Die Buchungszahlen sind bei Carsharing-Unternehmen im März stark eingebrochen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Corona macht sich in der Carsharing-Branche bemerkbar. Die Buchungszahlen sind im März auch in Stuttgart extrem eingebrochen. Anbieter müssen ihre Fahrzeugflotten reduzieren und in Kurzarbeit gehen.

Stuttgart - Homeoffice und wegfallende Urlaubsreisen sind derzeit nur zwei Faktoren, die der Carsharing-Branche das Leben schwer machen. Seit Beginn der Corona-Krise ist die Nachfrage extrem zurückgegangen. Im März sind die Buchungszahlen im Schnitt um 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Das geht aus einer Umfrage des Bundesverband CarSharing e.V. (bcs) unter seinen Mitgliedsunternehmen hervor.

Diese Entwicklung spiegelt sich in Stuttgart auch bei dem stationsbasierten Anbieter Stadtmobil wider. Ein Rückgang um mehr als 50 Prozent in der zweiten Märzhälfte spricht Bände. Im April sei ein noch höherer Rückgang zu erwarten, wie Ulrich Stähle, Vorstand von Stadtmobil, sagt. „Unsere Kunden benutzen unsere Fahrzeuge üblicherweise, um an Ostern und Pfingsten in den Urlaub zu fahren. Das wird vermutlich dieses Jahr weitgehend wegfallen.“

Stadtteile in Randlagen von Fahrzeugreduzierung betroffen

Zwar sei die Fahrzeugflotte bisher noch nicht reduziert worden, die Planungen dazu würden aber schon laufen. „Aktuell denken wir, dass wir Mitte des Jahres den Fuhrpark um mindestens 100 Fahrzeuge reduzieren müssen – von aktuell circa 550 Fahrzeuge auf rund 450 Fahrzeuge“, sagt Stähle. Betroffen davon seien Stadtteile in den Randlagen sowie kleinere Städte in der Region. Das soll aber rückgängig gemacht werden, sobald man wirtschaftlich wieder stabil sei.

Corona macht sich auch bei sogenannten free-floating Anbietern bemerkbar. Hier werden die Autos nicht zu einer festen Station zurückgebracht, sondern dort per Handy geortet, wo sie der letzte Nutzer abgestellt hat. Niklas Merk, Pressesprecher von Share Now, bestätigt eine sinkende Nachfrage an allen Standorten, auch in Stuttgart. „Vor dem aktuellen Hintergrund werden wir einen Teil unserer Carsharing-Flotte vorübergehend aus dem Betrieb nehmen.“ Für einen Teil der Belegschaft sei ab dem 1. April Kurzarbeit beantragt worden. Ein Schritt, der auch bei Stadtmobil in Planung ist. Dort soll Mitte April Kurzarbeit eingeführt werden.

Grundversorgung soll gewährleistet sein

Diejenige, die auf das Carsharing-Angebot angewiesen sind, können aber zumindest mit einer Grundversorgung rechnen. „Viele Carsharing-Kunden besitzen kein eigenes Auto mehr. Sie sind auch während der Corona-Krise darauf angewiesen, dass das Carsharing verfügbar bleibt. Die Anbieter versuchen deshalb, eine Grundversorgung aufrecht zu erhalten“, sagt Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverband CarSharing e.V..

Laut dem bcs schätzte über ein Drittel der Mitgliedsunternehmen die langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise als existenzbedrohend ein. Bei Stadtmobil geht man zumindest die nächsten drei bis vier Monate nicht von derartigen Schwierigkeiten aus. „Wir haben in der Vergangenheit sehr gut gewirtschaftet und konnten Rücklagen bilden, die uns jetzt absichern. Aber über viele Monate können wir den voraussichtlich massiven Umsatzrückgang nicht durchhalten, ohne entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“, sagt Ulrich Stähle.

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