Von 1993 bis '95 spielte er beim VfB Stuttgart, jetzt trainiert er zum zweiten Mal Brasiliens Nationalmannschaft: Carlos Dunga. Foto: Pressefoto Baumann

Samba-Show zur Begrüßung, Zoff am Ende: Erinnerungen an die Zeit von Carlos Dunga ( „Der Ball ist aus Leder, das kommt von der Kuh, die Kuh grast – und deshalb will der Ball immer auf den Rasen runterfallen") beim VfB Stuttgart zwischen 1993 und 1995.

Samba-Show zur Begrüßung, Zoff am Ende: Erinnerungen an die Zeit von Carlos Dunga ( „Der Ball ist aus Leder, das kommt von der Kuh, die Kuh grast – und deshalb will der Ball immer auf den Rasen runterfallen") beim VfB Stuttgart zwischen 1993 und 1995.

Stuttgart - Ganz einfach war das Geschäft ja nicht, als dieser Brasilianer vom AC ­Pescara in Italien zum VfB Stuttgart wechseln sollte. Allein der Name .  „Er erstreckt sich über zwei Buchseiten“, stöhnte Gerhard Mayer-Vorfelder über Carlos Caetano Bledorn Verri.

Nur gut, dass dessen Vater schon früh ganz ähnlich dachte wie der damalige VfB-Präsident – und seinen Filius einfach Dunga (portugiesisch für „Zwerg“) nannte. Als Carlos Dunga machte sich der neue Trainer der brasilianischen Nationalmannschaft dann in der Fußballwelt einen Namen.

Also wichen auch in Stuttgart die Zweifel recht schnell. 4,5 Millionen Mark (Gehalt und Ablöse) war dem VfB das Geschäft damals wert, beim ersten Heimspiel Dungas im Gottlieb-Daimler-Stadion wurde eine brasilianische Samba-Show geboten, und Dunga – womöglich inspiriert von der Party um die eigene Person – verzauberte auf Anhieb die Anhängerschaft.

Bei seiner Vorstellung hatte er seinen Fauxpas beim Jonglieren noch mit den Worten begründet: „Der Ball ist aus Leder, das kommt von der Kuh, die Kuh grast – und deshalb will der Ball immer auf den Rasen runterfallen.“ In seinem ersten Pflichtspiel im Spätsommer 1993 war dann aber erst mal Schluss mit lustig. Erst knallte einer seiner Fernschüsse gegen Borussia Dortmund an den Pfosten, kurz vor Ende der Partie landete ein weiterer Freistoß dann zum 2:2 im Tor. Was Carlos Dunga eigenen Angaben zufolge gar nicht geplant hatte: „Ich wollte nur mal sehen, wie der Ball fliegt.“

Als eher untypischer Brasilianer prägte Carlos Dunga fortan das Spiel des VfB von der Sechserposition aus in effektiver, aber eher unspektakulärer Weise. Nach der WM 1994 in den USA kehrte er als Kapitän der Weltmeistermannschaft nach Stuttgart zurück. Doch mit der Liebesbeziehung war es schon bald nicht mehr so weit her. Ob’s an der Kehrwoche lag.

Deren pflichtbewusste Erledigung soll jedenfalls nicht zu Dungas Stärken gezählt haben. Zwar beteuerte er: „Das ist wie mit der taktischen Disziplin: Ich komme gut mit ihr klar.“ Die Nachbarn in Sommerrain sollen da aber anderer Meinung gewesen sein. Und auch Dungas Abschied im Sommer 1995 lief nicht ohne Nebengeräusche ab. Mit Interimstrainer Jürgen Sundermann kam es zum Krach, und Dunga sagte: „Vielleicht verstehen mich die Leute erst, wenn ich nicht mehr da bin.“ Dann war er weg.

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