Der abgesetzte katalanische Regierungschef Carles Puigdemont. Foto: AP/Keystone

Ein Richter in Madrid hat einen europäischen Haftbefehl gegen den abgesetzten katalanischen Regierungschef Carles Puigdemont erlassen. Der Separatistenchef sollte sich der spanischen Justiz stellen, kommentiert Ralph Schulze.

Brüssel/Madrid - Erst steuert der Separatistenchef Carles Puigdemont Katalonien auf widerrechtliche Weise in einen Unabhängigkeitskonflikt. Und dann, als er mit seiner halsbrecherischen Politik Schiffbruch erleidet, geht der Kapitän als Erster vom Schiff und flüchtet nach Belgien. Dieses Verhalten widerspricht jener Solidarität, die der abgesetzte Ministerpräsident Kataloniens von seinen Anhängern einfordert, um die „katalanische Republik“ zu verteidigen. Sogar in den Reihen der Separatisten wird diese Flucht von nicht wenigen als Feigheit und Verrat empfunden.

Seine Weigerung, sich der spanischen Justiz zu stellen, begründet er mit der Behauptung, dass er, der doch „mit demokratischen Mitteln“ für die Unabhängigkeit Kataloniens eingetreten sei, nun wegen seiner politischen Ideen von Spanien verfolgt werde. Im Unterschied zu den meisten anderen Verantwortlichen der katalanischen Separatismuspolitik, die sich am Donnerstag vor Gericht gegen den Vorwurf der Rebellion verteidigt haben, hat Puigdemont nicht den Mut, für seine Überzeugung einzustehen. Stattdessen will er mit juristischen Winkelzügen verhindern, dass er von Belgien ausgeliefert wird. Dabei setzt er auf die zuweilen komplizierten Auslieferungsverfahren in Belgien. Ein Umstand, der schon baskische ETA-Terroristen vor spanischen Gefängnissen rettete.

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