In Stuttgart hat Stadtmobil rund 400 Fahrzeuge – kleine und große. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Markus Draxler aus Stuttgart-Möhringen nutzt seit vielen Jahren Stadtmobil. Hier erklärt er, was aus seiner Sicht die Vorteile sind, Autos mit anderen zu teilen.

Markus Draxler war Anfang 30, als er sein eigenes Auto abgeschafft hat. Heute ist er 60 und ein erprobter Autoteiler: Seit 28 Jahren ist er bei Stadtmobil in Stuttgart. Damals gab es nur zwei Fahrzeuge in der ganzen Stadt, heute fallen ihm von seinem Zuhause in Möhringen fünf Standorte ein, an denen er in ein paar Minuten ist. Fragen an einen Pionier.

 

Herr Draxler, fahren Sie gerne Auto?

Teilweise ja. Wenn ich es nicht muss, fahre ich gern Auto, wenn ich fahren muss, teilweise nicht so gern.

Wie oft leihen Sie sich denn ein Auto?

Das ist schwer generell zu sagen. Ich bin ja selbstständig, und ich hatte mal eine Phase, wo ich viel unterwegs sein musste, da habe ich mehrmals im Monat ein Stadtmobil-Auto gemietet. Jetzt arbeite ich im Homeoffice, das heißt, ich nutze Carsharing einmal im Vierteljahr vielleicht – im Durchschnitt.

Ansonsten nutzen Sie den ÖPNV?

Den ÖPNV, zu Fuß, mit dem Fahrrad, was eben so passt.

Und für welche Fahrten nutzen Sie dann das Stadtmobil?

Es kann sein, dass ich mal größere Einkäufe habe. Oder ich möchte jemanden besuchen, den ich mit dem ÖPNV schwer erreiche. Es kann auch sein, dass ich nach Reutlingen fahre zu meiner Mutter und ihr was bringe.

Wie lange haben Sie dem eigenen Auto nachgetrauert?

Eigentlich gar nicht.

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Das mag man fast nicht glauben.

Na gut, Stuttgart hat eine spezielle Situation. Ich habe eine Zeit lang an der Immenhofer Straße/Olgastraße gewohnt, und ich habe in Esslingen trainiert. Mein Rekord war, wenn ich abends zurückgekommen bin, da ich keinen eigenen Stellplatz hatte, dass ich für die Parkplatzsuche eine Dreiviertelstunde gebraucht habe.

War das der Grund, warum Sie damals das Auto abgeschafft haben?

Das war der Grund, weshalb ich es mir intensiver überlegt habe. Sobald dann in Stuttgart in der Nähe vom Rathaus ein Stadtmobil-Fahrzeug stand, hatte ich einen Fußweg von zehn, zwölf Minuten zum Auto und von einer Viertelstunde zurück zu meiner Wohnung, weil es dann bergauf ging. Ich habe das ausprobiert, und es hat gut funktioniert. Dann habe ich mein eigenes Auto verkauft.

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Und wie lange laufen Sie jetzt in Möhringen zum nächsten Stadtmobil?

Ich würde sagen: acht Minuten ungefähr.

Fänden Sie es besser, wenn Sie das Auto überall abstellen könnten und nicht an einem festen Ort?

Dazu muss man verstehen, was die Vor- und Nachteile jedes Systems sind. Beim Freefloating stehen die Fahrzeuge an beliebigen Stellen, und man findet sie über eine App. Ich kann einen Wagen nur etwa 30 Minuten vorher buchen, aber nicht eine Woche im Voraus, weil ja nicht klar ist, wo sich der Wagen in einer Woche befindet. Beim stationsgebundenen Carsharing kann ich Wochen oder Monate im Voraus buchen. Wenn der Wagen schon vergeben ist, kann ich meine Buchung anpassen. Wie immer, wenn man sich mit anderen was teilt. Zudem: Beim Freefloating gibt es einen Fahrzeugtyp, zum Beispiel E-Smarts. Wenn ich aber etwas transportieren möchte, ist ein E-Smart komplett das falsche Auto. Bei stationärem Carsharing habe ich eine ganze Fahrzeugflotte. Diese beiden Systeme bedienen eine andere Klientel.

Und was machen Sie, wenn Sie spontan kein freies Auto finden, es aber dringend brauchen?

Stadtmobil hat in Stuttgart ungefähr 400 Fahrzeuge, in der ganzen Region wahrscheinlich um die 600. Dass ich da gar kein Auto finde, ist unwahrscheinlich. Was schon passiert ist, ist, dass ich nicht das nächstgelegene nehmen konnte.

Haben Sie sich mal ausgerechnet, was Sie an Geld gespart haben in den knapp 30 Jahren ohne eigenes Auto?

Ich hab’s nicht ausgerechnet. Aber ich hab schon ein Ahnung, was ich für Stadtmobil mit Benzin und allem drum und dran im Jahr ausgebe. Das sind etwa 500 Euro.

Klingt nach einer deutlichen Ersparnis.

Es hängt natürlich immer davon ab, wer das Stadtmobil nutzt. Es gibt ja zum Beispiel einen Tarif, wo ganze Familien Mitglied sein können. Diese Familien haben dann, wenn es drei Personen sind, normalerweise null Autos, und wenn sie es benötigen, auch drei gleichzeitig. Ganz flexibel. Sie haben aber keinerlei Aufwände in Bezug auf Reparaturen oder Fahrzeugpflege.

Wie fahren Sie denn in den Urlaub?

Ich fahre meistens mit öffentlichen Verkehrsmitteln, oder ich mache auch mal eine längere Fahrradtour. Aber es gibt genügend Leute, die sagen: Okay, wir machen eine Urlaubsfahrt vier bis sechs Wochen und nehmen dazu ein Stadtmobil-Auto.

Aber das wird ja sicher teuer, oder?

Jein. Sie können, außer dass Sie Stadtmobil nutzen, jederzeit auch einen Mietwagen nehmen, der dann eventuell sogar ein bisschen günstiger ist. Allerdings sind bei Carsharing die Spritkosten immer inklusive. Wenn Sie einen Mietwagen nehmen, kostet der Mietwagen, und der Sprit geht extra.

Was war denn die tollste Neuerung für Sie bei Stadtmobil in den vergangenen 30 Jahren?

Vor allem ist schön, dass sich das Carsharing weiter entwickelt hat. Je mehr Kunden da sind, je mehr Fahrzeuge finanziert werden können durch die entsprechenden Umsätze, desto besser ist Carsharing nutzbar. Wenn Sie sich überlegen: Für ganz Stuttgart gab es 1992 zwei Fahrzeuge an zwei unterschiedlichen Standorten. Jetzt habe ich fußläufig hier in Möhringen – mal kurz durchrechnen – ungefähr fünf Standorte zur Verfügung. Das ist eine Entwicklung, die den Komfort erhöht. Es könnte noch weitergehen.

Wie?

Es wird zum Beispiel innerhalb von Stadtmobil Stuttgart überlegt, wie man es schafft, in jedem größeren Wohngebiet alle 500 Meter ein Carsharing-Auto zu platzieren.