Das Prinzip Carsharing: Anmelden, Auto buchen, Auto abholen, losfahren. Foto: dpa

Carsharing gibt es bald auch in der kleinsten Strohgäu-Kommune Hemmingen. Ditzingen baut das Angebot aus, in Korntal-Münchingen stagniert die Nachfrage.

Strohgäu - Der Hemminger Bürgermeister Thomas Schäfer betritt Neuland. Er hat beschlossen, dass sich von März an seine Bürger vor Ort ein Gemeinschaftsauto leihen können. Beim sogenannten Carsharing stellt eine Kommune feste Mietstationen bereit, oder die Autos stehen im öffentlichen Straßenraum. Wer sich registriert, kann auch auf Fahrzeuge außerhalb des Wohnorts zugreifen. „Ich sehe das als einen Testballon. Ich bin gespannt, wie die Bürger das Angebot annehmen“, sagt Thomas Schäfer. Schon 2013 habe er mit der Idee des Carsharings gespielt. „Doch nun ist die Technik ausgereift. Man kann jetzt auch per App ein Auto bestellen.“

Während Ditzingen, Gerlingen und Korntal-Münchingen den Anbieter Stadtmobil haben, arbeitet Hemmingen mit dem örtlichen Autohaus Scheller zusammen. Dieses kooperiert mit dem Carsharing-Angebot des Autobauers Ford und dieser wiederum mit Flinkster, dem Carsharing-Dienst der Deutschen Bahn. Zunächst parkt Scheller auf dem Firmengelände sowie in der Freiherr-von-Varnbühler-Straße auf Höhe des Supermarktes Edeka jeweils ein Fahrzeug. Ein drittes steht laut der Geschäftsführerin Birgit Scheller in Schwieberdingen.

Selten ein Selbstläufer

Carsharing ist Experten zufolge selten ein Selbstläufer. „Am ehesten lassen sich ökologisch orientierte Bürger, Radfahrer, Nutzer des Nahverkehrs und Leute ohne Auto überzeugen“, sagt Edgar Augel. Er ist bei Stadtmobil für die Region Stuttgart für das Marketing zuständig. Mit circa 15 000 Nutzern gehört der Anbieter dort neben Flinkster und der Daimler-Tochter Car2go zu den größten Betreibern. Rentner seien zwar „ideal“ für das Gemeinschaftsauto, da viele nur wenige Male pro Woche fahren. Jedoch seien gerade sie „schwerfällig“ und kaum bereit, auf ein Leihauto umzusteigen. Edgar Augel sagt, dass grundsätzlich „ein langer Atem nötig“ sei, soll Carsharing klappen. „Man sollte mindestens fünf Jahre dranbleiben und intensiv über das Angebot informieren und es bewerben.“ In Ditzingen, Korntal und Gerlingen würden die Fahrzeuge durchschnittlich einmal pro Tag gebucht.

Aufgrund der „Nachfrage auf hohem Niveau“ baut Ditzingen das Angebot für die 90 Nutzer in den nächsten Monaten weiter aus. Sobald am Bahnhof ein Stellplatz vorhanden ist, gibt es dort ein fünftes Fahrzeug, sagt Roland Harsch vom Ditzinger Stadtmobil-Verein. „Wir sind mit der Auslastung sehr zufrieden. Es kommen immer wieder neue Kunden hinzu.“ Außerdem werde ein Auto durch ein Hybrid-Fahrzeug ersetzt.

In Gerlingen nutzen 64 Kunden das Angebot von Stadtmobil. Zwei Autos stehen in einem Parkhaus in der Schillerstraße nahe der Stadtbahn. Karsten Seidl, der Filialleiter des örtlichen Vereins Stadtmobil, hält es für möglich, dass in den nächsten Jahren ein drittes Auto kommt – „vielleicht an einem anderen Standort in Gerlingen“.

Extragebühr bei Car2go in Gerlingen

Dort ist Stadtmobil nicht der einzige Anbieter. Car2go verleiht Elektroautos. Aber: die Daimler-Tochter verkleinert in der Region Stuttgart das Einsatzgebiet um ein Drittel. Als Folge müssen Nutzer, die ein Auto in Gerlingen, Esslingen, Sindelfingen und Böblingen abgeben, seit November eine Extragebühr von 1,90 Euro zahlen. Ob die Zusatzkosten Stadtmobil mehr Nutzer verschaffen, ist unklar. „Wir hatten einen kleinen Zuwachs, der jedoch in der Größenordnung üblicher Schwankungen liegt und damit nicht aussagekräftig ist“, sagt Edgar Augel. Man müsse einen längeren Zeitraum betrachten.

Bei Car2go heißt es indes: „Unser Kundenwachstum setzt sich unverändert fort.“ Der Betreiber habe am Standort Stuttgart 112 000 Nutzer – ein Anstieg um etwa 20 Prozent zum Vorjahr. Nicht nur über die Anzahl der Buchungen schweigt das Unternehmen. „Da die Autos im gesamten Geschäftsgebiet von den Kunden bewegt werden, variiert die Zahl der verfügbaren Fahrzeuge in Gerlingen entsprechend und kann nicht genau beziffert werden.“

Fahrzeuge nur „durchschnittlich“ ausgelastet

In Korntal-Münchingen nutzen 68 Kunden die beiden Autos am Korntaler Bahnhof. Da die Fahrzeuge mit rund 30 Prozent nur „durchschnittlich“ ausgelastet seien, gibt es vorerst kein drittes Auto, sagt der Stadtmobil-Filialsprecher Wolf Leilich. Falls doch, würde es ebenfalls in Korntal stehen: „Wo Nahverkehr ist, hat Carsharing gute Chancen.“ Die Resonanz der Münchinger sei zudem „viel zu gering“.

Anfang 2017 waren laut dem Bundesverband Carsharing in Deutschland rund 1,7 Millionen Nutzer registriert. Das ist ein Plus von 3,5 Prozent zum Vorjahr. In der Region Stuttgart steigt die Nachfrage von Stadtmobil jährlich um etwa fünf Prozent. Das nur noch geringe Wachstum führt Edgar Augel auf die aktuell günstigen Preise für Autos und Sprit zurück. „Sobald das Benzin wieder teurer wird, steigen mehr Menschen auf Carsharing um“, ist er sich sicher.

Termin Hemmingen informiert am Montag, 26. Februar, über das geplante Carsharing. Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr im Bürgertreff. www.ford-carsharing.de

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