Carla Bruni 2018 an der Berliner Universität der Künste Foto: imago images/POP-EYE/Ben Kriemann

Edith Piaf und Juliette Gréco gelten als „grandes dames de la chanson“, Sängerinnen wie Zaz und Patricia Kaas führen die Tradition fort – und die gebürtige Italienerin Carla Bruni.

Stuttgart - Keine haucht, säuselt und schmachtet so charmant wie Carla Bruni (52), wenn sie zur Gitarre Chansons über das Leben und die Liebe singt. In ihrem ersten Hit „Quelqu’un m’a dit“ philosophiert sie über das Schicksal und die schwindende Zeit, diesen „salaud“ („Mistkerl“, die Zeit ist auf französisch männlich) – um dann im Refrain wie ein kleines Wunder die Aussicht aufblühen zu klassen, dass „er“ sie doch noch liebt.

Das war 2002 und der erste Hinweis, dass es ihr gelingen würde, nach ihrer Karriere als hochbezahltes Model (1987 bis 1998) erfolgreich eine zweite zu begründen. Inzwischen hat sie noch den früheren französischen Staatspräsidenten Präsidenten Nicolas Sarkozy geheiratet und auch als „premiére dame“ konsequent ihre Musik weiter verfolgt – „Comme si de rien n’était“ („Als wäre nichts passiert“) betitelte sie ihr vielleicht stärkstes Album von 2008.

Sie singt wieder auf Französisch

Nach einem Ausflug in den englischsprachigen Pop („French Touch“) mit Coverversionen von Depeche Mode und „Moon River“ kehrt Carla Bruni nun mit einem selbstbetitelten Album zurück zum französischen Chanson, dem sie eine eigene Note hinzugefügt hat. Gleich im ersten Stück „Quelque chose“ denkt sie darüber nach, was dieses ominöse „Etwas“ sein könnte, das menschliche Impulse auslöst und menschliche Lebenswege beeinflusst. Da summt sie dann auch gleich ihr unwiderstehliches „hm, hm, hm“.

Dann umkreist sie lyrisch „un secret“ (ein Geheimnis), sie verscheucht Gedanken ans Ende und nimmt sich vor, jeden Moment auszukosten („Rien que l’extase“), sie träumt davon, einfach zu zweit durchzubrennen ans Meer wie Kinder („Partir dans la nuit“). Bruni fasst die großen Lebensthemen sehr universell und koppelt sie zugleich oft an die Liebe – „es gibt nichts anderes“, konstatiert sie in „Un grand amour“, „nichts anderes was zählt“. Die Liebe ihres Lebens schwingt da oft zwischen den Zeilen mit und könnte auch gemeint sein, wenn Bruni ihren „kleinen Gepard“ besingt, den sie zähmen wollte. Bei einem Stück („Voglio l’amore“) lässt Bruni ihre Schwester auf Italienisch leidenschaftlich sprechsingen, die Schauspielerin Valeria Bruni Tedeschi.

Carla Bruni bleibt sich treu

Eine kleine Sensation wie die magische Ballade „Déranger les pierres“, die sie mit dem Chansonnier Julien Clerc schrieb, findet sich nicht auf diesem neuen Album, und auch keine verruchte Ode an die verlorene Zeit („Le temps perdu“, beide 2008). Doch die 1967 in Turin geborene Sängerin, die als fünfjährige mit ihrer Familie nach Frankreich umzog, ist sich treu geblieben – und bleibt eine der wichtigsten weiblichen Stimmen des zeitgenössischen Chansons.

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