Daimler-Tochter Car2Go gab im Herbst 2017 bekannt, ihr Geschäftsgebiet in Stuttgart zu verkleinern. Mehrere Neckarvororte, Teile der Stadtbezirke im Stuttgarter Norden und Süden sowie der Filderebene sind seitdem ausgeschlossen – insgesamt betrifft dies 22 Stadtteile. In den Gebieten blieben, so ein Sprecher des Unternehmens, die Autos oft über Stunden oder gar Tage stehen.

In diesen Gebieten ist eine Lücke entstanden. Das Autohaus von Markus Krautter in Untertürkheim plant diese nun mit einem eigenen Carsharing-Angebot teilweise zu schließen. Es gebe bereits ein System von Ford für alle Händler in Deutschland, das Flinkster als großen Kooperationspartner habe, sagt Krautter. Er möchte als Händler in dieses System einsteigen und dafür Fahrzeuge auf eigene Kosten anschaffen. „Carsharing wird in den nächsten Jahren stark wachsen“, sagt Krautter. Je mehr solche Angebote es gebe, so glaubt er, desto eher verzichteten viele vielleicht wenn nicht auf den Erstwagen so doch vielleicht auf einen Zweitwagen in der Familie.

Sein Konzept wäre kein Free-floating-System wie beim Marktführer Car2Go, sondern ein stationsbasiertes. Das bedeutet: Die Kunden müssten die Autos an einem festen Ort abholen und auch dorthin wieder zurückbringen. Das System ist zwar unflexibler, hat aber andere Vorteile: „Dadurch ist es eben günstiger“, sagt Krautter. So koste ein Auto in der Größe eines Ford Fiesta etwa fünf Euro für eine Stunde.

Bisher fehlen die Parkplätze, damit das System starten kann

In vier Stadtbezirken in den oberen Neckarvororten möchte Krautter mit jeweils einem Fahrzeug starten: Wangen, Hedelfingen sowie Ober- und Untertürkheim – als Pilotprojekt. „Das funktioniert aber nur, wenn es dort an gut erreichbaren Orten Parkplätze für die Autos gibt.“

Die CDU-Fraktion im Gemeinderat unterstützt den Vorstoß Krautters. In einem Antrag fordert die Union die Stadtverwaltung auf, zu prüfen, ob die Stadt dem Privatanbieter in den vier Bezirken je einen Parkplatz zur Verfügung stellen kann. „Es ist toll, dass er das als lokaler Anbieter macht und Ersatz schafft“, begründet Beate Bulle-Schmid, stellvertretender Fraktionssprecherin der CDU im Gemeinderat, den Antrag. Als Standorte seien in Wangen die Kelter an der Ulmer Straße denkbar, in Hedelfingen in der Nähe der Endhaltestelle der Stadtbahn und in Ober- und Untertürkheim jeweils in Bahnhofsnähe.

Die Grünenfraktion im Gemeinderat hatte das Thema im vorigen Winter in einem Antrag aufgegriffen. Sie hatten andere Lösungen wie Extratarife und zentrale Abstellorte ins Gespräch gebracht. Bisher hat Car2Go aber keine dieser Optionen aufgegriffen. Das Gebiet bleibt weiterhin verkleinert. Die Entscheidung von Car2Go sei ja durchaus nachvollziehbar, als privates Unternehmen müsse es wirtschaftlich arbeiten, sagt Bulle-Schmid.

Allerdings, unter der Gebietsverkleinerung in Stuttgart leiden besonders die Stadtteile, die ohnehin schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind, weshalb man private Initiativen auch in den anderen Bezirken begrüßen würde.

Privater Anbieter möchte Carsharing-Lücke schließen

Vor allem Stadtteile, die schlecht an den ÖPNV angebunden sind, leiden darunter. In Degerloch zum Beispiel ist man verärgert darüber, dass die Gewerbegebiete Tränke und Hoffeld abgehängt sind und forderte bereits die Stadt auf, mit anderen Anbietern in Kontakt zu treten. Im Bezirksbeirat Birkach-Plieningen hat man ebenfalls über Lösungen diskutiert. Betroffen ist dort Schönberg. In dem Stadtteil gibt es keinen Stadtbahnanschluss, die Busverbindungen sind ungünstig. „Damit haben die Stadtteile in den Außenbezirken wie Schönberg gleich ein doppeltes Problem“, sagt Veit Mathauer, Erster Vorsitzender des Bürgervereins Schönberg. „Zum einen sind sie nicht optimal an den ÖPNV angeschlossen, zum anderen scheinen sie für Anbieter innovativer Mobilitätskonzepte nicht attraktiv genug zu sein.“

Für Schönberg sei die Gebietsverkleinerung von Car2Go ein „herber Verlust“. Denn auch das E-Roller-System Stella ende an der Waldau oder in Hohenheim und lasse Schönberg als weißen Punkt auf der Karte. „Wir Bewohner von Schönberg sind also auf das Auto angewiesen – ob wir wollen oder nicht.“

Das bedauert auch die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel: „Gerade in Schönberg hat in den vergangenen Jahren auch ein Generationenwechsel stattgefunden“, sagt sie. „Besonders die jüngeren Familien in Schönberg sind ja offen für solche neuen Mobilitätssysteme und wollen gar nicht immer nur das eigene Auto nehmen.“ Aber man sei im Bezirk ja froh, dass man bald bei RegioRad-Stuttgart – dem öffentlichen Fahrrad- und Pedelecverleihsystem der Stadt– aufgenommen werde. „Man wird ja bescheiden“, sagt Lindel.

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