Zusammen mit Böblingen, Sindelfingen und Esslingen gehört Gerlingen seit November zur Zone A. Wer sein Car2go Auto dort abstellt, muss künftig draufzahlen Foto: Car2go Group GmbH

Auch Gerlingen ist von der Verkleinerung des Car2go-Geschäftsgebiets betroffen. Wie sich das in nächster Zeit auswirken wird, ist noch unklar. Auf jeden Fall kommen Mehrkosten auf die Nutzer zu.

Gerlingen - Den Elektroautos und Gemeinschaftswagen gehört die Zukunft, heißt es seit Jahren. Doch in Gerlingen sind beide Fortbewegungsmittel jetzt auf dem Rückzug. Der Carsharing Betreiber Car2go, ein Tochterunternehmen des Autoherstellers Daimler, hat im Oktober angekündigt, sein Geschäftsgebiet in Stuttgart verringern zu wollen, von ursprünglich 153 Quadratkilometer auf 101 Quadratkilometer. Dazu gehört auch, dass in den Stadtgebieten Gerlingen, Esslingen, Sindelfingen und Böblingen seit dem 2. November eine Extragebühr von 1,90 Euro fällig wird, wenn Nutzer ihr Leihauto dort abstellen. „Durch die Drop Off-Fee können mehr Rückführungen durch die Service-Mitarbeiter angeboten werden“, sagt Daniel Hörer, der Pressesprecher der Car2go Group, etwas verklausuliert. Denn in den Außenbezirken, dazu zählt Gerlingen, würden die Autos oft nicht mehr in ausreichender Zahl ins Kerngeschäftsgebiet in Stuttgart zurückgefahren werden, sagt Hoerer.

In den Außenbezriken stranden die E-Autos

550 Elektroautos sind in der Region Stuttgart für Car2go im Einsatz, 105 000 Kunden hat das Unternehmen laut eigenen Angaben. Mit einem Smartphone können Kunden ein Auto in ihrer Nähe suchen, finden und sofort losfahren. Am Wunschort angekommen, wird das Auto per Smartphone wieder verschlossen. „Free-floating Carsharing funktioniert dann am besten, wenn die Autos häufig gemietet und von den Kunden gleichmäßig im Geschäftsgebiet verteilt werden“, erklärt Thomas Beermann, der CEO von Car2go Euro. Häufig würden jedoch Autos in Außenbezirken mit geringer Nachfrage „stranden“, die dann in der Innenstadt fehlten.

Wie viele Kunden Car2Go in Gerlingen hat und wie oft die Autos der Firma dort starten, fahren oder geparkt werden, dazu will sich das Stuttgarter Unternehmen nicht äußern. „Zahlen zu den einzelnen Städten oder Stadtteilen veröffentlichen wir nicht“, heißt es aus der Zentrale einsilbig.

Stadtmobil schließt Erweiterung nicht aus

Car2go ist allerdings nicht der einzige Anbieter von Gemeinschaftsautos in Gerlingen. Auf einem ähnlichen Prinzip aufgebaut ist Stadtmobil. Jedoch haben diese Autos einen festen Parkplatz, zu dem die Nutzer sie auch zurückfahren müssen. Zwei Autos, ein Kleinwagen (Opel Corsa) und ein Kombi (Opel-Astra) stehen in einem Parkhaus in der Schillerstraße in der Nähe zur Stadtbahn für die angemeldeten Nutzer zur Verfügung. „Etwa 30 bis 40 Personen nutzen das Angebot in Gerlingen regelmäßig“, sagt Karsten Seidl, der ehrenamtliche Filialleiter des Vereins Stadtmobil in Gerlingen. Weitere 20 Personen sind bei dem Dienst in Gerlingen angemeldet. „Wobei ein paar Haltestationen weiter, in Giebel und im Salamanderweg auch Stadtmobile stehen, die den Gerlingern zu Verfügung stehen, und unsere Fahrzeuge werden auch nicht ausschließlich von Einheimischen genutzt“, sagt Seidl.

Bürgermeister versucht Änderung positiv zu sehen

Die Einschränkung beim Mietservice Car2go bedauert Seidl. „Gerade am Stadtrand, wo weniger öffentliche Verkehrsmittel unterwegs sind, ist Car2go eine tolle Ergänzung zu den Mobilitätsangeboten in der Region“, sagt Seidl. „Es irritiert mich, dass Car2go sein Angebot gerade dort eingeschränkt hat.“ Stadtmobil, das macht Seidl deutlich, habe jedenfalls nicht vor, sein Angebot einzuschränken. „Im Gegenteil: wenn die Nutzerzahlen das zulassen, dann kann ich mir vorstellen, dass in den nächsten Jahren noch ein weiteres Auto, vielleicht auch an einem anderen Standort in Gerlingen hinzukommt.“ Allerdings räumt Seidl auch ein, dass die Randgebiete im Vergleich mit den Städten nicht so viel Gewinn erwirtschaften. „Aber das ist auch nicht unser Ziel.“

Der Gerlinger Bürgermeister Georg Brenner versucht, die Änderung optimistisch zu sehen: „Es ist spekulativ, ob der für Gerlingen geltende Zusatztarif dazu führt, dass dadurch das Carsharing-Modell weniger attraktiv oder weniger genutzt wird. Das Gerlinger Geschäftsgebiet wurde nur geringfügig reduziert. Für mich gilt: lieber Car2go mit einem Auswärtigenzuschlag als kein Car2go.“

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